Christopher Sistermanns empfiehlt: Sauvignon Blanc Special Cuvée von Springfield

14.03.2012

Sauvignon Blanc vom Kap – grün, gelb oder einfach nur groß? Keine Frage, Sauvignon Blanc ist eine der absolut trendigen Moderebsorten. Die großen Sancerre- und Pouilly-Fumé-Weine von der Loire als Vorbild, haben sich in den letzten dreißig Jahren weltweit immer mehr Winzer mit dieser vom Geschmacksprofil her äußerst eigenständigen Rebsorte beschäftigt und rennen damit bei Weinfreunden rund um den Globus offene Türen ein.

Das Aromenprofil dieser Rebsorte reicht von pflanzlich-vegetabilen Noten wie Heu, Gras, grüne Paprika, Stachelbeere, im Extremfall auch mal Spargel, bis hin zu expressiven Fruchtaromen von schwarzer Johannisbeere, Melone, Pfirsich, Passionsfrucht, Litschi oder Zitrusfrüchten. Die meisten Sauvignon Blancs lassen sich relativ leicht eher der grünen oder der gelben Stilistik zuordnen. Meine heutige Empfehlung jedoch sprengt diesen Rahmen – der Sauvignon Blanc „Special Cuvée“ 2010 von Springfield Estate aus dem Robertson Valley in Südafrika.

Das funkelnde, helle Strohgelb im Glas weckt direkt die Lust auf den ersten Schluck. Doch halt! Nähern wir uns dem Wein zunächst mit der Nase. Sehr komplex und vielschichtig. Die einzelnen Komponenten sind anfangs nur schwer zu entschlüsseln, da im Vordergrund zu Beginn eine sehr mineralische Komponente von Feuerstein- und Kreidetönen steht, die man so bei einem südafrikanischen Wein nicht erwartet hätte. Fast möchte man meinen, daß dieser Wein ein Stück der Familiengeschichte der Winzergeschwister Jeanette und Abrie Bruwer widerspiegelt, deren Vorfahren 1688 von der Loire mit Reben im Gepäck nach Südafrika auswanderten. Das erinnert deutlich an die „rauchigen“ Noten von Pouilly-Fumé.

Nach wenigen Minuten öffnet sich der Wein. Aromen von Heu, Gras und Paprika schieben sich nach vorne. Dann folgen weiße Blüten (Holunder?) und fruchtigere Noten wie Stachelbeere, Zitrusfrüchte, ein Hauch von Grapefruit und Honigmelone. Ein sehr eigenständiges Profil. Keine Spur von der manchmal fast kitschigen Aromatik exotischer Fruchtcocktails anderer Übersee-Sauvignons. Das macht Spaß! Und die Erwartung ist groß. Kann der Wein im Mund halten, was die Nase verspricht?

Kurzum: mehr als das! Die intensiv rauchig-mineralischen Noten wiederholen sich am Gaumen. Hinzu kommen ein Druck und eine Dichte, die man von anderen Sauvignon Blancs so nicht kennt. Trotzdem ist der Wein auf seine Art filigran. Die Säure ist nicht rassig und schneidend, sondern angenehm, gut eingebunden in die 13 % Volumenprozent Alkohol, was ein Mundgefühl ergibt, das mit cremig-frisch noch am besten zu umschreiben ist.

Dann folgt das eigentliche Aha-Erlebnis: ein wunderbarer, nachhaltiger und langer Abgang, der die vielfältigen Geschmackseindrücke nochmals gebündelt zusammenfaßt. Die Special Cuvée fängt erst nach mehr als einer halben Minute an, langsam abzuklingen. Großes Kino – ein aristokratischer Wein!

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