Wein des Monats August: 2015 Scharzhofberger Riesling Spätlese von Johannes Peters

01.08.2016

Die rund 28 Hektar große Spitzen-Lage Scharzhofberg ist sicher eine der berühmtesten Riesling-Lagen Deutschlands. Von hier kommen mit die teuersten Weine der Welt, und das schon seit vielen Jahrzehnten. Eine Trockenbeerenauslese von Egon Müller kostet - aktuelle Jahrgänge - mehr als 4.000 € je Flasche. Doch nicht nur diese weltweit begehrte Rarität macht den Mythos Scharzhofberg aus: Alle Rieslinge aus dieser Lage - ob trocken, feinherb oder restsüß - zeichnen sich durch eine einzigartige und unverwechselbare Mineralität aus. So auch unser Wein des Monats.

Nur 8 Winzer sind am Scharzhofberg aktiv: Egon Müller mit 8,4 Hektar, Reichsgraf von Kesselstatt mit 6,6 Hektar, die Bischhöflichen Weingüter in Trier mit 6,6 Hektar, und den Rest teilen sich die Weingüter von Hövel, Van Volxem, Vereinigte Hospitien, Johannes Peters und Andreas Resch.

Johannes Peters besitzt gerade mal 0,5 Hektar im östlichen Teil des Scharzhofbergs, aber seine Parzelle ist mit blosem Auge auch aus der Distanz gut zu erkennen. Weil es seine beste (und berühmteste) Lage ist, widmet er sich ihr mit besonderer Akribie. Es fällt einfach auf, dass seine Reben akurat geschnitten sind, die Bodenarbeit keinen Wildwuchs zulässt.

Die Parzelle im Scharzhofberg von Johannes Peters

Johannes Peters zeigt uns seine 0,5 Hektar große Parzelle im östlichen Teil des Scharzhofbergs

Was genau macht diese Lage so besonders, was macht sie zur Spitzen-Lage? Es gibt mehrere Gründe dafür, die sich unter den Überschriften Geographie, Geologie, Klima und Wetter sowie die Winzer zusammen fassen lassen:

Der Scharzhofberg liegt gar nicht direkt an der Saar, sondern in dem Seitental, das sich von Wiltingen Richtung Oberemmel erstreckt. Das Tal erstreckt sich von West nach Ost, und das bedeutet, dass die Reben eine perfekte Südausrichting genießen und so von morgens bis abends die Sonnenstrahlen einfangen. Der Scharzhofberg liegt auf einer Höhe von 180 bis 310 m über dem Meeresspiegel. Die untersten Rebstöcke liegen damit schon einmal gut 50 Meter höher als die Lagen unten am Fluss, und damit entsprechend kühler.

Flurkarte des Scharzhofbergs, rot markiert die Parzelle von Johannes Peters

Flurkarte des Scharzhofbergs, rot markiert die 0,5 Hektar Rebfläche von Johannes Peters

 

Die Steilheit ist mit maximal 60% eher moderat und flacht sich Richtung Osten (nach Oberemmel hin) auf 30% ab. Das erleichtert einerseits die Bearbeitung (der gesamte SHB ist direktzugsfähig), andererseits aber immer noch steil genug ist, um einen sehr guten Sonneneinfallswinkel zu haben.

Das Klima an der Saar gehört noch immer zu den kühlsten aller Weinbaugebiete in Deutschland. Lediglich die ostdeutschen Weinregionen Sachsen und Saale-Unstrut haben eine ähnliche Temperatur-Summe während der Vegetationsperiode. Während normalerweise in wärmeren Regionen die Beeren von Ende Blüte bis zur Lese in rund 100 Tagen reifen, kann diese Periode an der Saar für den Riesling auch schon mal bis zu 150 Tage dauern.

Das bedeutet, dass die Reben mehr Zeit haben, die wertvollen Mineralien in die Beeren einzulagern, und beonsders im Spätherbst mit seinen noch warmen Tagen und kühlen Nächten kurz vor der Lese potenziert sich dieser Effekt.

Wie auch andernorts an Saar und Mosel ist es der Schiefer, der den Boden am Scharzhofberg prägt. Doch während sonstwo der Schiefer in mehr oder weniger großen Formationen aufzufinden ist, ist hier der Schiefer stark verwittert. Dieser poröse, feinkrümelig Schluff ist kein klebriger, feuchter, nährstoffreicher Lehm, aber auch keine extrem magere Erde. Er ist so weich und durchlässig, dass junge Reben schnell tief wurzeln können. Tief wurzelnde Reben finden in trockenen Jahren eher ausreichend Wasser als flachwurzelnde. In krümeligen Böden gibt es auch keine Staunässe.

Zudem finden sich Eisenanteile im Scharzhofbergschen Schiefer, die die Pfützen nach einem Regenguss rötlich färben. Die Bodenstruktur am Scharzhofberg ist jedoch nicht homogen. Sowohl im oberen Teil Richtung Kuppe als auch im östlichen Teil Richtung Oberemmel mischt sich Grauwacke in den Schiefer.

Die Weine von Johannes Peters gehören zu den beliebtesten in unserem Deutschland-Sortiment. Das liegt daran, dass sie Jahr für Jahr eine sehr homogene Qualität aufweisen, ungemein trinkig sind und ein gutes Preis-/Genussverhältnis aufweisen. Seine Weine sind zum Trinken gemacht, sie sollen den Gaumen erfreuen und das Herz erwärmen. Es sind keine Lagerweine mit großem Reifepotenzial, sondern trinkreife, delikate und süffige Tröpfchen, die einfach Spaß machen.

So auch seine 2015er Scharzhofberger Riesling Spätlese, unser Wein des Monats. Es dürfte sein bester Scharzhofberger überhaupt sein, zumindest so weit ich das überblicken kann, und das sind schon fast zwanzig Jahrgänge. Der Jahrgang 2015 war in jeder Hinsicht perfekt: Er lieferte kerngesunde, perfekt ausgereifte Trauben, die man im Keller schon fast sich selbst überlassen konnte.

Der 2015er zeigt glasklare Riesling-Aromen, weißer Pfirsich, herrlich unterlegt von der kräuterigen, salzigen Mineralität, wie sie nur in Scharzhofberger Weinen zu finden ist, mit Strahlkraft, viel Spiel und perfekter Balance. Die reife Säure ist bestens eingebunden, so dass dieser Riesling eine herrliche Saftigkeit und Trinkigkeit bietet. Ein Wein der jetzt Spaß macht und uns auch noch in 5 Jahren Freude bereiten wird. Ein typischer Peters-Wein, nahezu perfekt.

Das Konzept für den VIF-Videoblog wurde zusammen mit dem Werbefilmstudio framekit entwickelt (www.framekit.de). Das junge Unternehmen ist Spezialist für Image-, Produkt- und Unternehmensfilme. Die von mir, Frank Roeder MW, selbst aufgezeichneten Videos werden von framekit geschnitten und zum fertigen Film bearbeitet. 

Text und Fotos: Frank Roeder MW

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