Wein des Monats April: Weisse Reben von Andy Knauß, Württemberg

01.04.2015

Württemberg ist ja eher für seine Rotweine bekannt: Lemberger, Spätburgunder, Trollinger... Doch diese Cuvée vom Low-Tech-Winemaker Andy Knauß zeigt, dass auch delikate und interessante Weißweine aus dem Ländle kommen. Als wir Andy Knauß kennen lernten, waren wir auf Anhieb in seine Rotweine verliebt. An einen Weißwein hatten wir nicht gedacht. Der WEISSE REBEN war jedoch so überzeugend, dass die Entscheidung für ihn leicht fiel.

Ich erinnere mich noch genau an unsere erste Begegnung: Im Januar 2013 verkostete ich erstmals einen Wein von ihm. Seinen 2011er Lemberger "S" fand ich so genial verführerisch, dass die Flasche am Abend überraschend schnell geleert war. Anlass genug, am nächsten Tag einen Termin für einen Besuch zu vereinbaren, um zu erfahren, wer hinter solch attraktivem und ungemein trinkigem Wein steckt. Dann ging alles flott: Im Februar besuchten wir das Weingut im schwäbischen Weinstadt, genauer gesagt im Ortsteil Strümpfelbach. Das Ergebnis vorweg: Wir waren so beeindruckt - vom Winzer, seinem Können, dem Potenzial des Weinguts und vor allem von dem, was in den Fässern und Flaschen steckte - dass uns keine Wahl blieb: Den müssen wir haben!

Hier das Video zum Wein des Monats:

Video Wein des Monats April

Doch der Reihe nach: Andreas (Andy) Knauß - von dessen Person ich bis dato rein gar nichts wusste - empfing mich als unerwartet junger und dynamischer, überaus freundlicher Winzersohn im elterlichen Weingut, das bis 2012 noch das Herz der Produktion war. Doch Andy führte mich nebenan in einen erst vor wenigen Monaten fertig gestellten Neubau, ein architektonisch beeindruckendes Juwel, das sich harmonisch am Ortseingang von Strümpfelbach in die Weinberge schmiegt.

Rechtzeitig zur Lese 2012 war der Bau fertig, so dass Andy zum ersten Mal mit ausreichend Platz und ohne Kompromisse durch bauliche Einschränkungen agieren konnte. Wer in diesem hochmodern anmutenden Neubau nun aber einen Weinkeller vollgestopft mit modernster Kellertechnik erwartet, wird enttäuscht. Geradezu spartanisch wirkt der Keller: Selbst im Reifekeller reihen sich eben nicht nur Barriques aneinander, sondern auch größere Fässer mit 500, 600 Liter Fassungsvolumen und noch größer. Darin sieht der Winzer auch die Zukunft: Die kleineren Barriques geben ihm zu viel Holzaromen ab und würden so seine fruchtbetonten Rotweine etwas verschleiern. Die größeren Holzfässer passen einfach besser zu seiner Stilistik.

Modernität sieht anders aus: Auch im eigentlichen Weinbereitungsbereich glitzert nur wenig Edelstahl. Klar, die Gärtanks sind überwiegend aus diesem Material, das seine Stärken in der Hygiene und der Temperatursteuerung hat. Konsequent finden alle Weiß- und Roséweine sowie die vom Holz nicht oder kaum beeinflussten Rotweine dort ihre erste Heimstatt. Doch im Keller finden sich auch Holzgärständer, in denen die Trauben für alle großen Rotweine vergoren werden. Diese verleihen den kraftvollen Weinen der R-Serie (R für Reserve) das nötige Maß an Struktur und Rückgrat.

Im Prinzip gibt es neben der Basis-Linie drei weitere Wein-Linien: Die herrlich fruchtigen und süffigen Gutsweine, die ambitionierten und immer noch überaus gefälligen Selektions-Weine (mit dem Buchstaben "S" gekennzeichnet) und die hervorragenden, wettbewerbsfähigen Reserve-Weine (mit dem Buchstaben "R" benannt).

Wir verkosteten zusammen alles, was der Keller hergab: Alle schon in Flaschen gefüllten Weine der letzten Jahrgänge sowie Fassmuster der noch nicht gefüllten Weine, die noch in diesem Frühjahr auf den Markt kommen sollten. Die Handschrift des in Weinsberg ausgebildeten Andy Knauß überzeugte durch die Bank. Alle Weine - egal ob weiß, rosé oder rot - waren ausdruckstark, mit eigenständigem Charakter, und spiegelten sowohl Rebsorte wie Terroir wieder. Am liebsten hätten wir sie im ersten Schwung der Begeisterung alle aufgenommen.

Zurück zu Hause verkosteten wir dann mit zeitlichem Abstand noch einmal die für uns interessantesten Weine und wählten letztendlich derer 5 aus:

Als ehrlichen Schoppenwein wählten wir den Trollinger mit Lemberger in der Literflasche aus, der uns noch einen Tick besser gefiel als der reinsortige Trollinger. Ein wunderbarer Zechwein, leicht und beschwingt, ideal zum Abendbrot, oder auch im Sommer leicht gekühlt oder kellerkalt als Sommerrotwein ein Genuss.

Obwohl auf unserem Radar mit der Herkunft Württemberg eher Rotweine verbunden sind, entschieden wir uns auch für die Neulistung eines Weißweins. Die Cuvée Weiße Reben wird durch einen Anteil Muskateller so ungemein verführerisch, dass wir uns wie von einem Magneten angezogen fühlten. Ein Weißwein, wie er in unserem Sortiment weder in Aromatik noch Geschmack zu finden ist.

Höchst entzückend der Muskattrollinger, eine rosafarbene Spezialität aus Württemberg, eigentlich rar und gesucht. Doch wir konnten uns einen großen Anteil der Gesamtproduktion sichern. Wie die Reaktion unserer Kunden bei den ersten Frühjahrsweinproben zeigte, war dies auch strategisch sinnvoll: Der Zuspruch war so groß, dass nach einem Wochenende schon mehrere hundert Flaschen verkauft waren!

Lemberger, in Österreich Blaufränkisch genannt, ist nicht gerade eine Publikumssorte. Sie ist eher etwas für ambitionierte Weinliebhaber, die seine intensive Weichselkirschfrucht und die prägnante Säure im Zusammenspiel mit den markanten Gerbstoffen zu schätzen wissen. Doch hat ein Winzer so wie Andy Knauß sowohl die Säure im Griff und kann die Tannine bändigen, entsteht so ein Schmeichler wie sein Lemberger "S", der rund und weich ohne Säurespitzen den Gaumen streichelt und verwöhnt. Großartig gemacht. Châpeau Herr Knauß!

Die Krönung wollten wir Ihnen nicht vorenthalten: Obwohl der Jahrgang 2010 nicht zu den größten in Württemberg zählt und von manchen Journalisten abgeschrieben wurde, zeigt der Lemberger "R"  aus diesem Jahrgang, wie wenig man von Pauschalurteilen halten soll. Normalerweise wird der Lemberger "R"  im Holz vergoren und anschließend etwas länger als ein Jahr im Barrique und Holzfässern anderer Größe ausgebaut. Doch für den 2010er verzichtete Andy Knauß auf das Barrique und nutzte nur die 500-Liter Fässer. Da die spät gelesenen Trauben sorgfältig selektioniert wurden, geriet der 2010er zu einem Prachtexemplar, das wir nur wärmstens empfehlen können.

Andy Knauß produziert noch viele andere Weine: Auch seine Rieslinge und Spätburgunder, sein Sauvignon Blanc oder sein Merlot sind eine echte Versuchung. Nach den ersten vielversprechenden Reaktionen werden wir in Zukunft unser Sortiment an Knauß'schen Weinen sicher ausbauen.

Das Konzept für den Videoblog wurde zusammen mit dem Werbefilmstudio framekit entwickelt (www.framekit.de). Das junge Unternehmen ist Spezialist für Image-, Produkt- und Unternehmensfilme. Die von mir, Frank Roeder MW, selbst aufgezeichneten Videos werden von framekit geschnitten und zum fertigen Film bearbeitet.

Text: Frank Roeder MW

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