Die Weißweine von Cortes de Cima sind genauso gut wie die Roten

28.12.2018

Das Alentejo ist eine sehr warme Region im südlichen Portugal, aus der erstklassige Rotweine kommen. Hans Jorgensen hat dort Großartiges geleistet, mit seinen Roten hat er Maßstäbe gesetzt! Aber die Weißweine aus dem Alentejo wirken oft schwer und breit, der Alkohol dominiert und es fehlt oft an Säure und damit an Frische. Das war zu Anfang auch bei Cortes de Cima so. Immer wieder stellte Hans mir Weißweine aus autochthonen Rebsorten wie etwa Antão Vaz vor, doch gefallen wollte mir keiner. Wir redeten oft und viel über mögliche Lösungen. Und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Hans kaufte vor mehr als zehn Jahren unweit der Atlantikküste Land, und pflanzte weiße Rebsorten an. Es dauerte ein paar Jahre, aber jetzt sind seine Weißweine den Roten ebenbürtig!

Der Grundgedanke war ganz einfach: Wenn es im Alentejo zu warm ist, muss man dorthin, wo es kühler ist. Von Vidigueira, dem Örtchen, in dessen Nähe sich das Weingut Cortes de Cima befindet, sind es rund zwei Stunden Fahrzeit zur Atlantikküste. Da Hans leidenschaftlicher Privatpilot ist, flog er bei gutem Wetter mit seiner Cessna häufiger zur Küste. Er suchte aus der Luft nach geeignetem Rebland, und fand es wenige Kilometer südlich des Städtchens Vila Nova de Milfontes.

Das Dörfchen Vila Nova de Milfontes am Atlantik

Das Dörfchen Vila Nova de Milfontes am Atlantik

Dort trafen wir vor wenigen Wochen Hans Jorgensen und seine Frau Carrie, um uns vor Ort einen Eindruck zu verschaffen, wie und warum die Weißweine von Cortes de Cima so unglaublich gut geworden sind. Denn bei seinem letzten Besuch in Deutschland haben uns die beiden die neuesten Jahrgänge ihrer Weißweine vorgestellt. Und wir waren begeistert! Also, nix wie hin und nachschauen.

Hans hat wahrlich Pionierarbeit geleistet, denn nie zuvor kam jemand in Portugal auf die Idee, an der rauen und wilden Atlantikküste südlich von Lissabon – dort, wo die Surfer ihre Weltmeisterschaften veranstalten und auf Rekordjagd gehen – Reben zu pflanzen. Die Böden sind von kalkhaltigen Steinen durchsetzt und haben eine gute Drainage. Das ist wichtig, weil es hier häufiger Niederschläge gibt als im trockenen Alentejo, und Reben mögen keine nassen Füße! Im Sommer ist es auch hier, 2 Kilometer von der Küste entfernt, recht warm aber im Durchschnitt rund 10° kühler als im Landesinneren.

Hans Jorgensen von Cortes de Cima

Hans Jorgensen erklärt uns die Herausforderungen des Weinbaus am Atlantik

Hans pflanzte hauptsächlich Alvarinho, Verdelho, Chardonnay und Sauvignon Blanc an. Aber als Visionär mit Blick auf die globale Erwärmung pflanzte er auch Pinot Noir, Merlot, Arragonez (wie hier die spanische Sorte Tempranillo genannt wird), Syrah, Alicante Bouschet und Mencia. Vielleicht wird es schon bald leichtere Rotweine aus diesen Sorten geben.

Als Reberziehung hat er das Smart-Dyson-Sytem gewählt, denn mit der doppelten Laubwand verstärkt er die Photosynthese-Leistung, damit die Trauben im kühlen Atlantik-Klima reif werden.

Doppelte Laubwand - Reberziehung nach Smart-Dyson

Die Laubwand wächst im Smart-Dyson-System nicht nur nach oben, sondern auch nach unten. Das verstärkt die Photosynthese-Leistung und Trauben werden trotz des kühlen Klimas reif!

Fünf Jahre nach den ersten Anpflanzungen war Hans mit den ersten Weinen schon so zufrieden, dass er sie in Flaschen füllte uns auf dem portugiesischen Markt anbot. Leichte, frische unkomplizierte Weine, denen es meiner Meinung nach aber an Stoffigkeit, Körper und besonders Mineralität fehlte. Doch Jahr für Jahr wurden sie besser. Und zwar so gut, dass die nationale und dann auch die internationale Presse aufmerksam wurde und Reporter schickte. Erst vor wenigen Wochen widmete die „Weinwelt“ diesen Entwicklungen einen Artikel, denn inzwischen sind andere Winzer Hans auf dem Weg an den Atlantik gefolgt.

Intelligente Winzer haben nicht nur ein Gespür für Reben und Böden, sondern auch für Märkte und deren Bedürfnisse. Hans erkannte schnell, dass seine Weißweine vom Atlantik alleine noch nicht am Markt dauerhaft bestehen können, denn die Reben sind noch jung, wurzeln noch nicht tief. Sie zeigen zwar viel Frucht und frische Säure, aber wenig Tiefe und Mineralität.

Also kreierte er eine Cuvée aus den Sorten Verdelho (60%) und 10% Alvarinho, die vom Atlantik kamen, mit 30% Viognier aus dem warmen Klima des zentralen Alentejo. Die Viognier baut er zudem komplett in Barriques aus französischer Eiche aus, so dass er eine wunderbare Harmonie zwischen Frucht und Säure, Fülle und Struktur hinbekommt. Weil der Wein aus zwei völlig verschiedenen Regionen kam, wie sie unterschiedlicher kaum sein können, nannte er den Wein „DOIS TERROIRS“, also 2 Terroirs. Der Wein ist ein vergnüglicher, erfrischender und saftiger Wein mit nur 12,5% Alkohol, der einen wunderbaren Fluss am Gaumen hat. Ein herrlich gastronomischer Wein, ein perfekter Essensbegleiter, mit einer zarten, leicht salzig-mineralischen Komponente. Er hat uns so gut gefallen, dass wir ihn gleich zu unserem Wein des Monats gewählt haben.

Aber Hans wäre nicht er selbst, wenn er sich damit zufriedengegeben hätte. Immer auf der Suche nach Größe, nach dem Optimum, nach Klasse und Stärke, wollte er auch einen ernsthaften Weißwein machen. Als Liebhaber großer weißer Burgunder hat er sogar seine Tochter Anna ins Burgund und nach Kalifornien zu Praktika geschickt. Bei seinen Besuchen hat er wohl gut aufgepasst und zugehört, um seine Idealvorstellung eines hervorragenden Weißweins aus Portugal zu verwirklichen.

Mit dem CORTES DE CIMA BRANCO ist ihm dies gelungen! Ebenfalls als Cuvée aus den beiden Herkünften hat er diesmal Alvarinho (50%) und Sauvignon Blanc (27%) vom Atlantik mit 23% Viognier aus dem Inland kombiniert. 40% der Gesamtmenge (überwiegend Viognier und Sauvignon Blanc) wurden im Barrique vergoren und über 6 Monate ausgebaut. Das Ergebnis ist so gut, dass die internationalen Kritiker ins Schwärmen geraten:

“(…)definite ocean breeze wafts through this wine. Very refreshing” - Jancis Robinson, jancisrobinson.com, July 2018

“This sleek, medium-bodied white offers glazed peach and mango sorbet flavors, with focused honeysuckle and mineral undertones. Baking spice and herb notes echo on the finish.” - GS, Wine Spectator, Jul 2018

“This is a white that has a little of everything — hard to resist — don't hesitate to dive in now “ – Mark Squires, The Wine Advocate, Dec 2017 – Robert Parker 

“Lovely fragrance, excellent harmony, mineral/saline quality” – Julia Harding, jancisrobinson.com

Im Video zum Wein des Monats Januar 2019 erklärt uns Hans en detail seine Vision:

Video Wein des Monats Januar: Dois Terroirs Branco

Das Konzept für den VIF-Videoblog wurde zusammen mit dem Werbefilmstudio framekit entwickelt (www.framekit.de). Das junge Unternehmen ist Spezialist für Image-, Produkt- und Unternehmensfilme. Die von mir, Frank Roeder MW, selbst aufgezeichneten Videos werden von framekit geschnitten und zum fertigen Film bearbeitet. Sie können sich alle Videos aus unserem Video-Blog hier anschauen

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Text und Fotos: Frank Roeder MW

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