Kaum bekannte Rebsorten (8): Malbec

30.01.2013

Tiefdunkle, kraftvolle, gerbstoffbetonte Weine stammen aus dieser alten Bordelaiser Sorte, die in Bordeaux kaum noch angepflanzt wird. Sie hat sich insbesondere in Argentinien einen hervorragenden Ruf erworben und steht als Synonym für argetinischen Rotwein schlechthin. Sie ist aber auch in einer französischen Region die Hauptrebsorte: Im Cahors kommt sie zu neuer, oder soll man sagen alter Blüte.

Sagenhafte 129 Synonyme der Rebsorte Malbec listet Pierre Galet in seinem Standardwerk der Ampelographie, dem "Dictionnaire encyclopédique des cépages" auf. Nicht umsonst verdiente sich dieser weltbekannte Rebsortenkundler den Verdienstorden für Landwirtschaft in Frankreich. Stellt man sich diese synonymiale Vielfalt tatsächlich einmal vor, so wird klar, daß es sehr schwierig sein muss, die Rebsorte in ihrer Geschichte zurück zu verfolgen.

Die verlässlichsten Zeitzeugnisse stammen aus dem 18. Jahrhunderts. Ein in Bordeaux ansässiger Physiker namens de Lutkens pflanzte die  Sorte an mehreren Stellen im Bordelais. Daraufhin breitete sie sich schnell großflächig aus und wurde so zum festen Bestandteil des Rebsortenspiegels, später vor allem im Midi. Ihr gutes Resistenzverhalten gegenüber Oidium und ein ansprechendes Ertragsniveau ließen die Reputation weiter steigen. Woher de Lutkens sie jedoch letztlich  kannte, ist eine andere Geschichte. Man vermutet die tatsächlichen Ursprünge des Côt, so wird sie auch häufig genannt, in den Gebieten der Touraine und Quercy. Man muss jedoch schlicht zugeben, dass die Abstammungsgeschichte so kompliziert ist, wie die Anzahl der Synonyme vermuten lässt.

Die weitere Verbreitung fand mit dem Europa weitem fatalen Auftritt der Reblaus Ausgang des 19. Jahrhunderts ein jähes Ende. Hinzu kam erschwerend ihre Anfälligkeit für Peronospora, den zweiten großen fungiziden Schaderreger im Weinbau. So musste es kommen, das im Zuge großangelegter Neupflanzungen nach und nach der als edler eingestufte Cabernet Sauvignon an ihre Stelle trat, sodass sie heute zwar noch überall in ihren ursprünglichen angestammten Regionen zu finden ist, jedoch eher als Randerscheinung.

Die Ausnahme bildet heute das Cahors. Dort prägt sie das genussreiche Weingeschmacksbild einer ganzen Region. Dass es neben diesen wuchtigen, tanninreichen und langlebigen roten Weinen auch weiße Malbec und sogar Hybride Formen gibt, sei hier nur am Rande erwähnt. Im Weinberg trotzen die stabilen Triebe starken Winden, aber wegen des Blattmangels in der Traubenzone ist sie anfällig für Sonnenbrand. Wasserstress mag sie überhaupt nicht, denn sie trocknet sehr schnell aus. Auch sollte der Winzer die Trauben bei guter physiologischer Reife ohne Verzögerung lesen – ein rasanter Fäulnisumschlag zur Lesezeit ist das sonst drohende Szenario.

Im Herbst sind die großen runden Beeren von einer strahlend schwarzen, dünnen Schale ummantelt. Ab und an verirren sich jedoch unreife grüne Beeren in die bereits reifen Trauben, was in besonders drastischen Jahren eine selektive Vorlese in Weinberg oder Keller abnötigt. Hat man einen Malbec dann im Glas, so fällt sofort die tiefdunkle, von rötlichem Schimmer berührte Farbe auf. Je dunkler sie sich zeigt, umso schwerer der Boden auf dem die Reben wachsen. Eine alte französische Malbec-Wahrheit. Dass der "schwarze Wein" aus dem Cahors im späten Mittelalter Dauergast britischer Adelshäuser gewesen ist, spricht nicht gerade gegen ihn. Sein besonderes Herstellungsverfahren, bei dem die getrockneten Trauben auf etwa 40 °C erhitzt werden und sich somit in seinen Inhaltsstoffen leicht aufkonzentrieren, hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Wer aber glaubt, da einen überextrahierten Weinkoloss im Glas zu haben wird sich wundern. So einen Wein müssen Sie einmal probieren!

Mächtig, aber auch elegant und feinduftend kann er sein, dieser recht schnell zugängliche Wein aus Malbec. Und dort wo die Bedingungen der Sorte liegen, ist er längst zu einer geschätzten und autarken Rebsorte geworden.  Trotz dieser gewonnenen Eigenständigkeit verbessert er auch vielfach Weine, insbesondere Cabernet Sauvignon gilt als außergewöhnlich guter Partner. Mit seinen kräftigen Tanninen ist er strukturgebend und schenkt Lagerfähigkeit. Gleichzeitig besitzt er aber auch eine ausgeprägt fruchtige Ader und kann die Harmonie einer Cuvee auch mit diesem Attribut verbessern.

Und noch etwas steigert in der Kellerpraxis seine Attraktivität. Most aus Malbec gärt sehr schnell an und sehr gut durch. Diese Eigenschaften machen ihn zu einer hervorragenden Starterkultur (pieds-de-cuve) um eine Gärung in Schwung zu bringen.

All diese Vorzüge haben sich natürlich herumgesprochen. In Südamerika, besonders Chile, vor allem aber in Argentinien hat man großen Gefallen an der Sorte gefunden. Sie ist dort von den roten Rebsorten die meistangebaute und verströmt im Geschmack deutliche Bordeaux-Charakteristiken. Geringe Mengen werden noch in Kalifornien, Nordostitalien, dem Ribera del Duero in Spanien und in Südafrika vinifiziert, jedoch selten reinsortig. Dennoch ist das eine ziemlich beeindruckende Welttournee.

Probieren Sie unsere Francois Lurton-Weine aus dem Mendoza in Argentinien am besten im Vergleich mit den kraftvollen Klassikern aus dem Cahors von Clos Triguedina. Sie werden staunen wie vielseitig diese hochfarbige Sorte auf höchstem Niveau mitspielen kann.

Aus der Reihe Kaum bekannte Rebsorten sind außerdem erschienen:

Teil 1: Falanghina

Teil 2: Mencia

Teil 3: Glera = Prosecco

Teil 4: Muskattrollinger

Teil 5: Negroamaro

Teil 6: Vermentino

Teil 7: Tannat

Text: Christoph Brandel

« zurück
© Developed by CommerceLab
?>