Kaum bekannte Rebsorten: Vermentino

26.08.2011

Sie ist in Mode, und doch kaum bekannt: Die Vermentino-Rebe wird wieder verstärkt an den Küsten des zentralen Mittelmeerraumes angebaut. Insbesondere an der toskanischen Küste erlebt sie einen ungeahnten Aufschwung und kann respektable Ergebnisse vorweisen, was dazu führt, dass in jüngster Zeit die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt.

Die Vermentino-Rebe findet man vor allem nahe der Küsten des zentralen Mittelmeerraumes. In Frankreich wird sie auf rund 2.600 Hektar angepflanzt mit der Hochburg Korsika, wo sie als Malvoisie de Corse die wichtigste weiße Rebsorte ist. In Italien findet man sie auf mehr als 4.000 Hektar (Tendenz steigend) vor allem auf Sardinien, an der toskanischen Küste, in Ligurien (wo sie Pigato genannt wird) und im Piemont (wo sie als Favorita bekannt ist).

Höchstwahrscheinlich hat sie von Madeira aus ihren Weg über Spanien in den Mittelmeerraum gefunden. In der Provence ist sie als Rolle bekannt, doch der korsische Name Malvoisie de Corse ist eher irreführend, denn mit der Malvasia ist sie nur verwandt.

In sehr warmen Gegenden verliert sie während der Reife schnell an Säure, weshalb sie früh gelesen wird, um lebhafte Weine zu keltern. Die besten Ergebnisse findet man daher in höher gelegenen Regionen wie dem nördlichen Sardinien, wo sie es als Vermentino di Gallura in die höchste Qualitätskategorie DOCG geschafft hat. Diese Weine sind wohl der schönste Ausdruck der Vermentino.

Blassgelbe bis strohgelbe Farbe kennzeichnen die Weine, das duftige Bukett ist intensiv von Apfelaromen geprägt. Am Gaumen findet man einen saftigen, ausladenden, ja fast aromatischen Ausdruck von Boskop-Apfelfrucht, von  einem herrlichen Mandelton begleitet. Wächst sie auf solch mineralisch geprägten Böden wie im nördlichen Sardinien, verleihen ihr die Granitböden eine wunderbare, expressive Mineralität, die auch das Gerüst für etwas Reifung mitliefert.

Ein schöner Einstiegswein ist der S'Eleme 2010, ein Vermentino di Gallura DOCG der Cantina del Vermentino, ein ausgewiesener Spezialist für diese Sorte.

Die gehaltvollere Superiore Qualität findet im Aghilóia 2010 die wunderbare Bestätigung, dass viel mehr Wein nicht unbedingt viel mehr kosten muss.

Der Funtanaliras 2010 ist einer der schönsten Vermentino-Weine, die ich kenne: Reiner Vorlaufmost, also der Saft der Trauben ohne Pressung und damit ohne Bitterstoffe, gärt sehr langsam (bis zu 40 Tage) bei niedrigen Temperaturen. Das verleiht ihm eine großartige, reine, sehr stoffige Frucht, die geschmeidig fließt. Die expressive Mineralität schenkt ihm eine großartige Tiefe und eine beeindruckende Länge.

Lesen Sie auch aus der Serie: Kaum bekannte Rebsorten

Teil 1: Falanghina

Teil 2: Mencia

Teil 3: Glera = Prosecco

Teil 4: Muskattrollinger

Teil 5: Negroamaro

Teil 6: Vermentino

 

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