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Pinot Noir 2012 Central Otago - NeuseelandElephant Hill

Pinot Noir 2012
Central Otago - Neuseeland
Elephant Hill

0,75 L

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Burgunder-Battle: Eine Standort-Bestimmung mit Augenzwinkern

11.11.2016

Wer hat sie denn nun, die besten Burgunder der Welt? Sind nach wie vor die Pinot Noirs von der Côte d’Or, der ursprünglichen Heimat der Traube, das Maß aller Dinge? Oder hat die Qualitätsrevolution im deutschen Weinbau die deutschen Spätburgunder an die Spitze heran geführt, womöglich darüber hinaus? Über nichts lässt sich bekanntlich trefflicher streiten, als über Geschmack. Und so hat diese Diskussion schon manch schönen Weinabend wie ein roter Faden durchzogen.

8 Weinspürnasen wollten es nun genauer wissen und haben 12 Pinot Noirs respektive Spätburgunder an einem gemütlichen Abend in Düsseldorf etwas genauer unter die Lupe bzw. auf die Zunge genommen. Immer zwei Weine, einer aus Frankreich und einer aus Deutschland, traten gegeneinander an. Ach ja! Ein Pirat aus Übersee hatte sich auch noch eingeschlichen, aber das wurde den Teilnehmern vorher nicht gesagt. Damit die Vorurteile außen vor bleiben, wurde blind verkostet, d.h. die Teilnehmer wussten nicht, welche Weine sie jeweils im Glas hatten. Um es halbwegs fair zu machen, wurde versucht, ungefähr gleich alte und gleich teure Weine gegeneinander zu verkosten, ohne dies jedoch zu ernst zu nehmen.

12 Spätburgunder treffen im Länderduell aufeinander

Zwei Fragen galt es zu klären: Zum einen, ob sich im Paarvergleich eindeutig feststellen lässt, welches der französische und welches der deutsche Wein ist. Zum anderen natürlich, welcher Wein jeweils besser schmeckt. Ja, ganz subjektiv!

Hier die Paarungen im Überblick:

1. 2010 Château de Corton, Beaune 1er Cru „Les Cents Vignes“
2. 2011 Gerhard Gutzler VDP, Spätburgunder Morstein Großes Gewächs

3. 2010 Michael Gnägy, ng.3 Spätburgunder Barrique
4. 2009 Domaine Cornu-Camus, Pernand-Vergelesse

5. 2010 Château de Marsannay, Pommard 1er Cru
6. 2011 Bernhard Huber VDP, Spätburgunder „R“ Schlossberg Großes Gewächs

7. 2012 Joseph Drouhin, Santenay
8. 2012 Elephant Hill, Pinot Noir Central Otago | Neuseeland

9. 2007 Jean Stodden VDP, Spätburgunder Recher Herrenberg
10.  2007 Domaine Jacques Prieur, Beaune 1er Cru „Champs Pimont”

11. 2010 Jean-Michel Guillon, Chambolle-Musigny
12. 2013 Uli Metzger, Spätburgunder “Athos”

Pinot Noir mit deutschem oder französischem Personalausweis?

Konnten die Weine in der Blindverkostung nun jeweils dem richtigen Land zugeordnet werden? Um es kurz zu machen: eindeutiger, als ich dies erwartet hatte! Bei der ersten und der letzten Paarung lagen alle 8 Verkoster richtig, bei der zweiten, dritten und fünften Paarung lag jeweils nur 1 Teilnehmer daneben. Interessanterweise wurde der Huber-Spätburgunder aus der dritten Paarung mit seiner Opulenz von diesem Verkoster für einen Oregon Pinot Noir gehalten.

Am schwierigsten taten sich die ambitionierten Weinforscher mit der vierten Paarung, in der ein Santenay von Joseph Drouhin dem Piraten aus Neuseeland, Pinot Noir Central Otago von Elephant Hill, gegenüberstand. Aber ein Pirat soll ja auch für Verwirrung sorgen und zu sensorischen Höchstleistungen anspornen! 5 Verkoster ordneten den Santenay Deutschland zu, nur 3 korrekterweise Frankreich. Aber – und das zeigt die Qualität der 8 teilnehmenden Weinspürnasen – es erkannten 3 Teilnehmer den Elephant Hill korrekt als Überseewein, 4 stimmten für Frankreich, einer für Deutschland. Der Elephant Hill Pinot Noir war unglaublich kraftvoll, dunkel, komplex, mit Tiefgang und zeigte einen sehr intensiven Duft nach dunklen Beeren durchwoben mit einer leichten Eukalyptusnote, die wahrscheinlich maßgeblich zur Enttarnung dieses Piraten beitrug.

Alle 12 Weine im Detail zu beschreiben würde jetzt zu weit führen. Bewusst vereinfachend gesagt, zeigten sich die Franzosen oft etwas individueller, durchaus mit Ecken und Kanten, zum Teil mit sehr dunklen Aromen von Rauch, Speck, Leder, Teer, auch leichten Stall-Noten, deutlichem Holzeinfluß. Die Deutschen überzeugten eher mit einer harmonischen Frucht, Eleganz, etwas subtiler, aber trotzdem in der Regel mit schöner Struktur, oft auch mineralischer und einer kühleren Stilistik.

Und wer hat jetzt gewonnen?

Die gute Nachricht zuerst: Es wurde nichts ausgespuckt! Hier standen sich 12 ganz hervorragende Vertreter gegenüber und oft lagen in der Qualitätsbeurteilung nur Nuancen zwischen beiden Weinen. Gutzler schlägt Corton mit 6:2 Stimmen, Gnägy schlägt Cornu-Camus etwas knapper mit 4:3, Huber und Marsannay trennen sich unentschieden 4:4, Elephant Hill überrascht mit 4:2 gegen Drouhin. Bei den letzten beiden Flights konnten oder wollten sich die Tester gar nicht entscheiden, so gut fanden sie alle 4 Weine. Nur die Androhung bei künftigen Verkostungen ausgeschlossen zu werden, führte zu folgenden Entscheidungen: Prieur schlägt Stodden 5:3 und Guillon setzt sich gegen Metzger durch, allerdings nur aufgrund der drei Jahre längeren Flaschenreife. Einhellige Meinung der Teilnehmer war, dass der „Athos“ die nächsten Jahre weiter zulegen wird.

Fazit: Deutschland hat bei Pinot Noir eine unglaubliche Entwicklung hinter sich und seine Top-Winzer sind auf Augenhöhe mit den Kollegen aus Frankreich. Frankreich ist jedoch offenbar nicht bereit, die alte Führungsposition kampflos zu räumen und versucht immer noch eine Schippe drauf zu legen. Wir dürfen uns in den nächsten Jahren sicher auf viele neue spannende Weine aus beiden Ländern freuen.

Wie immer in der Genusswelt gilt auch hier: Wenn Du die Wahl hast, trink beide!

PS: Die meisten der verkosteten Weine stammen übrigens von aktuellen oder ehemaligen VIF-Winzern, wobei einige Flaschen noch eine Zeit lang im Keller reifen durften. Einige der anderen Weine stammen von der VIF-Raritätenliste, die Sie ebenfalls über unsere Internetseite aufrufen können. Lediglich der Spätburgunder von Deutschlands Winzer-Legende Bernhard Huber wurde extern organisiert.

Text und Foto: Christopher Sistermanns, VIF Düsseldorf

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