Aus dem Leben eines Winzers (8): Lesevorbereitungen

14.08.2015

Regelmäßig sendet uns Johannes Peters, Winzer an der Saar, Berichte aus seinem Arbeitsleben zu, die uns veranschaulichen, welche Arbeiten ein Winzer im Laufe des Jahres zu erledigen hat. So bekommen wir einen hervorragenden Einblick hinter die Kulissen der vielfältigen, notwendigen Arbeitsschritte, um aus gesunden Trauben guten Wein zu erzeugen. Hier ist sein Bericht über die Lesevorbereitungen:

"Auch wenn die Traubenlese noch etwas hin ist, müssen im Keller rechtzeitig alle Vorbereitungen getroffen werden. Dazu gehört auch eine Grundreinigung aller Edelstahltanks, bevor der neue Wein eingelagert wird. Dies erfolgte auf unserem Weingut bisher auf chemischem Weg mit Weinsteinlöser (basische Reaktion), Wasser und Zitronensäure (zur Neutralisation des basischen Mittels). Unterm Jahr wird mit Warmwasser gereinigt.

Seit 2012 haben wir auf dem Dach unserer Kellerei eine Photovoltaik Anlage installiert, mit der wir auch Strom zum eigenen Verbrauch erzeugen. Dank dieser Investition läuft unsere Reinigung der Edelstahltanks auf einer anderen Schiene.

Photovoltaik-Anlage im Weingut Peters

An sonnigen Tagen mit hoher Stromproduktion steigen wir hinab in den Keller und "werfen" unseren Dampferzeuger mit einer Leistung von 12 KW an.

Der Dampfreiniger zum Säubern der Edelstahltanks

Das in dem Dämpfgerät befindliche Wasser wird erhitzt und der entstehende Dampf über die Zapflochklappe in den Tank geleitet. Alle größeren Öffnungen am Tank werden zur Vermeidung von Energieverlusten geschlossen. Damit kein Überdruck entstehen kann und das entstehende Kondenswasser abfließt, bleibt der Ablauf an der tiefsten Stelle des Tanks geöffnet. Genauso wie das Probeventil und die Standanzeige, damit der Dampf auch hier arbeiten kann.

Einschub des Dampfrohrs in den Tank

 

Der Dampf erhitzt den gesamten Tank (Metall leitet gut) und löst Weinstein und Schmutz in einer 30-minütigen Phase. Anschließend wird der Tank mit Wasser ausgespült und ggf. mit einer Bürste nachgereinigt. Wie gut sich der Weinstein löst, können sie an den gelben Partikeln am Boden erkennen. Zusätzlich werden durch die Hitze mikrobiologische Verunreinigungen beseitigt.

Das heiße Kondensat verwenden wir dann, um mit kleinen Bürsten Probeventile und Standanzeige zu reinigen. Um Verbrühungen zu vermeiden, ist das Tragen entsprechender Handschuhe sinnvoll.

Der angenehme Nebeneffekt ist die Arbeit im kühlen Keller bei heißen Außentemperaturen. Der Begriff "nachhaltig"  wäre in diesem Zusammenhang sicher angebracht. Wir vermeiden den bereits etwas abgenutzten Begriff und sprechen lieber von "sinnvollem Arbeiten"!

Text und Fotos: Johannes Peters, Weingut Peters/Saar

Weitere Artikel aus der Serie Arbeitsleben des Winzers finden Sie mit einem Klick auf die untenstehenden Titel:

26.5.2015 Putzig: Vogelnest im Pflanzrohr

23.2.2015: Klare Sache: So wird filtriert

23.4.2103: So pflanzt man heute Reben

19.9.2012: ESCA - Die große Gefahr für Deutschlands Reben

 

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