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L'Ermita 2006 DOCa PrioratoAlvaro Palacios - BIO

L'Ermita 2006
DOCa Priorato
Alvaro Palacios - BIO

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Was sind Luxusweine wirklich wert?

05.12.2014

Petrus, Vega Sicilia Unico, L'Ermita, Margaux, Latour, Romanée Conti, Grange: die Liste der Luxusweine ließe sich beliebig verlängern. Sie kosten satte dreistellige, manche gar vierstellige Eurobeträge, genießen Kultstatus und sind letzten Endes doch nur eine Flasche Wein, die - einmal entkorkt - in kurzer Zeit geleert wird. Immer wieder werde ich mit der Frage konfrontiert, ob diese Weine tatsächlich auch das wert sind, was sie kosten. Für einen Weinfachhändler ist die Frage schnell beantwortet. Aber für einen Weinliebhaber?

Beginnen wir mit der Sicht des Weinhändlers: Angebot und Nachfrage regeln den Preis, das ist nun einmal so in einer freien Marktwirtschaft. Also müsste die Frage aus dem Titel eher lauten: Sind Luxusweine ihr Geld wert? Und diese Frage ist nach den Gesetzen des Handels nur mit einem klaren JA zu beantworten. Das hilft Ihnen als Liebhaber guter Tropfen nicht wirklich weiter, also ändern wir die Sichtweise.

Beim Wein gibt es im Allgemeinen einen direkten Zusammenhang zwischen Qualität und Preis. Sprich: Je besser das Produkt umso mehr kostet es. Der logische Rückschluss: Die Luxusweine mit ihren hohen Preisen müssten also zu den besten Weinen der Welt zählen. Das ist aber nicht immer und in jedem Fall so. Sicher gehören sie in die oberste Schublade, erreichen aber nicht immer Traumnoten von Parker und Co.

Bei Luxusweinen gibt es nämlich noch einen Aspekt, der den Preis beeinflusst: Das Renommée, die Berühmtheit, das Prestige. Kleines Beispiel gefällig: Pétrus gehört ganz sicher zu den besten Gewächsen aus Bordeaux, erzielt aber nicht immer die beste Bewertung. Die Jahrgangsbewertungen werden nicht einmal in Blindverkostungen vergeben, sondern Parker und Kollegen wissen genau, was sie im Glas haben. Das beeinflusst deren Wahrnehmung, auch wenn sie das weit von sich weisen. So ringt Petrus mit den Premiers Crus aus dem Médoc und anderen Pomerols jedes Jahr um die beste Benotung. Dennoch erzielt Pétrus die mit Abstand höchsten Preise.

So wie es für jeden Auto-Liebhaber ein Traum ist, einmal einen Ferrari zu fahren, und für viele dieser Traum nie in Erfüllung geht, so will jeder Weinliebhaber wenigstens einmal in seinem Leben die Ikone Pétrus getrunken haben. Mit Weinen verhält es sich also genauso wie mit anderen Luxusgütern: Ob Autos, Uhren, Schmuck, Kunst, die wahren Kenner und Liebhaber dieser Produkte beeinflussen maßgeblich den Preis.

Bei mir persönlich hat sich die Wahrnehmung im Laufe der Jahrzehnte immer mal wieder verschoben. Begonnen hatte es Anfang der 80er Jahre mit Sassicaia. Hierzulande damals noch wenig bekannt konnte ich diesen Wein in Italien noch recht günstig erwerben. Zunächst für 20 bis 30 DM, doch dann wurde er berühmt, und die Preise stiegen schneller als die Qualität. In wenigen Jahren kletterte der Preis auf 50, 60, 70 DM, was mir als jungem Mensch damals Schmerzen verursachte. Jeder hat so seine eigene Schmerzgrenze, für den Sassicaia war bei mir bei 100 DM diese Grenze überschritten. Obwohl ich mir eine Sammlung aller Jahrgänge Sassicaia von 1979 zugelegt hatte, und der Sammlertrieb einen bedeutenden Einfluss auf Kaufentscheidungen hat, habe ich Mitte der 90er Jahre keinen Sassicaia mehr gekauft.

Interessanterweise habe ich für die Großen Bordeaux wie Mouton Rothschild, Margaux und Latour auch Preise jenseits der 100 DM-Marke gekauft, manche gar für mehr als 200 DM. Bis auch hier eine Preisentwicklung einsetzte, die ich irgendwann nicht mehr mitgehen wollte. Nun gut, dann war ich ja auch ab 1990 Weinhändler, und die Bedingungen änderten sich und somit auch die Sichtweise.

Heute kaufe ich mir für meinen privaten Weinkeller in erster Linie Weine, die mich berühren, die Emotionen auslösen. Ein L'Ermita von Alvaro Palacios oder sein La Faraona sind für mich der Inbegriff dessen, wie berührend, wie bewegend ein Wein sein kann. Heute weiß ich, was Liebhabern entgeht, die noch nie einen Vega Sicilia Unico genossen haben. Ich gestehe, ich habe mir sogar vor nicht allzu langer Zeit erstmals einen Wein gekauft, der die 1.000 € Grenze überschritten hat. Die 2005er Scharzhofberger Trockenbeerenauslese von Egon Müller, die nicht nur Spitzenbenotungen hat, sondern auch noch der teuerste Wein der Welt ist, war ein Schlüsselerlebnis. Jeder Tropfen dieses Weines ist sein Geld wert!

Diese Aussage gilt für mich (ich konnte den Wein auch ausreichend oft vor dem Kauf probieren), andere mögen das anders sehen. Denn Wein ist Kunst, und die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Wie bei allen großen Kunstwerken umgibt das Werk eine Aura, spürbar für manche, aber nicht für alle. Die Mona Lisa im Louvre ist für manchen eben nur ein Bild wie jedes andere. So wie ein Ferrari für manche auch nur ein Auto ist, das von A nach B fährt, und eine Rolex nur eine Uhr ist, die die Zeit anzeigt.

Liebhaber wissen, was ich meine. Und daher bin ich der Meinung, dass Luxusweine ihr Geld wert sind. Nicht jeder dieser Weine, und nicht für jeden. Genauso wie dem einen Bach erfüllender klingt als Mozart, wie ein Van Gogh das Auge schöner streicheln kann als ein Rembrandt, wie ein Aston Martin mehr begeistern kann als ein Maserati, wie eine Patek Phillippe die Zeit besser schmücken kann als eine Jaeger Le Coultre, und umgekehrt. Solange sich für jeden Luxuswein eine ausreichend große Menge an Liebhabern begeistern kann, ist der Preis gerechtfertigt.

Text und Foto: Frank Roeder MW

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