Franzosen mit deutschem Pass

05.03.2014

Bei der Vorbereitung einer Weinprobe fiel mir kürzlich eine Statistik des Deutschen Weininstituts in die Hände, die für das Jahr 2012 nicht nur das übliche Rebsorten-Ranking in weiß und rot sowie die Veränderung zum Vorjahr enthielt, sondern auch einen Langzeitvergleich zum Jahr 1995. Ein Blick darauf lohnt. Gerade dieser Langzeitvergleich macht nochmals sehr deutlich, wie dramatisch sich der Weinbau in Deutschland in dieser relativ kurzen Zeit bereits verändert hat und wohl auch weiter verändern wird. Die Trends:

     -> Deutschland wird roter
     -> die Spitzenreiter sind unangreifbar
     -> Burgunder sind in und
     -> die Franzosen haben sich endgültig etabliert

Noch in den 90er Jahren konnte man bei Deutschland von einem Weißweinland sprechen. Weniger als 20 % der Flächen waren mit roten Rebsorten bestückt. Ja, Spätburgunder spielte bereits in vielen Anbaugebieten eine wichtige Rolle. Darüber hinaus dominierte der Rotwein traditionell aber nur in Württemberg. Bedingt durch den Klimawandel und Weinmoden hat sich das Bild gewaltig geändert. Auf mehr als einem Drittel der Weinberge erzeugen die Winzer immer bessere Rotweine. Während die Gesamtfläche in Deutschland relativ konstant bei rund 102.000 ha liegt hat der Rotwein zu Lasten des Weißweins um rund 16.000 ha auf jetzt 36.500 ha zugelegt. Davon profitierten alle roten Rebsorten mit Ausnahme von Portugieser und Trolllinger.

Zwei Rebsorten dominieren die Statistik. Der Riesling führt mit rund 23.000 ha beständig die Top-Liste der Weißweine an. Hier wächst eher die Qualität der Weine als die Anbaufläche, was zu einer internationalen Renaissance des deutschen Rieslings geführt hat. Bei den Rotweinen ist es der Spätburgunder, mit dem die deutschen Winzer beweisen wollen, das bester Pinot Noir auch diesseits des Rheins wächst. Ein Flächenzuwachs um rund 55 % seit 1995 unterstreicht diesen Trend.

Doch nicht nur der Spätburgunder gewinnt beständig an Bedeutung, auch die Verwandtschaft in weiß ist trendy. Von den wenigen Weißweinsorten, die nicht vom Flächenrückgang betroffen sind, sind die Top 3 Burgunder-Reben: Grauburgunder, Weißburgunder und Chardonnay. Während der Anbau von Müller-Thurgau und Silvaner seit 1995 um 44 % bzw. 24 % zurückging, konnten sowohl der Grauburgunder als auch der Weißburgunder im gleichen Zeitraum die Anbaufläche mehr als verdoppeln und liegen nun an 4. und 5. Stelle bei den Weißweinen, weit vor ehemaligen Lieblingen wie Kerner, Bacchus und Scheurebe. In wenigen Jahren dürfte der Grauburgunder sogar den Silvaner als Nummer 3 ablösen.

Die eigentliche Überraschung findet sich jedoch jeweils auf den Plätzen 9 und 12 in den Rebsorten-Rankings! Bei den Rotweinen sind es Merlot und Cabernet Sauvignon, bei den Weißweinen Chardonnay und Sauvignon Blanc, die sich Jahr für Jahr nicht nur in der Statistik weiter nach oben geschoben haben, sondern sich auch einen immer größeren Platz in den Herzen der Weinliebhaber erobern. Wir meinen zu Recht, wie eine kleine Auswahl an „Franzosen mit deutschem Pass“ aus unserem Sortiment unterstreichen soll.

Text: Christopher Sistermanns, VIF - Der Weinhandel. Düsseldorf

« zurück
© Developed by CommerceLab
?>