Klein, aber fein!
Der Charme der "Garagen"-Weine

16.10.2012

Garagen-Weine? Dieser Ausdruck wurde in den 90er Jahren geprägt, als erstmals in Bordeaux eine kleine Gruppe von Winzern Weine der Extra-Klasse in minimalen Mengen produzierte. Valandraud und La Mondotte aus St. Emilion gehörten zu den ersten, die mit sagenhaften Bewertungen für Furore sorgten (Seit Herbst 2012 gehören beide zu den Premiers Crus Classés). Inzwischen gibt es zahlreiche solcher Nischen-Winzer. Einer von ihnen ist Samuel Delafont, der mit spektakulären Weinen aus dem Languedoc aufhorchen lies.

Der Ausdruck "Garage" steht allerdings nur symbolhaft für die homöopathische Menge an Wein, die oft so klein ist, dass der Platz einer Garage für die Produktion genügen könnte. Tatsächlich produziert Samuel Delafont zwar insgesamt vier Weine, aber die Anzahl der Fässer könnte glatt in eine Garage passen. Sie sind natürlich nicht in der Garage produziert worden, sondern erhalten die volle Aufmerksamkeit ihres Erzeugers in professionellen Strukturen und Kellern.

Streng genommen ist Samuel kein Winzer, sondern lebt seit vielen Jahren als Agent für zahlreiche Weingüter aus dem Süden Frankreichs. So kennt er die einzelnen Terroirs besser als seine Hosentasche, pflegt enge Beziehungen zu den Top-Winzern, und verfolgt aufmerksam die spannenden Entwicklungen besonders im Languedoc. Der Wunsch, einen eigenen Wein zu kreieren, wurde immer stärker. Er überzeugte ein paar namhafte Winzer, ihm die Erträge einzelner Parzellen zu überlassen. Ab dem Moststadium übernimmt er die Verantwortung für Vergärung und Ausbau der Weine.

Keller Samuel DelafontMit einem klaren Bild im Kopf, wie die Weine werden sollen hat er sich die entsprechende Technik und Fässer gekauft, deren auffälligstes Detail wohl die Barriques aus Edelstahl sind (siehe Foto). Ja, das gibt es auch und ist zur Zeit ziemlich en vogue. Seine beiden Spitzenweine, der Pic Saint Loup und der La Clape, werden rund zur Hälfte in Fässern aus Holz und aus Stahl gereift. Während das Holz den Weinen Struktur und Tiefe verleiht, kann er mit den Edelstahl-Barriques sehr genau den Einfluss des Sauerstoffs steuern und die Weine je nach Entwicklung entweder etwas oxidativer oder reduktiver reifen lassen. Die Kombination dieser beiden Verfahren bewahrt einerseits ein faszinierendes Fruchtspiel, die Weine strotzen nur so von Frucht, ohne dass dies überladen oder auch nur im Ansatz störend wirkt. Nach dem Verschnitt zeigen sich die Weine so viel eleganter, frischer, verspielter und damit auch aufregender, als wenn sie komplett im Holz ausgebaut worden wären.

Das ist der Charme der Garagen-Weine! Da sie die volle Aufmerksamkeit ihres Meisters genießen, stimmt alles bis ins letzte Detail! Einziger Wermutstropfen ist die kleine Menge an Flaschen, die in den Markt kommt. VIF erhält in Deutschland die mit Abstand größte Menge, aber wir sind uns sicher, dass diese nicht einmal im Ansatz reichen wird, die Nachfrage zu befriedigen. Denn wer einmal seine Weine probiert hat, will sie haben! Zum Probieren gibt es gleich zwei Gelegenheiten: Samuel Delafont präsentiert sein Weine persönlich am 26. Oktober bei VIF in Düsseldorf, und am 27. + 28. Oktober bei VIF in Völklingen.

Da sind zum einen ein weißer Limoux: Große Weißweine aus dem Languedoc sind eine Rarität. Samuel erzeugt reinsortig aus Chardonnay einen höchst beeindruckenden weißen Limoux, der im Barrique vergoren wurde. Durch einen anschließenden 11-monatigen Ausbau im Holz erhält er seine faszinierende Balance aus Kraft und Finesse. Das Bukett ist zunächst zurückhaltend mit floralen Noten, etwas Ginster und reifen Mirabellen. Es öffnet sich mit zunehmender Belüftung und gewinnt so an Struktur und Tiefe, mit einem Hauch von Eichennoten. Am Gaumen stoffig, ungemein dicht und würzig, viel gelber Apfel, mit großartiger Struktur. Ein spannender, vielschichtiger Wein der zeigt, dass auch im Süden Frankreichs große Weißweine gibt.

Der "einfache" Rotwein, schlicht als Languedoc bezeichnet, begeistert auf den ersten Schluck: Ohne Ausbau im Holz entsteht aus den Sorten Grenache und Syrah (je 45%) sowie Mourvèdre ein fruchtbetonter, beeriger Wein mit Tiefgang. Sein elegantes Buektt verströmt eine attraktive, reife, feingliedrige Kirschfrucht. Am Gaumen ein stoffiger, schokoladig anmutender Auftakt mit viel Amarena-Kirschfrucht und erdigen Noten, erstklassigem Tanninspiel und langem, komplexen Finale. Sensationelles Preis-/Genussverhältnis!

Groß hingegen zeigt sicher La Clape: Aus 75% Mourvèdre und 25% Syrah ensteht ein kompakter, kraftvoller, von dunklen Beeren geprägter Wein. Der zwölfmonatige Ausbau erfolgt zur Hälfte in Barriques, zur Hälfte in Edelstahl-Barriques. Diese Kombination verleiht ihm eine komplexe Struktur, die dank seiner Mineralität im Zusammenspiel mit der dunkelbeerigen Frucht (Cassis, Brombeeren und Heidelbeeren) ein höchst interessantes, komplexes Aromenspiel am Gaumen vollführt. Fleischiges, delikates, lange anhaltendes Finale. Großes Potenzial!

Der wohl feinste und verführerischste Wein von Samuel ist der Pic Saint Loup aus 55% Syrah, 35%Parzelle am Pic Saint Loup Mourvèdre und etwas Cinsault. Das großartige Terroir von Pic Saint Loup mit seinen Granitböden verleiht dem Wein seine Nuanciertheit, das kühle Klima sorgt für Feinheit und Eleganz. Finesse pur: Nach dem feinen Auftakt dunkler Kirschen entdeckt man bei jedem Schluck neue Nuancen und ist betört von seiner Verspieltheit und Individualität. Großes Potenzial! Foto: Die Parzelle am Pic Saint Loup.

Ein wahrer Geheimtipp und eine echte Entdeckung!

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