Wie teuer darf ein Rosé sein?

25.04.2013

In den letzten zehn Jahren gab es einen regelrechten Boom für Roséweine. Der Anteil stieg auf über 10%, sprich die Deutschen trinken mehr Rosé als je zuvor. Dennoch werden Roséweine von vielen Konsumente nicht wirklich ernst genommen. Schade eigentlich, denn es gibt herrliche, höchst überzeugende rosafarbene Weine. Und es gibt - wenn auch nur wenige - Spitzenweine. Doch die haben es sehr schwer, denn für die meisten liegt die Schmerzgrenze bei 10 €.

Wie teuer darf ein Rosé sein? Denn es gibt ja doch den ein oder anderen Rosé, dem es dauerhaft gelingt, sich jenseits der Zehn-Euro-Grenze zu platzieren. Beispiel Sancerre Rosé: Mit 13,95 € doch schon deutlich jenseits der 10 €. Sicher ein delikater Rosé, und sicher auch seinen Preis wert. Aus der Pinot Noir Traube erzeugt, die auf kalkhaltigem (also idealem) Terroir gedeiht, mit Präzision und Sorgfalt vinifiziert, hat sich Sancerre Rosémit einem sicheren Platz auf diversen Weinkarten etabliert. Und darüber hinaus?

Wie teuer darf ein Rosé maximal sein? Es gibt einige Beispiele aus Bandol (z.B. Domaine Ott) oder der Provence, die es schaffen, auch die Zwanzig-Euro-Grenze zu knacken. Daher muss die im Titel gestellte Frage eigentlich lauten: Wie gut muss ein Rosé sein, damit er mehr als 10 € kosten darf?

Überzeugend muss er sein, vielschichtig, komplex, und auf den ersten Schluck hin so beeindruckend, dass man wie bei einem großen Weiß- oder Rotwein keine Skrupel hat, den wahren Wert des Weines auch zu bezahlen.

So erging es mir erstmals im letzten Jahr beim Besuch auf der Weinmesse Vinisud in Montpellier. Ich besuchte unseren Provence-Erzeuger Ferry-Lacombe, die eine Vielzahl herrlicher Roséweine erzeugen. Allen voran die beliebten Headus und Naos Rosé, die eine große Fangemeinde haben. Dort stellte mir Monsieur Pinot, der Inhaber und Leiter von Ferry-Lacombe, einen Wein namens Equinoxe vor, in einer ungewöhnlichen Flaschenform. Ohne dass er mir einen Hinweis auf den Wein gab, verkostete ich ihn ganz unvoreingenommen und bekam sofort Gänsehaut: Ein untrügliches Zeichen, dass gerade ein Spitzenwein meinen Gaumen gestreichelt hatte.

Tatsächlich ist der Equinoxe der Top-Wein von Ferry-Lacombe. Der Name Equinoxe bedeutet in der Astronomie die Tag-/und Nachtgleiche. Der Hobby-Astronom Pinot, der alle Weine nach Sternbildern benennt, hat diesen Namen bewusst als Symbol für die Ausgewogenheit des Weines gewählt.Denn der Wein besticht nicht durch Kraft und Power, sondern durch die Präzision der Frucht, die Ausgewogenheit der Aromen, die perfekte Balance von Alkohol und Säure, durch sein mineralisches Spiel, durch Feinheit und Eleganz, und eine unglaubliche Tiefe und Länge. Ein Wein mit einer Seele, ein Rosé, der ähnlich wie ein feiner Riesling oder ein filigraner Burgunder jede Speise aufwerten kann.

Prompt wurde der Wein auf der Vinisud zum besten Rosé der Messe gekürt. Ich war so begeistert, dass ich den Wein unbedingt unseren anspruchsvollen zeigen wollte. Nur war der Jahrgang 2011 nach der Auszeichnung auf der Messe wenige Minuten später ausverkauft, und ich musste mich bis zum Erscheinen des 2012ers gedulden. Jetzt ist er da! Das Wartzen hat sich gelohnt, denn der 2012er ist noch einen Tick besser als das Erstlingswerk 2011.

Zeigen Sie Mut! Gönnen Sie sich das Vergnügen, einmal mehr als 20 € für eine Flasche Rosé auszugeben! Ich verspreche Ihnen: Es lohnt sich!

Text: Frank Roeder MW

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