Aus dem Leben eines Winzers (1): ESCA - Die große Gefahr für Deutschlands Weinberge

19.09.2012

Wer aufmerksam durch Deutschlands Weinberge geht, wird überall einzelne Rebstöcke entdecken, die am Absterben oder schon abgestorben sind. Seit ca. 15 Jahren gibt es in allen deutschen Weinbaugebieten eine neue Krankheit, die mit immer größerer Besorgnis beobachtet wird - ESCA. Mit dem Klimawandel hat Esca den Weg über die Alpen in unsere Region geschafft, nachdem vorher ein Auftreten nur im Mittelmeerraum bekannt war. Zunächst waren es nur Einzelfälle, die die Winzer verschmerzen konnten. 2002 waren in Baden-Württemberg nur 2,5% der Flächen befallen. Inzwischen ist der Befall so stark (einzelne Weinberge bis zu 40%), dass durch den Ausfall zahlreicher Rebstöcke massive wirtschaftliche Schäden hingenommen werden müssen.

Der Name ESCA leitet sich vom griechischen „Yska“ ab, was „verfaultes Holz“ bedeutet. Esca ist ein Feuerschwammpilz, der in verschiedenen Formen auftritt und deshalb faktisch nicht bekämpfbar ist. Über Schnittwunden am Rebstamm verschaffen sich die Sporen des Pilzes Zugang in die Leitungsbahnen der Rebe und zerstören mit ihre Toxinen diese von innen heraus, indem sie das extrem harte Gewebe der Rebe wie einen Schwamm aufweichen.

Befallene Stöcke sterben innerhalb weniger Wochen komplett ab. Leider ist die Krankheit im Frühstadium nicht erkennbar. Im Hochsommer zeigen gesund erscheinende Rebstöcke die ersten Symptome in Form flammend rotbrauner Nekrosen am Blatt, das sogenannte „Tigermuster“.

Esca: erste Anzeichen des Befalls

Danach werden in sehr kurzem Abstand die Trauben erfasst, die umgehend eintrocknen.

ESCA: Die Trauben trocknen ein.


Beim nächsten Bild sehen sie den Zustand 3 Wochen später. Die von Esca befallenen Stöcke sind tot und zwischen den gesunden Reben gut zu erkennen.

Tote Rebstöcke durch ESCA

Dem Winzer bleibt nichts anderes übrig, als die toten Rebstöcke mit Wurzeln und Holz aus dem Weinberg zu entfernen und zu verbrennen. Nur so kann die weitere Infektion im Weinberg vermindert, jedoch nicht verhindert werden. Besonders betroffen sind alte Reben, die naturgemäß mehr Schnittwunden aufweisen. Als Prophylaxe gilt zur Zeit das Versiegeln größerer Schnittflächen, was ein hohes Maß an Zusatzarbeit nach dem Rebschnitt im Frühjahr bedeutet.

Das Ausmaß des Absterbens nimmt derzeit beängstigende Formen an. Winzer Johannes Peters an der Saar, ein aufmerksamer und im Weinberg sehr sorgfältig arbeitender Winzer, berichtet von etwa 100 Reben pro Hektar Rebfläche (mit etwa 4000 Reben), die ESCA zum Opfer fallen. Andere Kollegen melden in älteren Anlagen Befall von bis zu 40% der Rebfläche.

"Viele Kollegen und ich selbst auch sehen in der Bekämpfung von Esca eine der größten Herausforderungen für unseren Weinbau nach der Reblaus. Jeder abgestorbene Rebstock muss durch eine neue kleine Pflanze ersetzt werden, die erst nach 4 Jahren Aufwuchs und Pflege die ersten Früchte bringt. Den dadurch entstehenden Schaden kann sich jeder leicht selbst ausrechnen," meint Johannes Peters.

Trotz intensiver mehrjähriger Forschung konnte bisher keine Strategie zur Bekämpfung dieser Krankheit gefunden werden.

Fotos: J. Peters

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