...and the winner is: Sieger des VIF-Kunstpreises 2015

26.02.2015

Es war spannend bis zum Ende: Die Jury hatte auch keine einfache Aufgabe, denn die eingereichten Werke polarisierten zum Teil sehr. Unter den 47 besten Einsendungen wurden im ersten Wahldurchgang der siebenköpfigen Jury deren 3 Favoriten gewählt. Doch dann entbrannte eine heiße Diskussion, denn die Werke konnten unterschiedlicher kaum sein: Eine Stickerei, ein Acryl-Gemälde auf einer 150 cm breiten Sperrholzplatte und ein konventionelles Ei-Tempura Gemälde auf Leinwand. Mit knapper Mehrheit von 4:3 Stimmen setzte sich das Werk "Lebensqualität" der in Hannover ansässigen Künstlerin Ilona Arndt durch.

Schon beim Betrachten des Siegerbildes versteht man die Diskussionen: Kann ein QR-Code Kunst sein? Entspricht eine Stickerei unserem Verständnis von Kunst? Was soll das? Kann das jeder verstehen? Vertragen sich IT-Technologie und Wein? Solche und noch mehr Fragen wurden in der Jury diskutiert, und schließlich entschied eine knappe Mehrheit, dass alle diese Fragen mit JA zu beantworten sind!

Betrachten wir das Werk einmal genauer: Es ist eine 13,5 x 13,5 cm große Gobelin-Stickerei auf Stramin mit Vlieseline, die in einem 30 x 30 cm großen Rahmen gefasst ist. Es gibt in nüchternem Schwarz-Weiß einen QR-Code wieder, der nur mit entsprechender Technologie, sprich einem Smartphone, zu entziffern ist. Scannt man diesen QR-Code, erhält man als Ergebnis einen schlichten Satz: "Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken!"

Eine altbekannte Weisheit. Dieser Aphorismus, der aus der Feder von Johann Wolfgang von Goethe stammt, bekommt in unserer schnelllebigen, auf raschen Konsum getrimmten Gesellschaft eine zunehmend größere Bedeutung. Stress und Hektik lassen immer weniger Zeit für reflektierten, aufmerksamen Genuss. Da wirkt solch ein Sprüchlein wie Balsam.

Doch warum nehmen wir solche Weisheiten immer erst dann wahr, wenn es uns gelingt, dem Alltagsstress zu entfliehen, und uns etwas wirklich Gutes  gönnen? Sollte es nicht umgekehrt sein, und wir uns solche Weisheiten verinnerlichen, damit sie uns öfters daran erinnern, dass es mal wieder Zeit für ansprechenden Genuss ist?

Wie dem auch sei, die Jury war der Meinung, dass nicht nur der Spruch alleine, sondern die Idee und die Umsetzung aller Ehren wert ist, eine alt bekannte Weisheit mit uralter Technik (Stickerei) in eine neue Form zu packen. So wird auch der ohne Handy kaum noch überlebensfähig anmutenden Jugend eine Botschaft übermittelt, die die Kultur des Weingenusses in den Mittelpunkt rückt. Übrigens: Frau Ilona Arndt ist 61 Jahre alt!

Text: Frank Roeder MW

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