Aus dem Leben eines Winzers (5): Laubsaugen

18.07.2014

Endlich ist im Juli der von den Winzern langersehnte Regen eingetroffen und die lange Trockenperiode damit zu Ende. Dies gibt den Winzern eine kurze Atempause bei der Laubarbeit in den Weinbergen und Johannes Peters, Winzer aus Wiltingen an der Saar, erläutert uns seine Arbeit im Weinberg. Diesmal zum Thema Laubsaugen.

Laubsauger einseitigVor einigen Tagen haben wir unsere Weinberge mit einem sogenannten Laubsauger bearbeitet. Aufgrund seiner Arbeitsbreite "zupft" er die Blätter in der Traubenzone weg und stellt die kurz vorher verblühten Trauben frei. Die martialisch anmutenden Geräte gibt es einseitig oder beidseitig. Wir haben die für unsere Betriebsgröße ausreichende einseitige Ausführung. Auf diesem Bild können sie erkennen, wie der Laubsauger funktioniert. Zwei gegenläufige Rollen - eine Rillenrolle aus Kunststoff und eine Gummiwalze - rotieren, angetrieben durch Ölmotoren, und zupfen dabei die Blätter oder Teile von Blättern aus der Laubwand. Dabei werden die Rollen von einem Ventilator im Gehäuseinnern unterstützt. Dieser saugt die leichten Blätter in die Rollen und spuckt diese gehäckselt am anderen Ende des Gehäuses aus.

Laubsauger bei der Arbeit

Mit dem Laubsauger vorne am Schlepper wird jetzt mit einer Geschwindigkeit von etwa 7 km/h sehr dicht an der Laubwand vorbeigefahren. Je langsamer wir fahren, umso mehr Blätter werden entfernt, entsprechend weniger bei schneller Fahrt.

Laubsaugen - vor der ArbeitLaubsaugen - nach der Arbeit

Links sehen sie eine geschlossene Laubwand vor dem Entblättern und rechts danach.

Im Gesamtbild kann man die "Schneise" des Laubsaugers sehr gut erkennen und im ersten Moment erschreckt man etwas, wenn die unmittelbaren Spuren des "Rupfens" sichtbar werden. Mit der Zeit verändert sich das Bild wieder, da neues Laub nachwächst.

Laubsaugen - GesamtbildDas was der Laubsauger am Schlepper in 2 h erledigt, wird vom Menschen nach 40 h abgeschlossen. Im Steilhang damit eine aufwendige Handarbeit. Doch was bringt uns die aufwendige Arbeit, damit sich der Einsatz lohnt?

Werden die Trauben recht früh nach der Blüte freigestellt, sind sie der Sommersonne gnadenlos ausgeliefert und bilden eine wesentlich dickere Beerenhaut und härtere Kutikula aus. Damit entwickeln die Beeren eine wesentlich größere Abwehrwaffe im Kampf gegen die Fäulnisgefahr im Herbst. So behandelte Weinberge haben in der Regel 50% geringere Fäulnisanfälligkeit und damit gesündere Trauben, die auch länger reifen können. Ganz nebenbei ist diese Maßnahme biologisch und effektiv.

Werden die jungen Beeren allerdings zu spät entlaubt, gibt es - vor allem beim Riesling - sehr schnell den gefürchteten Sonnenbrand. Dieser lässt die betroffenen Beeren blau werden und verursacht später im Most Bittertöne.

Nach dem kleinen Exkurs in die Weinbergsarbeit geht es für uns wieder aktiv in die Reben.....

Mit besten Grüßen von der Saar

Johannes Peters

Fotos und Text: Johannes Peters

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