Der Spätsommer-Tipp: Weißweine aus dem Mâconnais

15.08.2014

Das Wetter ist durchwachsen und Sie haben keine Lust mehr auf die klassischen Sommerweine, auf Rosé und Vinho Verde, auf Prosecco und Sauvignon Blanc? Sie möchten aber (noch) nicht die Weißwein-Saison beenden und die schweren Roten aus dem Keller holen? Hier unser Weißweintipp für den Spätsommer: Chardonnay und Aligoté aus dem Mâconnais.

Ebenso wie die Côte Chalonnaise führt das Mâconnais ein Schattendasein im Süden der weltberühmten Côte d‘ Or. Während die großen Namen der Côte d‘ Or selbst vielen Anfängern in Sachen Wein geläufig sind, haben vom Mâconnais selbst eingefleischte Hobby-Trinker oft noch nichts gehört, und die Rebsorte Aligoté führt im Allgemeinen nur zu Stirnrunzeln. Zu Unrecht, wie wir meinen.

Das Mâconnais ist Teil der Weinregion Burgund und liegt gut 100 km südlich von Dijon im Nordwesten der Stadt Mâcon. Die Stärke dieses großen Anbaugebietes liegt in fruchtigen Weißweinen aus Chardonnay und aus der hier heimischen Rebsorte Aligoté. Die einfacheren Qualitäten werden als Mâcon oder Mâcon-Supérieur vermarktet. Deutlich besser sind jedoch die Mâcon-Village-Weine, wobei den Weinen aus den besten Lagen anstelle des ‚Village‘ der Name eines der 27 klassifizierten Dörfer der Appellation hinzu gefügt wird.

Zwei  exemplarische Beispiele für guten Mâcon Village aus Chardonnay sind der Mâcon La Roche Vineuse, mit seinem  für Chardonnay typischen opulenten Duft nach gelben Früchten und Apfel, ein gehaltvoller Wein mit viel Schmelz und feiner Würze, sowie der „In-Wein“ Saint-Véran mit saftig-satter Frucht in Kombination mit erfrischender und trotzdem geschmeidiger Säure.

Mit Abstand die bekanntesten Weine des Mâconnais kommen jedoch aus der Appellation Pouilly-Fuissé. Die Weinberge zu Füßen des Kalkfelsens ‚Roche de Solutré‘ gelten als Cru Classé. Auf den sich jäh auftürmenden, gewellten Kalksteinhügeln fühlt sich die Chardonnay-Rebe äußerst wohl und ergibt in guten Jahren volle, fast üppige Weine mit einer sinnlichen Saftigkeit, die durch gekonnten Barrique-Ausbau nochmals an Statur und Komplexität gewinnen. Einen der besten Pouilly-Fuissé erzeugt die junge Kellermeisterin Ludivine Griveau von Pierre André (Château de Corton), deren Weine in der französischen Sterne-Gastronomie äußerst beliebt sind.

Keine Lust auf Chardonnay? Wer nach einer äußerst erfrischenden und delikaten Alternative zum im Burgund allgegenwärtigen Chardonnay sucht, sollte es einmal mit einem vollreifen Aligoté versuchen, einem Wein wie gemacht für diese Jahreszeit. Einen der besten Aligotés produzieren die Winzer der Genossenschaft Vignerons des Terres Sécrètes, die seit vielen Jahren auf diese Rebsorte fokussieren und größter Erzeuger von Aligoté in Frankreich sind. In der modernen, blitzblanken Kellerei entstehen herrlich saftige und fruchtig-schmelzige Weine. Gegründet wurde die Genossenschaft bereits 1931. Heute bearbeiten rund 120 Winzer insgesamt ca. 1.150 Hektar. Man schmeckt einfach, daß die Aligoté hier im Mittelpunkt steht.

Und falls es doch noch einmal richtig Sommer wird: Bourgogne Aligoté ist der Weißwein, der klassisch als Basis für den beliebten Cocktail ‚Kir‘ verwendet wird. Felix Kir, Bürgermeister von Dijon, schenkte das bei den Weinbauern der Region beliebte Getränk bei offiziellen Empfängen im Rathaus aus und machte es so überregional bekannt. Geht ganz einfach: In ein Glas Bourgogne Aligoté ein Zehntel Crème de Cassis geben. Wer den Likör vorsichtig einschenkt, kann einen schönen Farbverlauf erzeugen.

Text und Foto: Christopher Sistermanns, VIF Düsseldorf

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