Blanc de Noirs: Weißer Wein aus roten Beeren

11.07.2015

Sie sind beliebt, sie sind en vogue, und sie können richtig gut schmecken! Die weißen Weine aus roten Trauben - Blanc de Noirs - müssen zu 100% aus roten Trauben erzeugt sein. Doch gibt es auch zahlreiche schlechte Weine aus diesem Verfahren. Hier erklären wir Ihnen, worauf es bei der Erzeugung schmackhafter Weine ankommt.

Wie gewinnt man weißen Saft aus roten Trauben? Die Farbstoffe sind in der Haut der roten Beeren eingelagert. Schneiden Sie mal eine rote Beere auf, dann sehen Sie das weiße Fruchtfleisch (siehe Foto). Nach geraumer Zeit können Sie erkennen, wie sich von der hauchdünnen Haut kleine Rinnsale roter Fäden enstprechend dem Gefälle über das weiße Fruchtfleisch ziehen und dieses färben. Verantwortlich hierfür ist der Zucker in dem Fruchtfleisch. (Bei Rotweinen beschleunigt der Alkohol während der Gärung die Extraktion der Farbstoffe).

Will der Winzer aus seinen roten Trauben ungefärbten Saft erhalten, darf er die Beeren nicht aufbrechen und lange als Maische stehen lassen, sondern muss den Saft möglichst schnell abpressen, bevor die Farbe sich ändert. Das kann unter Anderem durch flache Pressen gelingen, so dass der Saft schnell abfließt. Hat man den hellen Saft von den Beerenhäuten und dem Fruchtfleisch getrennt erfolgt die weitere Verarbeitung analog zu einem Weißwein. Kühle Gärung, meist ihm Edelstahl, um die Fruchtnoten zu bewahren ist das gängigste Verfahren.

Aber ACHTUNG! Leider gibt es einige Erzeuger (häufig Großbetriebe), die ihre schlechten (oft faulen) roten Beeren noch zu retten versuchen, um daraus einen wenigstens einigermaßen trinkbaren Wein zu keltern. Der wird dann oft mit Aktivkohle versetzt und dann filtriert, so dass der Großteil der Fäulnisaromen und auch der Farbe entfernt werden. So entstehen dann äußerst dürftige Weine ohne attraktive Frucht und Spiel.

Viele Blancs de Noirs zeigen in der Farbe ein zartes Rosa: Das kann von einer zarten Nuance reichen, die man nur erkennen kann, wenn man den Wein gegen einen weißen Hintergrund hält, bis hin zu einem deutlichen Lachsrosa. Die Farbe gibt aber keinen Hinweis auf die Qualität, sondern lediglich darauf, wie schnell der Saft von den Häuten getrennt wurde.

Die wirklich guten Blancs de Noirs zeigen sortentypische Fruchtaromen und sind von großer Saftigkeit gekennzeichnet. Stammen die Trauben dann auch noch aus guten Lagen und bleiben die Erträge in einem vernünftigen Rahmen, machen die Weine so richtig Spaß und bieten große Trinkfreude.

Hier ein paar exzellente Beispiele für diese Kategorie:

Der Spätburgunder Blanc de Noir von Gerhard Gutzler zählt schon seit Jahren zu den besten Exemplaren. VINUM hat ihn schon vor Jahren zum besten Sommerwein des Jahres gekürt, und regelmäßig heimst er beste Bewertungen ein. Ein sehr verspielter, nuancenreicher und komplexer Wein, der ein hervorragender Essensbegleiter ist aber auch solo das schiere Trinkvergnügen bereitet.

Der Blanc de Noir von Bassermann-Jordan erfreut sich größter Beliebtheit bei unseren Kunden. Er ist aus den Sorten Spätburgunder, Merlot und Cabernet erzeugt, die getrennt gekeltert und anschließend vermählt werden. So trägt jede einzelne Rebsorte zu einer Komposition bei, die einzigartig ist.

Auch der Blanc de Noirs von Dr. Siemens ist ein reinsortiger Pinot Noir oder Spätburgunder, der dank seines Schiefer-geprägten Terroirs noch eine schöne Mineralität mitbringt, die ihm eine ganz besonders pikante Note verleihen.

Aus den besten Lagen des Rheingau stammt der Spätburgunder Blanc de Noir von Carl Ehrhard. Saftig und ungemein süffig ist er ein Wein, der solo auf der Terrasse getrunken unglaublich animierend wirkt und Freude bereitet.

Eine Klasse für sich ist der Blanc de Noir EXKLUSIV von Tina Pfaffmann aus der Pfalz. Ebenfalls aus Spätburgunder (man sieht schon, dass sich Pinot Noir dank der dünnen Beerenhaut am besten für diese Weine eignet) glänzt er mit feinen exotischen Aromen und präsentiert sich als sehr stimmigen Wein.

Text: Frank Roeder MW

Foto: CC BY-SA 3.0

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