Gerhard Stodden ist tot - Nachruf auf einen großartigen Winzer

23.01.2013

Mit großer Bestürzung haben wir vom Tod eines großartigen Winzers erfahren: Gerhard Stodden, Rotwein-Ikone und einer der besten deutschen Winzer, Leiter des Rotweinguts Jean Stodden (VDP) in Rech an der Ahr, verstarb letzte Woche plötzlich und unerwartet. Die deutsche Winzerszene verliert mit Gerhard Stodden eine charismatische Persönlichkeit und einen der besten Protagonisten deutscher Rotweine.

Gerhard Stodden leitete VDP-Weingut Jean Stodden in Rech an der Ahr mehr als 30 Jahre, seit 2011 gemeinsam mit seinem Sohn Alexander. Zahlreiche Auszeichnungen dokumentieren seine erfolgreichen Bemühungen um den bestmöglichen Spätburgunder. Schon 2002 kürte der Gault Millau ihn zum "Aufsteiger des Jahres", der Jahrgang 2007 von Stodden war für die Redaktion des Weinführers Eichelmann die "Kollektion des Jahres". Mehrfach stand er auf dem Siegertreppchen beim Deutschen Rotweinpreis sowie beim Deutschen Spätburgunderpreis. Aktuell wird das Weingut mit 5 Sternen im Eichelmann, 4 Trauben im Gault Millau und FFFF im Feinschmecker bewertet.

Wer Gerhard Stodden auf seinem Weingut besucht hat, konnte ihn als penibel arbeitenden Handwerker erleben, mit Blick für die Perfektion in jedem Detail. Wohl wissend, dass man sich der Perfektion immer nur annähern kann, da sie in der Gesamtheit der dafür erforderlichen Einzelaspekte kaum vollständig erfassbar ist, da sich die Grenzen ja auch Jahr für Jahr immer weiter nach oben verschieben, alsTribut des eigenen Erfolges.

Unvergessen sein Besuch an unseren Weinprobiertagen: Abends saßen wir zusammen mit Volker Knipser und anderen Spitzenwinzern aus dem In- und Ausland und erfreuten uns an ein paar Flaschen genialer Weine. Das ganze im "Master of Wine Spiel". Wohlgemerkt: keine Prüfung, sondern ein Spiel. Die Winzer standen alle um den Tisch und kosteten den blind eingeschenkten Wein. Sie durften dabei nicht reden, doch wie das so ist, wenn die Begeisterung überhand nimmt und Emotionen ins Spiel kommen, haben sich die Winzer im Überschwang der Gefühle immer wieder zu Lobeshymnen hinreißen lassen. Es wurden Fragen über den Wein und seine Herkunft gestellt, und wer falsch antwortete musste sich setzen. Wer als letzte(r) noch stand (es waren auch Winzerinnen anwesend), war Sieger(in) der jeweiligen Runde. Es spricht für die Erfahrung und seine intensive Beschäftigung mit Spitzenweinen aus aller Welt, dass Gerhard Stodden am häufigsten als Letzter noch am Tisch stand. Und wir hatten unglaublich viel Spaß dabei!

Er teilte sich die Arbeit mit seinem Sohn Alexander, den er er mustergültig auf die Karriere eines großen Winzers vorbereitete. Alexander erfuhr eine internationale Ausbildung und besuchte dabei die wichtigsten Weinbauregionen für Pinot Noir weltweit, bis hin nach Oregon. Selbstredend, dass Vater Gerhard ihn vor Ort regelmäßig besuchte, um herauszufinden, wie man Pinot Noir noch besser machen kann.

Während Gerhard die letzten Jahre hauptsächlich für die Weinberge verantwortlich war, kümmerte sich Alexander um Verkauf und Vermarktung. Doch im Keller wurden alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam getroffen. Seit 2011 leiteten beide gemeinsam das VDP-Weingut Jean Stodden.

Viel zu früh, im Alter von 64 Jahren hat uns Gerhard Stodden plötzlich und unerwartet verlassen. Er starb am 16. Januar an einem Herzinfarkt beim Joggen. Der Charakterkopf wird uns ewig als großartiger Winzer, als liebenswerter Mensch, als begeisterter Weinliebhaber in Erinnerung bleiben. Gott sei Dank können wir uns an seinen langlebigen Rotweinen noch viele Jahre erfreuen! Wir sind uns sicher, dass Alexander in die großen Fußstapfen seines Vaters passt und die Entwicklung mit gleicher Leidenschaft, Können und Detailversessenheit vorantreiben wird wie sein Vater.

Wer Gerhard Stodden nie persönlich erlebt hat, dem sei eine kleine Filmserie des WDR empfohlen, die das Jahr des Winzers am Beispiel des Visionärs Gerhard Stodden beschreibt. http://www.stodden.de/weinwissen/das-jahr-des-winzers.html

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