Syrah oder Shiraz? Ist doch alles gleich, oder?

21.11.2013

Wer einen feinen Syrah mit köstlicher Frucht von der nördlichen Rhône (z.B. ein Crozes-Hermitage) trinkt und mit einem opulent-fruchtigen, würzigen Shiraz aus Australien vergleicht, wird kaum vermuten, dass die Weine aus der gleichen Rebsorte gekeltert wurden. Aber tatsächlich stammen beide aus dergleichen Rebfamilie. Lange wurde über die Herkunft der Rebe spekuliert.

Zunächst wurde aufgrund der Namensgleichheit vermutet, dass die Syrah aus dem Südosten des Iran bei der Stadt Schiraz beheimatet war. Dank DNA Analysen wurde aber festgestellt, dass es sich um eine Kreuzung der alten französischen Rebsorten Dureza und Mondeuse Blanche handelt. Diese beiden Rebsorten wiederum stammen aus dem Rhonetal. Laut einer Untersuchung ist die Syrah mit weiteren mitteleuropäischen Rebsorten verwandt, höchstwahrscheinlich sogar ein Urenkel des Pinot Noir.

Die Spitzen-Syrahs aus dem Rhône-Gebiet sind feingliedrig wie ein Burgunder und besitzen eine mitteltiefe Farbe, viel Extrakt und eine expressive Mineralität. Die würzigen Noten verleihen den Weinen eine ausdruckstarke Nuancierung, die sie unverwechselbar in der Weinwelt machen.

Ein australischer Weinbaupionier, der Europa im vorletzten Jahrhundert bereiste, kam bei einer seiner Reisen mit einer Selektion von verschiedenen europäischen Rebsorten nach Australien zurück. Dabei soll er auch Stecklinge der Syrah im Gepäck gehabt haben. Da Syrah viel Sonne zur Reife braucht waren die klimatischen Bedingungen in Australien für diese Stecklinge hervorragend geeignet, sodass Syrah sich sehr schnell verbreitete.

In Australien wird heute nicht selten die Meinung vertreten, dass die ältesten Shiraz Rebstöcke mehr mit der ursprünglichen Syrah gemeinsam haben als die Reben des Rhônetales. Denn die Syrah Weinberge in Frankreich wurden Ende des 19. Jahrhunderts von der Reblaus zerstört und die Reiser mussten auf amerikanische Unterlagsreben gepropft werden. Australien wurde von der Reblaus verschont , deshalb findet man hier noch bis zu 130 Jahre alte wurzelechte Shiraz Rebstöcke.

Shiraz Weine kommen mit ihrer sinnlichen Kraft sehr gut bei den Konsumenten an, sie weisen oftmals einen typischen Geschmack nach frisch gemahlenem Pfeffer oder Gewürzen wie Nelken auf. Auch florale Noten von Veilchen und Rosen sind bei diesen Weinen erkennbar. Hinzu komt eine grandiose Fruchtigkeit, denn die Shiraz kann dort zur Vollreife gelangen. Dann sind die Weine zusätzlich mit einem Hauch schokoladiger Süße unterlegt.

Text: Renate Krebs

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