Weine aus Neuseeland: Eine Entdeckungsreise (1)

28.02.2015

Dass Neuseeland ein phantastisches Reiseland ist, ist hinlänglich bekannt. Atemberaubende Landschaften in einer unglaublichen Vielfalt, weltoffene, super-freundliche und sehr relaxte Menschen, hoch-delikates Essen von talentierten Jungköchen, und natürlich auch exzellente Weine ergeben eine Kombination, die in dieser Qualität sonst nicht zu finden ist. Es wäre müßig, über die Erfolgsgeschichte des neuseeländischen Sauvignon Blanc zu berichten, denn es gibt noch einige aufregende Sorten, die mehr und mehr an Bedeutung gewinnen.

Klar, Sauvignon Blanc beherrscht die Wahrnehmung über neuseeländischen Wein. Kein Wunder, bei 72% Anteil an der Gesamtproduktion und sogar 86% am Export! Der Sauvignon Blanc hat Neuseeland einen Schub gegeben. Ausgehend von der Region Marlborough (an der Nordspitze der Südinsel gelegen) begann eine dynamische Entwicklung anderer Regionen, die bis heute anhält. Anlass für mich, die wichtigsten Weinregionen des Landes zu bereisen und auf Entdeckungstour zu gehen. Es hat sich gelohnt.

Los ging es in Auckland. Westlich der größten Stadt Neuseelands liegen nur 30 Kilometer entfernt großartige Weingüter. Allen voran Kumeu River (www.kumeuriver.co.nz). Auf diesem Weingut produziert Michael Brajkovich (übrigens der erste Master of Wine Neuseelands) atemberaubende Chardonnays, die ohne Zweifel zu den besten des Landes gehören und selbst die großen Burgunder herausfordern. Sein Huntington Hill Chardonnay gehört mit zu dem besten Wein, den ich je aus dieser Sorte verkostet habe. Neben dieser Boutique-Winery wirkt Villa Maria Estate (www.villamaria.co.nz) unweit des Flughafens von Auckland schon fast wie eine Weinfabrik. Doch schiere Größe hindert nicht daran, auch exzellente Weine zu keltern. Villa Maria ist einer der Qualitätspioniere in Neuseeland und produziert Weine aus fast allen Regionen des Landes. Übrigens: Wer ein paar Stunden am Flughafen von Auckland auf seinen Anschlußflug wartet, sollte sich in ein Taxi setzen und im Restaurant von Villa Maria (Fahrzeit 10 Minuten) in wunderschönem Ambiente an neuseeländischer Küche und einer Weinprobe erfreuen.

Doch mein erstes Ziel war Central Otago, das südlichste Anbaugebiet des Landes. Dort sorgt Pinot Noir für Furore, und die Erzeuger messen sich jährlich mit den besten Weinen der Welt auf der Central Otago Pinot Noir Conference COPNC (www.pinotcelebration.co.nz). Das waren in den letzten Jahren vornehmlich die großen Burgunder, doch dieses Jahr waren es deutsche Spätburgunder. Diese hatten unlängst in einer Vergleichsprobe mit den besten Pinots der Welt die vorderen Plätze belegt und somit waren die Kiwis neugierig und gespannt auf die deutschen Pinots! Als deutscher Master of Wine durfte ich die 5 besten deutschen Spätburgunder vorstellen, die Terroirs erläutern, die Weingüter präsentieren und vor rund 200 Personen die Verkostung leiten.

Frank Roeder MW stellt in Central Otago deutsche Spätburgunder vor

Frank Roeder MW stellt deutsche Spitzenspätburgunder auf der Pinot Conference in Central Otago vor.

Da staunten die Kiwis nicht schlecht: Sie waren schlichtweg begeistert von den Großen Gewächsen von Stodden (Ahr), Meyer-Näkel (Ahr), Fürst (Franken), August Kesseler (Rheingau) und Molitor (Mosel). Das Verblüffende: Die Böden in Central Otago sind den deutschen sehr ähnlich: Schiefer, Schieferverwitterungsböden, Grauwacke und Buntsandstein sind auch in Central Otago vorherrschend, entsprechend finden sich auch Parallelen in der Struktur der Weine. Das kühle Klima dort ist zumindest von den Temperaturen her ebenfalls mit dem deutschen ähnlich.

Weinberge in Central OtagoGleich mehrere Weingüter besuchte ich während und nach der Conference. Quartz Reef, Surveyor Thomson und Felton Road arbeiten komplett biodynamisch und erzeugen aufregende, sehr individuelle, hoch attraktive Pinot Noirs. Auch aus Sorten wie Riesling, Grüner Veltliner und Chardonnay finden sich aufregende Weine, fein und elegant, mit geschliffener Frucht und lebhafter, reifer Säure. Sehr trinkige Weine, deren Fokus auf Feinheit liegt. Auch wenn die Region gerade erst mal seit 25 Jahren ernstzunehmende Weine produziert, ist die Dynamik ungebrochen. Die Winzer unterstützen sich gegenseitig, ziehen an einem Strang, respektieren sich und haben nur ein Ziel vor Augen: Jedes Jahr besser zu werden, um den Abstand zu den besten Weinen der Welt jedes Jahr ein wenig zu verkürzen. Mit dem Pinot Noir sind sie auf bestem Wege. Weitere beeindruckende Weingüter sind Mount Difficulty, Amisfield, Mishas und Gibbston Valley, deren Wein mir ausgesprochen gut gefallen haben.

Auf Felton Road hatte ich dann zusammen mit Kellermeister Blair Walter und Eigentümer Nigel Greening verkostete ich zum Mittagessen (Bunter Blütensalat aus dem eigenen Garten und ein Hack-Steak von den eigenen Rindern, einfach aber genial gut) neben einem 2002er Puligny-Montrachet von Leflaive den hauseigenen Chardonnay 2001. Beides großartige Weine, beide noch jung und lebhaft, aber mit hauchdünnem Vorteil für den Felton Road. Da sage noch einer, Weine aus Übersee können nicht in Würde reifen!

Weinberge in Waipara

Weiter ging es nach Norden. Unweit der Stadt Christchurch liegt das ebenfalls sehr dynamische Weinbaugebiet Waipara. Besonders beeindruckt haben mich dort die Rieslinge. Auf sanft rollenden Hügeln liegen die Rebflächen (siehe Foto oben), die überwiegend mit Pinot Noir und Chardonnay bestockt sind. Bei der regionalen Verkostung mit Weinen aller wichtigen Weingüter konnte ich mich von der superben Qualität aller angestellten Weine überzeugen. Aber am meisten beeindruckt hat mich der Riesling. Besonders wenn er reifen darf und ein paar Jährchen auf dem Buckel hat zeigt sich seine ganze Komplexität. Auch beim Dinner kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus, als wir Weine aus den Jahren 2004 und 2006 genießen durften. Unglaublich, wie frisch und jung die Weine aus Chardonnay, Pinot Noir und Riesling sich präsentierten. Die besten Weine gefielen mir von den Weingütern Pegasus Bay, Bellbird Spring, Black Estate, Mountford Estate und Muddy Water Wines.

Mit dem Auto ging es dann entlang an der Ostküste in das größte Weinbaugebiet Neuseelands, Marlborough. Von dort stammen fast drei Viertel der gesamten Produktion Neuseelands, und nirgendwo gibt es solch schöne Sauvignon Blancs wie von hier. Diese Wein mit ihrer glasklaren Stachelbeerfrucht, mal untermalt von tropischen Früchten oder auch grasigen Noten (je nach gewünschter Stilistik), haben den Ruf Neuseelands begründet. Weingüter wie Cloudy Bay, Serezin, Giesen (eine deutsche Familie), Nautilus oder Kim Crawford findet man inzwischen überall auf der Welt.

Die Hauptstadt Blenheim ist nach europäischen Maßstäben ein Provinzdorf, hat aber - wie die meisten Wein-Hauptstädte - ein eigenes, quirliges, liebenswertes Flair. Marlboroughs Rebflächen lagen ursprünglich nur um dieses Dorf herum, entlang des Flüßchens Wairau River, der genügend Wasser für die erforderliche Bewässerung führt. Doch inzwischen gibt es zwei weitere Zonen: Südlich des Flusses auf den Hügeln das Southern Valley, das häufiger mit Frostschäden konfrontiert ist, und 30 Kilomter südlich von Blenheim das Awatere Valley, das kühler, trockener und windiger ist.

Mehr zu Marlborough, Martinborough und Hawkes dann im zweiten Teil.

Wer mehr über Wein aus Neuseeland erfahren will findet hier die besten Infos: www.nzwine.com

Text: Frank Roeder MW

Fotos: Frank Roeder MW und NZ-Wines

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