Weingut des Monats März: Montirius von der Rhône

29.02.2012

Wenn Gutes besser wird, dann ist das in der heutigen Welt des Weines eigentlich ein Muss, zumindest im gehobenen Qualitäs-Niveau. Wenn sich aber diese Entwicklung über einen langen Zeitraum konstant auf hohem Niveau fortsetzt, darf man - nein, muss man - darauf explizit hinweisen. Christine und Eric Saurel vom Weingut Montirius in Vacqueyras an der südlichen Rhône sind nämlich trotz der weltweiten Erfolge immer gelassen und bodenständig geblieben, und lassen lieber ihre Weine erzählen. Die PR-Maschinerie sollen andere nutzen.

Christine und Eric Saurel sind Überzeugungstäter. Vor rund zwanzig Jahren erkrankte eines ihrer jungen Kinder, die konventionelle Medizin konnte nicht helfen. Als dann homöopathische Mittel zum Erfolg und zur Heilung führten, verschrieben sich die beiden dem biodynamischen Weinbau. Heute gehört ihr Weingut Montirius zu den renommiertesten Protagonisten des biodynamischen Weinbaus und ihre Weine strotzen vor Charakter und Persönlichkeit. Sie sind keiner Mode gefolgt, denn damals hatten biodynamische Winzer den Status der Exoten.

Bei einem Besuch auf dem Weingut wird schnell klar, dass die Biodynamie hier nicht nur Mittel zum Zweck ist, sondern gelebt, geatmet wird. Sie ist zur Selbstverständlichkeit geworden, alle Mitarbeiter haben die Betriebsphilosophie verinnerlicht. Insbesondere den Weinbergen sieht man an, dass sie vor Gesundheit strotzen. Selbst Laien können bei einem Streifzug durch die Rebflächen erkennen, dass sich die Rebstöcke in einem Zustand selbstzufriedener Balance finden. Eric muss nicht einmal "gipfeln", d.h. die in die Höhe schießenden Triebe abschneiden. Denn seine Reben merken, wenn sie die optimale Wuchshöhe erreicht haben und genügend Blätter zur Photosynthese vorhanden sind. Dann stoppen sie ganz von alleine das Wachstum und konzentrieren ihre Arbeit auf die Reifung der Trauben.

Weinberg Le Clos von Montirius

Der Weinberg "Le Clos" in Vacqueyras, im Hintergrund der Mont Ventoux

Auch im Keller gehen Christine und Eric eigene Wege. Vergeblich sucht man dort Holzfässer. Die Weine reifen ausschließlich in Betontanks der besonderen Art. Eric hat auch diese nach biodynamischen Grundsätzen gebaut: Die Kieselsteine für den Beton stammen aus den eigenen Weinbergen, das Wasser für den Beton wurde dynamisiert. Es gibt keine Stahlarmierung im Beton, denn dann würde der Stahl wie ein Faraday'scher Käfig den Wein vor kosmischer Strahlung abschirmen. Das mag manch einem wie Hokus-Pokus vorkommen, oder viel zu esoterisch erscheinen. Wie auch immer, die Resultate geben den beiden Recht.

Selbst der einfache Côtes du Rhône (der sensationell delikate 2011er ist soeben eingetroffen) hat so viel Charakter und Persönlichkeit, dass er unter den gleichnamigen Weinen anderer Produzenten wie ein Leuchtturm herausragt. Sein animierender Trinkfluss beschert ihm einen stetig wachsende Fangemeinde, so dass wir inzwischen Sorgen haben, dass bald die nachfrage das begrenzte Angebot überschreiten könnte.

Berühmt ist Montirius für seine Vacqueyras und seine Gigondas. Der Vacqueyras "Garriques" 2009 ist so gut wie nie zuvor, was nicht nur an dem hervorragenden Jahrgang liegen dürfte. Das Bukett verströmt eine Aromenfülle von Amarenakirschen mit Noten von Valrhona-Schokolade und einer feinen Würze. Am gaumen zeigt sich eine sehr kompakte, dicht gefasste Frucht von schwarzen Kirschen, das von enormer Extraktfülle begleitet wird. Eine großartige Würze bringt Komplexität, und die Struktur zeigt enorme Power. Die zarte Schokosüße im vielschichtigen Finale setzt dem Genuss die Krone auf.

Der Gigondas "Terres des Aînes" 2006 nähert sich nun dem optimalen Trinkfester. Seine jugendlichen Allüren hat er abgelegt und zeigt nun die Harmonie, die aus einem großen Wein einen großartigen macht. Eine Wein-Persönlichkeit fernab des Mainstreams, der dennoch so zugänglich ist, dass er nicht nur den Spezialisten schmeckt. Er hat so viel Stoffigkeit, verführerischen Schmelz und eine gebändigte Wildheit, dass man bei jedem Schluck neue Aspekte und Charakterzüge in ihm entdeckt.

Der Gigondas Confidentiel 2006 ist der Top-Wein von Montirius, ein anspruchsvoller Kraftprotz, muskulös und dennoch sanft, geschmeidig und dennoch robust. Hoch konzentriert am Gaumen, mit perfekt gereifter Schwarzkirschfrucht, Lorbeernoten, etwas Wacholderwürze, sehr stoffig mit einem Extraktkern der so gewaltig ist, dass man glaubt den Wein kauen zu können. Ein perfekt balancierter Spitzenwein der Extra-Klasse!

So ein stimmiges Gesamtbild machte uns die Entscheidung leicht, welchen Winzer wir zum Favoriten des Monats wählen.

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