Kaum bekannte Rebsorten:
Negroamaro

26.10.2010

Aus unserer Serie "Kaum bekannte Rebsorten" stellen wir Ihnen heute in der Ausgabe No. 5 die süditalienische rote Sorte Negroamaro vor. Im südlichen Zipfel Italiens, genauer gesagt in Apulien - dem Absatz des italienischen Stiefels - haben die Winzer seit geraumer Zeit eine autochtone Rebsorte wieder entdeckt: die Negroamaro.

Von autochthonen Rebsorten spricht man, wenn eine Rebsorte dort wo sie wächst, ihren Ursprung hat. Da diese nativen Rebsorten oft aufwändiger im Anbau, weniger Ertrag bringend oder anfälliger für Krankheiten sind, findet man viele davon leider nur noch auf sehr kleinen Anbauflächen.

Die wichtigste und bekannteste Rebsorte Apuliens dürfte die Primitivo-Traube sein. Doch die Sorte Negroamaro gewinnt seit Jahren immer mehr an Bedeutung. Sie wird vor allem im Süden der Region - um Brindisi, Taranto und Lecce - angebaut. In Italien wurde sie bis in die 90er Jahre auf über 30.000 Hektar Rebfläche angebaut, was ihre Bedeutung unterstreicht:Tiefdunkle Weine aus Negroamaro waren lange Zeit als Verschnittpartner gefragt um Weinen aus norditalienischen Regionen Farbe zu geben. Seit diese Praxis verpöhnt ist, sank die Rebfläche auf nur noch knapp 20.000 Hektar.

Vermutlich haben die Griechen die Negroamaro nach Süditalien gebracht. In Apulien wird diese Rebe seit mehr als 2000 Jahren angebaut. Die Griechen waren es auch, die die breitbuschige Rebenerziehung in Apulien einführten. Von der traditionellen Erziehung in Buschform ist man zu einem modernen Erziehungssystem übergegangen, der Spalierform, in der die Pflanzdichte bis zu 6000 Stöcke pro Hektar betragen kann.

Durch die außergewöhnlichen klimatischen Bedingungen, nämlich intensive Sonneneinstrahlung am Tage, aber durch die kühlen Brisen vom nahen Meer mit ausreichender Abkühlung bei Nacht, lagert die Negroamaro während der Reife enorm viel Aromen ein. So entstehen erstaunlich gehaltvolle Rotweine.

Der Name Negroamaro nimmt Bezug auf Farbe und Geschmack der Traube: „Negro“ für die fast schwarze Farbe und „amaro“ für den leicht bitteren, mandelartigen Geschmack. Dieser stammt von der enormen Menge an Gerbstoffen, die früher aufgrund der hohen Erträge nie richtig reif wurden und daher etwas bitter schmeckten. Reifen die Tannine hingegen aus - was nur mit niedrigen Erträgen gelingt - verschwindet die Adstringenz und die Gerbstoffe werden weich. Eine zartbittere Note kommt hingegen von der Frucht, die an Zartbitterschokolade erinnert.

Die Vermarktung der Negroamaro-Weine erfolgt meistens unter der Bezeichnung IGT (Indicazione geografica tipica).

Ein Negroamaro schmeckt in der Regel herb, zart bitter, mit pflaumiger Frucht , Tabakwürze und viel Gerbstoff, aber das ist nicht sein Problem, im Gegenteil: der individuelle Charakter dieses Weines unterscheidet ihn von der weltweiten gleichmacherischen Stilistik. Negroamaro ist ein guter Begleiter zu würzigen Speisen, Wildgerichten und würzigem Käse.

Text: Renate Krebs

Lesen Sie auch aus der Serie: Kaum bekannte Rebsorten

Teil 1: Falanghina

Teil 2: Mencia

Teil 3: Glera = Prosecco

Teil 4: Muskattrollinger

Teil 5: Negroamaro

Teil 6: Vermentino

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