Kaum bekannte Rebsorten (9): Malvasia

08.07.2013

Unter dem Namen Malvasia gibt es eine Vielzahl verschiedener Rebsorten, sowohl in weiß als auch in rot. Trotz der Berühmtheit ihres Namens geht die Bedeutung dieser ehemals wichtigen Rebsorte seit Jahrzehnten kontinuierlich zurück. Malvasia galt lange als Synonym für schweren süßen Dessertwein, der großen Anklang an den europäischen Königshäusern fand. In der Literatur findet er entsprechend häufig Erwähnung, wie etwa bei Shakespeare oder in Thomas Manns "Buddenbrooks".

Man findet die diversen Malvasia-Rebsorten überwiegend in südeuropäischen Ländern, denn diese Sorte liebt ein warmes Klima. Sie wird eher selten reinsortig ausgebaut, der häufugste Verschnittpartner ist Trebbiano. So zum Beispiel im Frascati, wo sie mit dem Trebbiano zumindest 70% Anteil haben muss. Noch bekannter der Chianti, wo sie zusammen mit dem Trebbiano bis ins Jahr 2005 als weißer Verschnittpartner dem roten Chianti Frische und Würze verleihen sollte. Seit 2006 ist die Verwendung weißer Sorten im Chianti untersagt.

In Portugal kennt man die Malvasia als Malmsey im Madeira. Malmsey ist die süßeste Variante des Madeira, und eine Anekdote besagt, dass der Bruder von König Edward IV. im 15. Jahrhundert, nachdem er zum Tode verurteilt war und seine Todesart bestimmen durfte, das Ertränken in einem Fass Malmsey wählte.

In Spanien ist die Sorte ebenso heimisch wie in Kroatien oder Griechenland, wo ihr wahrer Ursprung vermutet wird. Denn der Name Malvasia stammt von dem griechischen Hafen Monemvasia im Peleponnes, der im Mittelalter ein Umschlagplatz für süßen Dessertwein war. Auf Lanzarote wird sie reinsortig ausgebaut.

Wird die Malvasia früh - mit noch grünlicher Traubenfarbe gelesen, wird sie meist trocken ausgebaut (wie etwa im Frascati). Färben sich die Beeren goldgelb, baut sich der Zuckergehalt schnell auf, so dass aus ihr dann mehrheitlich süßer Dessertwein gekeltert wird. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Malvasia delle Lipari von den Liparischen Inseln vor Sizilien.

Eine super spannende und attraktive Version des Malvasia produziert in Apulien unser Winzer Mimmo Varvaglione von Vigne&Vini: Der Dodeci Mezzo Malvasia wird genau am Übergang von grünlichen zu goldgelben Trauben gelesen. Der Name steht für den moderaten Alkoholgehalt von nur 12,5% (Dodeci Mezzo). Geschmacklich noch trocken mit dezenter Restsüße zeigt die Malvasia die Aromenfülle eines großen Dessertweines, ohne schwer oder plump zu wirken, und stoffig und trocken genug, um ihn als vielfältigen Essensbegleiter zu italienischen Antipasti (mit Olivenöl) oder zu Fisch (am besten gegrillt) zu genießen. Zur Burrata (Weich- bzw. Frischkäse aus Apulien ähnlich dem Mozzarella) gibt es keinen passenderen Begleiter.

Aus der Reihe Kaum bekannte Rebsorten sind außerdem erschienen:

Teil 1: Falanghina

Teil 2: Mencia

Teil 3: Glera = Prosecco

Teil 4: Muskattrollinger

Teil 5: Negroamaro

Teil 6: Vermentino

Teil 7: Tannat

Teil 8: Malbec

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