Aus dem Leben eines Winzers (4): Kreativität hilft auch im Weinberg

12.12.2013

Letztes Jahr hatten wir an dieser Stelle über ESCA berichtet, die große Gefahr für Deutschlands Weinberge. Diese Krankheit befällt zunehmend mehr Rebstöcke, ein Gegenmittel ist nicht bekannt. Einzig das Rausreißen der befallenen Stöcke gilt als wirksame Maßnahme, um die noch nicht befallenen Reben zu schützen und eine Übertragung zu vermeiden. Das ist mühselige Knochenarbeit, es sei man ist so kreativ wie unser Winzer Johannes Peters von der Saar.

Hier sein Bericht zur Lösung des Problems:

"Im letzten Jahr hatten wir ihnen von der neuen Rebkrankheit ESCA berichtet, die seit einigen Jahren in den Weinbergen Deutschlands immer häufiger zu finden ist. Die Bakterien befallen gesunde, vitale Rebstöcke und bringen diese innerhalb kurzer Zeit zum Absterben. Besonders betroffen sind ältere Rebanlagen, da hier über die vielen Jahre des Rebschnitts mehr Schnittwunden am Holz zu finden sind, über die die Bakterien in den Rebstamm eindringen können.

Weingut Peters - immer für eine Überraschung gutDa Esca immer weiter um sich greift, haben wir auch einen höheren Arbeitsaufwand um die befallenen Stöcke auszugraben und sie dann aus phytosanitären  Gründen zu verbrennen. Bis zum vergangen Jahr wurde diese Arbeit mit schweren Hacken von Hand erledigt.

Zur Arbeitserleichterung haben wir nun zusammen mit einem technisch versierten Bekannten eine hydraulische Rebzange entwickelt, die wir an den Schlepper anbauen können. Diese Maschine gibt es nicht zu kaufen und ist deshalb ein Unikat – allerdings ein sehr hilfreiches! Meine Kollegen beneiden mich um diese Errungenschaft!

Die Rebzange wird vorne an den Schlepper Immer für eine Überraschung gut: Johannes Petersangebaut und per Hydraulik bedient. Auch die Zange beißt automatisch. Alle ESCA-befallenen Reben werden über das Jahr markiert, da sie am besten über das „Tigermuster“ am Laub erkannt werden können. Im Herbst nach dem Laubfall kann man die betroffenen Reben nicht mehr identifizieren. Der Rebstammzieher wird auf die Höhe der markierten Rebe gebracht. Dann wird die Zange geöffnet und ausgefahren. Ist der Rebstamm mittig „gefangen“, wird die Zange zugedrückt und hydraulisch nach oben gefahren.

 

Immer für eine Überraschung gut - Johannes PetersDie 90 PS des Schleppers ziehen den Stamm dann mühelos aus der Erde. Die Rebstöcke müssen verbrannt werden, damit die Krankheitserregerreger abgetötet werden.

 

Rebholz = GrillholzWir sammeln die Rebstämme ein und verbrennen diese sinnvollerweise im Holzofen. Grillfreunde würden das Rebholz der vier Gitterboxen (gesammelt in diesem Herbst) zu schätzen wissen! Der Anblick tut uns allerdings in der Seele weh….

Weitere Eindrücke von der Arbeit eines Winzers sehen Sie hier: So pflanzt man heute Reben

Text und Fotos: Johannes Peters

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