Wein des Monats Januar: 2013 Cuvée Classique Rouge von L'Hortus

30.12.2015

Pic Saint Loup ist eine der nördlichsten und hochgelegensten und damit auch kühlsten Regionen im Languedoc. Von der kommt unser Wein des Monats, die Cuvée Classique der Domaine de L'Hortus. Ein wunderschöner, höchst animierender und trinkiger Rotwein aus den Sorten Syrah und Grenache mit einem kleinen Anteil Mourvèdre. Dank des kühlen Klimas zeigt der Wein eine lebhafte Frische, wie man sie sonst im Languedoc nicht vermutet, und dank der steinigen, quarzithaltigen Verwitterungsböden hat der Wein eine großartige Mineralität, die ihm Komplexität und Spannung verleiht.

Der Pic Saint Loup ist ein markanter, mächtiger Kalksteinfelsen (658 Meter hoch) nördlich von Montpellier und in der gesamten Region zu sehen. Gleichzeitig ist er Namensgeber des Cru Pic Saint Loup in der Appellation Languedoc. Am Fuße dieses mächtigen Felsens, quasi eingeklemmt zwischen dem Pic Saint Loup und dem Plateau der Montagne d'Hortus (512 Meter hoch), liegt die Domaine de L'Hortus. Dieses Weingut ist ein reinrassiger Familienbetrieb: Vater Jean Orliac hat die Domaine vor mehr als 30 Jahren gegründet, Sohn Martin ist der verantwortliche Kellermeister, Sohn Yves ist für die Vermarktung zuständig, und Tochter Marie kümmert sich um die Reben.

Die Reben von L'Hortus vor dem mächtigen Felsen Pic Saint Loup

Die Reben von L'Hortus vor dem mächtigen Felsen Pic Saint Loup

 

Die Rebflächen liegen in dem steil nach Norden hin ansteigenden Tal zwischen dem Pic Saint Loup und der Montagne d'Hortus. Dadurch profitiert es gleich von zwei gegensätzlichen Klimaphänomenen: Vom Mittelmeer weht der warme und feuchte Marin genannte Wind, von den Cevennen kommt aus dem Norden der kühle und trockene Wind. Wie auch immer: hier weht der Wind beständig, es wird nie zu heiß, die Reben trocknen nach eventuellen Niederschlägen schnell ab. Es ist hier deutlich kühler als in den meisten anderen Regionen des Languedoc. Davon profitieren die Trauben, denn sie reifen langsamer und können so mehr Mineralien in die Beeren einlagern.

 

Jean Orliac in den Reben vor dem Plateau der Montagne d'Hortus

Jean Orliac in den Reben vor dem Plateau der Montagne d'Hortus

 

Das steinige Terroir sorgt zum einen für eine gute Drainage, sodass die Reben auch nach ergiebigen Regengüssen keine nassen Füsse bekommen, was besonders im Frühjahr von großem Vorteil ist, denn nasse Böden sind kalte Böden, die sich nur langsam erwärmen. Zum anderen speichern die Felspartikel aber auch ganz gut die Feuchtigkeit, so dass die Wurzeln auch in heißen und trockenen Sommern ausreichend Wasser finden. Selbst im Hitzejahr 2003 hatten die Reben von L'Hortus keinen Trockenstresss.

Aber das faszinierendste Detail ist die Mineralität in den Weinen: Dank dem Mineralienreichtum der Böden und der langsamen Reifung der Trauben lagern die Beeren sehr viele Mineralien ein. Dadurch schmecken alle Weine von L'Hortus aufregend komplex und zeigen eine Spannung am Gaumen. Das funktioniert aber nicht bei jungen Reben, deren Wurzeln noch nicht tief genug reichen und die noch nicht ausreichend vernetzt sind. Daher werden die Weine aus jungen Reben unter dem Namen "Le Loup dans la Bergerie" mit eigenem Etikett vermarktet.

Sowohl die Weißweine wie die Rotweine von L'Hortus gehören zu den besten der Region. Sie zeigen dank des kühlen Klimas immer ein beeindruckendes Säurespiel, einen straffen Zug am Gaumen, mit grandioser Komplexität und Vielschichtigkeit. Die beiden Basisweine nennen sich einfach Cuvèe Classique, die beiden Top-Weine Grande Cuvée.

Unser Wein des Monats ist die Cuvée Classique rouge, aber - wenn wir ganz ehrlich sind - wir hätten genauso die Cuvée Classique blanc wählen können. Denn die ist genauso gut! Die rote Cuvée Classique wird aus den Sorten Syrah und Grenache mit einem kleinen Anteil Mourvèdre erzeugt. Jean Orliac liebt die Mourvèdre, weiß aber auch um deren Schwächen. Denn Mourvèdre braucht Hitze, weshalb sie auch nur an den wärmsten Parzellen angepflanzt wird. Syrah und Grenache hingegen finden sich eher in den Parzellen mit nördlicher Exposition.

 

Der Tresterhut für den Cuvée Classique vor dem Überschwallen

Der Tresterhut für den Cuvée Classique vor dem Überschwallen

 

Das Geheimnis der Feinheit der Weine von L'Hortus erklärt uns Martin Orliac, der verantwortliche Mann im Keller. Er achtet auf eine sehr sanfte Maischebehandlung, denn er möchte keine harten Gerbstoffe extrahieren. Mehrmals täglich wird deshalb zu Beginn der alkoholischen Gärung der Saft abgezogen und in eine Wanne plätschern lassen und dann über den Tresterhut gepumpt. So muss er den Tresterhut nicht so häufig mechanisch aufbrechen, die Extraktion ist sanfter. Das Abstechen hat zudem den positiven Effekt, dass die Tannine durch den Sauerstoffkontakt mit den Farbstoffen verketten können, was zu mehr Farb- und Tanninstabilität führt, und die Tannine schmecken so auch feiner.

Wer wissen möchte, wie das Abstechen und Überschwallen funktioniert und vor allem, wie der Cuvée Classique duftet und schmeckt, der sollte sich unser Video zum Wein des Monats anschauen. Das Video entstand in Singapur in den Gardens by the Bay.

Video zum Wein des Monats: Cuvée Classique von L'Hortus

 

 Das Konzept für den Videoblog wurde zusammen mit dem Werbefilmstudio framekit entwickelt (www.framekit.de). Das junge Unternehmen ist Spezialist für Image-, Produkt- und Unternehmensfilme. Die von mir, Frank Roeder MW, selbst aufgezeichneten Videos werden von framekit geschnitten und zum fertigen Film bearbeitet.

 

Text und Fotos: Frank Roeder MW

 

 

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