Aus dem Leben eines Winzers (11): Knospenschwellen

25.04.2016

Ganz Deutschland bibbert in diesen Tagen wegen des unerwarteten Kälteeinbruchs und in der vergangenen Nacht hat es in Eifel und Hunsrück heftig geschneit. Wir Winzer bibbern noch aus einem anderen Grund, denn für die kommenden Nächte sind leichte Minusgrade prognostiziert, die in den zart ausgetriebenen Weinbergen heftige Frostschäden verursachen können. Potenziert wird diese Gefahr durch die reichlichen Niederschläge, denn der nasse Boden verstärkt die Verdunstungskälte.

Viele von ihnen erinnern sich sicher noch an den April 2015, wo Temperaturen von 25 °C normal waren und die lange Trockenperiode eingeläutet wurde. In diesem Jahr läuft das Spiel anders ab. Je nach Rebsorte, Lage und Boden sind die Reben unterschiedlich entwickelt. Auf dem Bild links (zum Vergrößern anklicken) sehen sie geschützte Knospen, die noch nicht ausgetrieben sind. Hier kann der Frost wenig ausrichten.

Das nächste Stadium nennen wir das Knospenschwellen. Die sogenannten Augen haben ihre schützenden Schuppen durchbrochen und werden langsam dicker, sind aber noch von einer schützenden Wolle umgeben. Auch in diesem Stadium ist noch ein gewisser Frostschutz durch die Wolle vorhanden. Siehe Foto unten.

Knospenschwellen

Sind die Knospen soweit getrieben wie auf dem folgenden Bild, hat der Frost leichtes Spiel. Das zarte Grün hat die schützende Deckung verlassen und entfaltet die ersten Blätter. Schon leichter Frost lässt die zarten Triebe erfrieren, sie würden sich schwarz färben und absterben.

Blattaustrieb

 

Genau in diese Zeit passt auch einer ersten Schädlinge im Weinbau - der gemeine Rhombenspanner. Und dieser kann richtig gemein sein! Zum einen ist er sehr gefräßig und zum anderen kann er sich perfekt tarnen.

Der gemeine Rhombenspanner

 

Vielfrass: der gemeine Rhombensspanner

 

Der Rhombenspanner ist auf die gerade aufbrechenden Knospen fixiert und liebt als Gourmet das extrem zarte, junge Grün. Wie oben gut zu sehen, höhlt er das Innenleben der Knospe aus und läßt ein für uns "schwarzes Loch" zurück, denn hier entwickelt sich kein Trieb mehr und damit auch keine Traube. Wenn der Austrieb zügig voranschreitet, wächst dem gefräßigen kleinen Kerl das Essen "aus dem Maul" . Entfalten sich die ersten Blätter, ist die Fresssucht des Rhombenspanners ausgebremst. Sorgt die Witterung aber - so wie derzeit - nur für ein langsames Wachstum, findet der Frassfeind viel länger den optimalen Knabberspaß.

Perfekte Tarnung: Der gemeine Rhombenspanner

 

Wie perfekt der Rhombenspanner sich tarnt, wird auf obigem Bild sehr deutlich.

Wir hoffen, sie hatten wieder etwas Freude mit unserer kleinen Reportage!

Text und Fotos: Johannes Peters, Weingut Peters (Saar)

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Aus dem Leben eines Wizers (7): ...alle Jahre wieder staubt es

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