Die sensationelle Entwicklung des Weinguts Dr. Siemens

30.08.2012

Als Dr. Jochen Siemens als Seiteneinsteiger im Jahre 2005 das VDP-Weingut Herrenberg von Bert Simon übernahm, hatte er sich nicht einmal träumen lassen, welch kometenhaften Aufstieg das Bilderbuch-Weingut in Serrig an der Saar die kommenden Jahre nehmen würde. Genauso wenig konnte er sich aber auch vorstellen, mit wieviel Mühen, Arbeit, Ängsten, Sorgen und unermüdlichem Einsatz diese Entwicklung verbunden sein würde.

Der ehemalige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau ging keineswegs blauäugig an die Sache. Er befasste sich zuvor intensiv mit dem Thema Wein. Als Chefredakteur der Zeitschrift ALLES ÜBER WEIN konnte er sich über Jahre einen Eindruck davon verschaffen, wie anstrengend, risikoreich, lohnenswert und erfüllend die Arbeit eines Winzers sein kann.

Sein erster Jahrgang 2006 führte ihm ziemlich drastisch vor Augen, wie schnell das Wetter hochfliegende Pläne zunichte machen kann. Innerhalb kürzester Zeit breitete sich die Fäulnis in fast allen Weinregionen Deutschlands aus, und in einer Art Blitzlese musste gerettet werden, was noch zu retten war.

Jochen Siemens profitierte schon in diesem schwierigen Jahr von seiner wohl wichtigsten Entscheidung bei der Umstrukturierung des Weinguts: Kellermeister Franz Lenz ist ein ausgewiesener Fachmann, der mit viel Gespür, unglaublichem handwerklichen Können, einer Prise Intuition und großem Geschick das jeweils Beste aus einem Jahrgang herauszuholen versteht. Einen genialeren Kellermeister hätte Siemens nicht finden können!

Franz Lenz und Dr. Jochen Siemens

Kellermeister Franz Lenz und Dr.Jochen Siemens

Die Renovierung der veralteten Kelleranlagen war aufwendig: Quasi die komplette Ausstattung musste erneuert werden. Dafür strahlt der zwei-geschossige Gewölbekeller unter dem Weingut nun in neuem Glanz. Die Arbeitsabläufe wurden optimiert: Nach der Lese erfolgt im Kelterhaus die Selektion des Leseguts an Sortiertischen. Nach der Verarbeitung in Traubenmühle und geschlossener Presse gelangt der Most per Schwerkraft in den ersten Keller, wo die Mostvorklärung dank der Schwerkraft durch Absetzenlassen erfolgt. Dann geht es wieder per Schwerkraft eine Etage tiefer in die Gärtanks aus Edelstahl oder in die neuen Holzfuder. Hier, rund zehn Meter unter der Erdoberfläche bei gleichbleibender, natürlicher Temperierung darf der Wein sich seine Zeit nehmen, in Ruhe zu reifen. Nur zur Füllung muss der Wein einmal gepumpt werden. Schonender geht es kaum, denn jedes Mal wenn der Wein durch eine Pumpe gequält wird, schadet es seiner Konsistenz.

Die steilen Weinberge an der Saar sind nur in Handarbeit zu bewirtschaften. Das ist personal- und somit kostenintensiv. Doch Jochen Siemens kann auf eine erfahrene Crew zurückgreifen. Eine Gruppe aus Polen residiert ganzjährig in einem eigenen Haus auf dem Weingut. Zur Lese werden sie von ihnen bekannten Landsleuten unterstützt."Ein Riesen Pluspunkt ist die Erfahrung meiner Weinbergsarbeiter. Sie sind seit Jahren hier, kennen die Lagen aus dem eff-eff, und müssen nicht mehr eingearbeitet werden. Die kurzen Wege vom Haus zum Weinberg bedeuten einen Effizienzgewinn und schlagen sich auch in der großen Zufriedenheit meiner Mannschaft wider." Jochen Siemens ist zufrieden.

Laubarbeit im steilen Würtzberg

Laubarbeiten im steilen Würtzberg

Der Jahrgang 2011 ist ein grandioser. Das Duo Siemens/Lenz hat Großartiges geleistet, weshalb wir ja schon im Frühjahr gleich fünf neue Weine in unser Sortiment aufgenommen haben: Der Terra Saar ist ein strahlender, trockener Riesling Kabinett, der im Nu eine große Zahl von Anhängern gefunden hat. Noch beeindruckender ist der Riesling Kabinett Alte Kupp, der mit seinem Hauch Restsüße alle Stärken der Saar-Rieslinge aufweist. Der Pinot Blanc "R" ist ein fulminanter Weißburgunder, der im Holzfass zur Perfektion reifte. Die 2011er Riesling Auslese aus dem Würtzberg ist ein Meditationswein par Excellence, ein Muster an Ausgewogenheit und Feinheit. Und der Schampus macht seinem Namen alle Ehre und ist ein roséfarbener Sekt der Spitzenklasse, der natürlich im traditionellen Verfahren der Flaschengärung zur Perfektion reifte.

Nun sind auch die Riesling Spätlesen zu solch einer Klasse gereift, dass wir - wieder einmal - nicht widerstehen konnten. Sowohl die trockene Spätlese aus dem Serriger Würtzberg als auch die feinherbe Spätlese aus dem Herrenberg spiegeln nicht nur die Besonderheit des Jahrgangs 2011 wider, sondern zeigen exemplarisch die Entwicklung des Weinguts wider. Nie waren diese Weine besser, ein neues Qualitätsniveau wurde erreicht. Zwei höchst beeindruckende Weine, die zudem noch preislich höchst attraktiv sind.

Die 2011er Riesling Spätlese trocken Würtzberg ist einfach zu beschreiben: That’s Saar-Riesling! Das üppige Bukett nach gelbem Pfirsich und Johannisbeere ist betörend. Am Gaumen stoffig und für Saar-Verhältnisse geradezu üppig, dennoch dominieren Finesse und Mineralität im sehr langen, von gelber Frucht geprägtem Finish. Dazu bringt die Monopollage „Würtzberg“ mit ihrem deutlichen Anteil an rotem Schiefer eine delikate Würze ein.

Die 2011er Riesling Spätlese feinherb aus dem Herrenberg kommt aus einer der steilsten Lagen an der Saar. Diese Spätlese zeigt eindrucksvoll, was die Rieslinge von der Saar weltberühmt gemacht hat: Finesse, Komplexität und Leichtigkeit! Opulenter Duft nach weißem Pfirsisch, am Gaumen großartiger Ausdruck von Terroir in Form reiner Schiefermineralität. Seine Leichtigkeit, seine phantastische Verspieltheit und die elegante Fruchtfülle sind in unnachahmlicher Perfektion vereint. Einer unserer Lieblings-Rieslinge.

Diese Leistung hat Jochen Siemens zu einem der Protagonisten an der Saar werden lassen. Wir sind uns sicher, dass dieser Aufstieg noch weiter gehen wird und spekulieren jetzt ganz einfach mal darauf, dass das Weingut über kurz oder lang auch wieder in den VDP aufgenommen werden könnte.

Für uns bleibt daher nur eine Schlussfolgerung: Jochen Siemens wird zum Winzer des Monats September 2012. Das bedeutet für Sie: 10% Rabatt auf alle Weine des Weinguts bei Bestellungen vom 1. bis zum 30. September 2012!

Text und Fotos: Frank Roeder MW

« zurück
© Developed by CommerceLab
?>