Vertikalprobe Charmail von 2004 bis 2011

08.11.2012

Vertikalproben gehören zu den spannendsten und lehrreichsten Weinproben überhaupt. Zudem sind sie die Quintessenz, um Leistungen und Entwicklungen eines Weingutes ungeschminkt zu prüfen. Dabei müssen sich mehrere Jahrgänge eines Weines den kritischen Gaumen der Verkoster stellen. Bei unseren diesjährigen herbstlichen Weinprobiertagen stellte das bekannte und beliebte Cru Bourgeois Weingut Château Charmail lückenlos alle Jahrgänge von 2004 bis hin zum Jahrgang 2011 erstmals der Öffentlichkeit vor.

Bernard d´Halluin, Besitzer des Gutes und seine charmante Tochter, reisten persönlich an, um diese Premiere den interessierten Gästen vorzustellen. Dass der 2011-er als Fassprobe daherkam und selbst der großartige, längst ausverkaufte 2005-er doch noch einen Weg aus der Schatzkammer des Châteaus herausfand, stützte nochmals die Exklusivität dieser Verkostung. Das Entwicklungspotenzial der Weine gepaart mit der Qualität des jeweiligen Jahrgangs ließ sich auf diese unmittelbare Weise ausgesprochen gut nachvollziehen. Dementsprechend hoch waren sowohl Erwartungen als auch Vorfreuden unter den Besuchern.

Die Weine zeigten dann auch eine so hochwertige Geschlossenheit, dass es manchem extrem schwer fiel, einen Favoriten zu wählen. Klar, 2005 war ein legendärer Jahrgang im Bordeaux und der Wein machte auch einfach einen fantastischen Eindruck. Eine derart druckvolle und perfekte Frucht besang an diesen beiden Probiertagen ein Wein gewordenes Lesegut, dessen auf den Punkt perfekte physiologische Reife schlicht außergewöhnlich selten vorkommt. Ganz groß! 18,0 Punkte (alle Punkte von Frank Roeder MW).

Jedoch schon der Auftakt mit dem 2004-er sorgte für glänzende Augen. Eine ganz präzise, wunderbar gezeichnete Frucht lässt nicht den Ansatz an Zweifel aufkommen, hier könnte ein Wein ins Altenheim gezogen sein. Die lebhaften und maskulinen Tannine strahlen eine große Sicherheit aus, die dem Wein weiteres Leben auf Spitzenniveau garantiert. 17,0 Punkte

Der 2006-er ist hingegen ein echter Schmeichler mit Charakter. Im Duft vielschichtig mit einer dunklen Fruchtwürze, feinen ungedrungenen Röstnoten und im Hintergrund ziselierte florale Feinheiten. Nach einem reich gedeckten Auftakt mit süßlicher Pflaume in charmantem Schmelzgewand, cremt sich der Wein den Gaumen entlang und schließt sich dann schmackhaft mit Kakaonoten, eingebettet in delikate und Länge gebende Gerbstoffe. Der Wein ist auf dem besten Wege in naher Zukunft sein ganzes Potenzial zu offenbaren. 17,5 Punkte

Die momentan wunderbare Zugänglichkeit des 2007-ers sorgte für dann für einheitliche Begeisterung. Hier gab es kaum zwei Meinungen, ein absoluter Lieblingswein! Dramatisch saftig von einem reifen Brombeer-Waldfruchtcocktail geprägt, schlagen feinste Gezeiten aus Tannin am Gaumen an und sorgen mit erhabener Dominanz für ein langes Finale. Ein absolutes Trinkfest und ein Wein in der Form seines bisherigen Lebens! 17,0 Punkte

Wer es ohne inflationär gestiegene Genussfreuden bis zum schonungslos die Qualität hochhaltenden 2008-er schaffte, im Übrigen mit einem der stärksten, von süßlich-erdigen und Johannisbeerenaromen geprägten Finale gesegnet (17,0 Punkte), der sollte dann mit dem äußerst attraktiven 2009-er endgültig seinen Weinfrieden gefunden haben. Ganz klassisch und wunderbar strukturiert zeigen sich hier wieder die wie schon beim 2006-er heimischen floralen Duftspitzen. Ein intensives Gaumenspiel bereichert noch zusätzlich des Degustateurs eh schon komfortable Situation. Das der Wein fordert und immer wieder aufs Neue schmackhafte würzige Noten hervorzaubert ist seiner noch recht jugendlichen Natur zuzuschreiben. Die weichen, perfekt integrierten Tannine bereiten jedoch schon jetzt enormen Trinkspaß. 17,5 + Punkte

2010 zeigt sich dann eine spürbar feine Verwandtschaft zum 2004-er. Ähnlich präzise und schön gezeichnet, macht er mit seinen griffigen Tanninen mächtig Dampf, opulent am Gaumen und schon gut strukturiert mit einer satten Frucht aus reifer Brombeere und einer unwiderstehlich pflaumigen Note. Hier spürt man einen großen Jahrgang, denn das Potential ist riesig. 18,0 Punkte Potenzialwertung

Das Finale dieses fulminanten Jahrgangsvergleiches bildete dann die zweite, neben dem 2005-er, im Gepäck von Bernard d´Halluin mitgereiste Kellerrarität. Eine frisch gezogene Fassprobe des 2011-er Jahrgangs! Weitere sechs Monate wird dieser Wein noch seinen Feinschliff im Barrique erhalten, ehe er dann Ende 2013 die Gewölbe verlassen wird. Es ist immer spannend einen Wein zu verkosten, der sich im Grunde noch mitten in seiner Entwicklung befindet. Jetzt ein umfassendes Urteil abzugeben ist selbstverständlich viel zu früh. Kritiker und Winzer sind sich einig von einem guten aber sehr differenziert zu betrachtendem Jahrgang zu sprechen. 17 - 18 Punkte die Zeit wird es zeigen...

Die Jahrgänge 2010 und 2011 bieten wir noch in Subskription an.

Vom 2006er haben wir auch Magnum und Doopelmagnum Flaschen auf Lager.

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