Ist 2018 ein großer Jahrgang?

21.09.2018

Landauf - landab hört, liest und sieht man immer wieder Lobpreisungen auf den Jahrgang 2018. Der lange, trockene Sommer hat tatsächlich vielen Winzern wenig Probleme bereitet. Nur die lang anhaltende Trockenheit verursachte hie und da Kopfzerbrechen. "Die früheste Lese aller Zeiten" kolportierten Nachrichtensendungen und Tageszeitungen, doch das galt nur für die frühen Sorten. Schon Ende August wurden Trauben für die Federweißer-Produktion gelesen, und manche frühe Sorten wie Müller-Thurgau oder Solaris sind schon im Keller. Doch die Sorten für die Spitzenweine kommen erst jetzt langsam an die Reihe. Auch wenn sich vielerorts die Trauben in einem prächtigen Gesundheitszustand präsentieren: Eine Pauschalisierung oder das Gerede von einem Jahrhundert-Jahrgang sind genauso wenig angebracht wie im Jahr 2003. Da muss man schon genauer hinsehen!

Das hat Johannes Peters vom Weingut Peters in Wiltingen an der Saar für uns getan, dessen Berichte "Aus dem Leben eines Winzers" uns schon seit Jahren erfreuen.

Wir stehen kurz vor der Ernte und seit einigen Wochen geistern wieder die Schlagzeilen von einem „großen Jahrgang“ in den Gazetten. Der wievielte große Jahrgang über die letzten 2 Dekaden vermag ich nicht mehr zu zählen.

Um ihnen die Eigenheiten des neuen Jahrgangs näher zu erläutern, greife ich mal wieder in die Tastatur. Der Jahrgang 2018 kommt von den äußeren Rahmenbedingungen dem 2003er sehr nahe: Früher Vegetationsbeginn, eine lange Trockenheit, fehlender Regen und eine frühe Lese sind die Kennzeichen dieser Jahre. Beide Jahrgänge sind gemacht für Rotweinsorten, die Hitze und Trockenheit wesentlich besser aushalten als Weißweine und höhere Alkoholgehalte vertragen. Bei den Weißweinen sind es wiederum die Burgunder, die Hitze besser ertragen als ein Riesling, der eher auf schiefrigem oder kargem Boden steht und in der Regel die sonnengetränkten Toplagen besetzt hat.

Egal welcher Couleur, alle Reben hatten in 2018 richtigen Stress. Ausnahmen sind Regionen mit ausreichend Regen oder Rebflächen, die bewässert werden konnten. Es gab auch punktuell einen seltenen, ergiebigen Gewitterregen in manchen Orten, der die Reben wiederbelebte, aber 5 Kilometer weiter nicht einen Tropfen Wasser spendete. Die folgenden Bilder sind oft nicht aus unseren Weinbergen. So können wir die Situation in unserer Region besser darstellen.

Trockenschäden in einer Junganlage

Selbst die hitzeerprobten roten Rebsorten in unserer Region gingen auf skelettreichen Böden in die Knie. Ein großer Teil der Laubwand wurde zum Eigenschutz der Rebe abgeworfen – weniger Blätter, weniger Wasserbedarf.

Trockenschäden in einer Junganlage

Hier ist sehr schön zu erkennen, wie Reben ihren Wasserhaushalt bei Dürre über den Saftentzug der Beeren regeln.

Trockenschäden in einer Junganlage

Besonders junge Reben hatten in der Hitze keine Chance. Ihre Wurzel reichen nicht tief genug, um Wasser zu erreichen und sie strecken frühzeitig die Segel. Es ist schön zu erkennen, wie leblos die Blätter an der Pflanze hängen und Verbrennungen an den Blatträndern sichtbar sind.

Traubenreduktion hilft dem Stock

Um den Reben für das kommende Jahr das Überleben zu sichern, wird der größte Teil der Trauben auf den Boden geschnitten. Dabei ist gut erkennbar wie klein die Beeren bei Trockenheit bleiben.

Die beidenfolgenden Bilder sind im gleichen Weinberg und der gleichen Zeile aufgenommen worden. Die beiden Stöcke stehen etwa 20 m voneinander entfernt. Der Grauburgunderstock im oberen Bild steht auf schiefrigem Boden, während der Stock im unteren Bold ein paar Meter hangabwärts bereits auf tiefgründigem Boden steht. Die Trauben oben sind deutlich kleiner, haben 10° Mostgewicht weniger und die Blätter sind gelb. Unten könnte der Stock aus dem Lehrbuch stammen – dunkles Blattgrün und ansehnliche Trauben.

Grauburgunder auf kargem Boden  Grauburgunder in Perfektion

Weiter geht es mit dem Riesling:

Riesling auf kargem Boden

In einigen Steillagen ist die Situation mehr als angespannt. Trotz älterer Rebstöcke steht der Weinberg im Foto oben auf felsigem Untergrund auf verlorenem Posten. Die Trauben haben in der Hitze gelitten und werden die sortentypische Aromatik eines Rieslings nicht mehr erreichen. Auf dem Bild unten sehen sie die Junganlage eines VDP Weingutes im berühmten Scharzhofberg. Aus solchen Trauben kann man keine großen Weine erwarten.

Riesling im Scharzhofberg

Wer es noch extremer mag, sieht unten eine Junganlage, die heftig unter der Dürre gelitten hat und klar ums Überleben kämpft. Ohne Wasser gibt es keine Photosynthese und ohne Photosynthese keine Zuckerproduktion. Bei Trockenstress kümmert sich die Rebe mehr ums eigene Überleben, denn um die Produktion des Luxusgutes Zucker.

Trockenstress in einer Junganlage

Auf dem folgenden Bild haben die alten Rieslingreben die Trockenheit gut überstanden. Die Bandbreite der Dürreauswirkung ist enorm.
Die jungen nachgepflanzten Reben in unseren Weinbergen werden von der Lese ausgeschlossen, da die dürregeplagten Trauben phenolisch belastet sind und geschmacklich nicht unseren Qualitätsvorstellungen entsprechen.

Gesunde, unbeschädigte Rieslingtrauben

Die beiden letzten Bilder zeigen unseren Weissburgunder, der einer Nebenlage steht, dafür aber auf tiefgründigem Boden. Das Laub ist zwar hellgrün, aber nicht verbrannt und die Trauben zwar kleinbeerig, aber goldgelb und kerngesund. Hier kann Gutes entstehen…

Weißburgunderanlage - kerngesund

Perfekt reife und gesunde Trauben


Heute Morgen hat sich ein befreundeter Winzer aus Baden gemeldet – er erntet gerade Chardonnay und Grauburgunder mit über 100° Oechsle – das entspricht etwa 14% Vol Alkohol. Hier hat der tiefgründige Lößboden mit ausreichend Regen den Trauben ein super Mostgewicht beschert. Begeistert klang der Kollege trotzdem nicht, da er weiß, dass beim Weinkonsumenten eher Weißweine mit moderatem Alkoholgehalt angesagt sind.

Ein großer Jahrgang zeichnet sich nicht dadurch aus, dass wieder ein Hitze- oder Mostgewichtsrekord gebrochen wurde. Große Weine brauchen eine lange Reifezeit mit warmen Tagen und kühlen Nächten, damit sich die typische Sortenaromatik ausprägen kann. Die Reben müssen ohne Stress wachsen können, mit ausreichend Feuchtigkeit im Boden und genügend Sonne am Himmel. Eben ausgewogen!

Der Traubenbehang in diesem Jahr ist gut und so werden wir problemlos die Ausfälle bei den jungen Reben verkraften. Dieses Jahr gibt es von allem etwas und wir werden das tun, was wir immer tun – das Beste aus dem Jahrgang machen!

Mit besten Grüßen von der Saar

Johannes Peters

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