Kaum bekannte Rebsorten: Mencia

02.09.2010

Sie ist die Protagonistin der Anbauregion Bierzo in der kühlen Nordwestecke Spaniens, die wie Aschenputtel eine überwältigende Entwicklung erfahren hat. Kamen von dort noch vor zehn Jahren überwiegend säuerliche und dünne Weine, hat sich dies nicht zuletzt dank Spaniens Star-Winzer Alvaro Palacios drastisch geändert. Alvaro leitet dort zusammen mit seinem Neffen Ricardo das biodynamische Weingut Descendientes de J. Palacios, und treibt die Mencia zu Spitzenleistungen.

Im Duft sind die Weine dieser Rebsorte häufig von Himbeernoten und Blättern der schwarzen Johannisbeere geprägt. Doch die guten Weine zeigen mehr:
Vielschichtige, komplexe Noten von Brombeeren, unterlegt mit
mineralischen Noten bilden ein hochinteressantes, spannendes Bukett, das geradezu zum Aromen-Entdeck-Spiel auffordert. Am Gaumen zeigt sich zunächst eine kühle Frische, die der reifen Frucht eine geniale Stütze ist. Und dann...

Dies gelingt jedoch nur bei niedrigen Erträgen. Die kargen Böden in den Hügeln des Bierzo sind von Schiefer geprägt. Dadurch bleibt die Erntemenge klein, und die Trauben vermögen - ähnlich wie der Riesling - auf eine unnachahmliche Art und Weise das Terroir zum Ausdruck zu bringen.

Alvaro Palacios nutzt dies konsequent: Auf 130 Parzellen verteilen sich seine 30 Hektar Rebfläche, und die besten davon verwendet er zur Produktion seiner Lagenweine. Diese verkörpern das faszinierende Potenzial der Rebsorte: Ähnlich den Grands Crus aus Burgund glänzen die Mencia-Weine mit vielschichtigen, komplexen, subtilen und feinsten Aromen als Spiegelbild der unterschiedlichen Lagen. Die natürliche Konzentration durch die niedrigen Erträge verleiht den Weinen eine zunächst gar nicht wahrnehmbare Kraft, die sich am Gaumen ganz unauffällig entwickelt und dann Fahrt aufnimmt. Hinzu gesellt sich die feine Eleganz (ähnlich wie bei den großen Pinot Noirs), und die erfrischende - aber keineswegs dominierende - Säure lässt einen Wein entstehen, den man zunächst einmal nicht als Spanier identifizieren würde.

Nicht nur der Erfolg der Sorte Mencia und ihrer betörenden Weine in der internationalen Presse lassen die Mencia für uns zur Rebsorte des Jahres werden, es sind vor allem die Einzigartigkeit im Geschmacksbild und die für Spanien geradezu geniale Frische und Größe der Weine.

Lesen Sie auch aus der Serie: Kaum bekannte Rebsorten

Teil 1: Falanghina

Teil 2: Mencia

Teil 3: Glera = Prosecco

Teil 4: Muskattrollinger

Teil 5: Negroamaro

Teil 6: Vermentino

 

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