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Winzer-Genies, Teil 2: Egon Müller zu Scharzhof

16.04.2012

Es gibt Winzer, deren Weine so spektakulär sind, dass sie dem ambitionierten Weinliebhaber schier den Atem rauben. Egon Müller IV. ist solch ein Winzer, seine edlen Kreszensen sind weltweit begehrt, rar und entsprechend teuer. Sie sind aber auch so unglaublich gut, dass der Gault Millau 2012 seinen 2010er Weinen den Titel "Kollektion des Jahres" verlieh.

100% Riesling, 100% restsüß, 100% Steillagen, 100% genial: Mit diesen wenigen Worten lässt sich die Arbeit des leisen, zurückhaltenden Menschen Egon Müller IV. zusammenfassen. Großartige Weine, weltbekannt, hoch begehrt, rar und gesucht, und damit die üblichen Preisvorstellungen für einen Wein sprengend.

Aus den 8,4 Hektar im Scharzhofberg werden nur restsüße Rieslinge ab Kabinett aufwärts bis hin zur Trockenbeerenauslese (TBA) erzeugt. Ein Markenzeichen der Müller‘schen Weine ist die Zartheit und die Feinheit. Hinzu kommt ein schier unglaubliches Alterungspotenzial. Während Kabinett-Weine anderer Erzeuger schon nach wenigen Jahren die Flügel strecken, sind Müller‘sche Kabinett-Weine selbst nach Jahrzehnten noch ein Hochgenuss. Eine 1959er oder 1971er Auslese, selbst ein 1976er Kabinett sind heute noch voller Frische. Sie haben inzwischen eine phantastische Harmonie erreicht, die mit gewöhnlichen Adjektiven nicht annähernd zu beschreiben ist. Der Tiefgang der Weine lässt selbst die abgehärtesten Weinfreaks in Ehrfurcht erstarren.

Selbst im hochsüßen Bereich sind die Weine vom Scharzhof nie dick oder fett, nie überladen, sondern von einer solchen Verspieltheit, dass man mit jedem Tropfen neue Nuancen entdeckt. Es gehört zu einem meiner größten Glücksmomente mit Wein, bei einem Freund unverhofft eine 1959er Auslese genießen zu dürfen. Ein Wein, der mich elektrisierte, selbst jetzt beim Gedanken an den Wein überläuft mich eine Gänsehaut. Die 2005er TBA ist der erste Wein, für den ich einen vierstelligen Betrag ausgegeben habe, mit der Gewissheit, dass jeder einzelne Tropfen sein Geld wert ist.

Egon Müller IV. leitet seit 1991 das Traditionsweingut Scharzhof zu Wiltingen am Fuße des Scharzhofberges. Diese sind so perfekt balanciert, so ausgewogen, so kraftvoll und gleichzeitig filigran, so mächtig und gleichzeitig elegant, so betörend und verführerisch wie kaum ein anderer Wein es sein kann. Zu Recht sind zahlreiche Weine vom Weingut Egon Müller zu Scharzhof Legenden geworden.

Verantwortlich für die Weinbereitung ist Stefan Fobian. Im Keller wird man vergeblich nach moderner Technik schauen. Alles geschieht hier sehr traditionell, mit großer Sorgfalt und Bedächtigkeit. Der Ausbau der Weine erfolgt in alten Holzfässern, die häufiger repariert als ersetzt werden. Warum auch sollte man dort etwas ändern? Gibt doch der Erfolg seit Jahtzehnten Recht, die Tradition zu bewahren und nur in ganz kleinen Schritten weiter zu entwickeln.

Die besten Weine des Gutes werden versteigert und erzielen regelmäßig Höchstpreise, weil sie weltweit gesucht und geschätzt sind. Daher gibt es auch keinen Ab-Hof-Verkauf. Nur wenige, ausgewählte Weinhändler und Importeure dürfen sich glücklich schätzen, Egon Müllers Weine anzubieten.

Wer jetzt in Wein investieren möchte, sollte einmal weg von Bordeaux an die Weine vom Scharzhof denken. 100 Punkte verleiht der Gault Millau der Trockenbeerenauslese 2010 und sieht diesen Wein somit als besten deutschen Wein dieses Jahrgangs. Da die 2010er ein unglaubliches Reifepotenzial haben und die vorhandene Menge winzig ist, wird der Wein vermutlich kontinuierlich an Wert zulegen. Vom Kabinett an sind die Scharzhofberger von Egon Müller daher ein zuverlässiges Investment, doch sollten Sie sich die Weine noch stärker unter dem Gesichtspunkt eines unvergleichlichen Geschmackserlebnisses auswählen.

Text und Fotos: Frank Roeder MW

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