The Master's choice: Frank Roeder empfiehlt Weine zum Festessen

30.11.2018

Was essen Sie dieses Jahr an Weihnachten? Hirschrücken, Truthahn, Karpfen, Rinderfilet, oder einfach Würstchen mit Kartoffelsalat? Die Traditionen und Gewohnheiten sind sicher höchst unterschiedlich von Nord nach Süd, von West nach Ost, doch in den meisten Haushalten soll es ein Festessen sein. Da darf der passende Wein nicht fehlen, und dem besonderen Anlass entsprechend sollte auch der Wein etwas Besonderes sein. Was auch immer sie an Essen planen, hier sind ein paar ungewöhnliche bis außergewöhnliche Weinbegleiter, geordnet nach den jeweiligen Gerichten. Empfehlungen von Master of Wine Frank Roeder.

Aperitif:
Es muss nicht immer Champagner sein, aber als großer Liebhaber des edelsten aller Prickler führt für mich kaum ein Weg an Champagner vorbei. Mein klarer Favorit ist der 2008 Millésime Assemblage von Bruno Paillard, einer der besten Jahrgangs-Champagner dieses grandiosen Jahrgangs, und der am höchsten bewertete in der Preiskategorie unter 100 €. Fast genauso gut, aber wesentlich mineralischer und trockener der Blanc de Blancs Grand Cru Extra Brut von Paillard, ein betörendes Gewächs höchster Güte, das im ersten Ansatz vielleicht etwas schlank wirkt, aber dann ungemein komplex und vielschichtig bei gleichzeitig höchstmöglicher Eleganz. Nicht zu vergessen der 2009 Brut Nature von Roederer, der in einer attraktiven Geschenkbox von Philippe Starck daher kommt. Ein wahnsinnig puristischer Champagner, der nichts für ungeübte Gaumen ist, aber die Kenner entzücken wird!

Eine echte Alternative zum Champagner kommt aus Luxemburg. Die Domaine Alice Hartmann erzeugt für mich den besten Crémant überhaupt. Dieser stellt sogar arrivierte Champagner in den Schatten, kostete aber deutlich weniger. Der Crémant Blanc Brut ist ein im Holzfass vergorener und ausgebauter Chardonnay, mit buttrig-cremiger Fülle und einem betörenden Schmelz, der es schafft, die schwierige Balance zwischen Kraft und Fülle einerseits und Feinheit und Finesse andererseits zu finden.

Fisch/Meeresfrüchte/Krustentiere
Zu diesen Gerichten könnte man unendlich viele passende Weine empfehlen, doch ich will mich auf ein paar Favoriten beschränken. Meine Lieblings-Rebsorte ist und bleibt Riesling. Wenn man guten Rieslingen die nötige Flaschenreife gibt, sind sie kaum zu toppen: Der sehr trockene Riesling Unplugged von Tesch (Nahe) zeigt als Jahrgang 2015 nun erstmals seine volle Größe, Schönheit und Erhabenheit. In der Normalflasche jetzt auf dem Punkt (mit weiterem Reifepotenzial), aus der eleganten Magnumflasche hilft ihm sogar ein Umgießen in die Karaffe. Exzellente Alternativen sind gereifte Große Gewächse wie etwa der 2011 Riesling GG Jesuitengarten von Bassermann-Jordan oder aus dem gleichen Jahrgang der Riesling GG Hohenmorgen vom gleichen Erzeuger. Beide jetzt auf dem Höhepunkt, aber ganz sicher auch noch mit weiterem Reifepotenzial.

Helles Fleisch (helles Geflügel, Kalb), Hummer
Jetzt darf der Weißwein etwas kräftiger sein, mit Schmelz und Fülle. Da fallen mir sofort Chardonnays aus dem Burgund ein, wie etwa Pouilly-Fuissé oder Meursault von einem der besten Erzeuger - Joseph Drouhin - die mit die feingliedrigsten Weine des Burgund erschaffen. Wer es etwas würziger, aber nicht weniger elegant mag, sollte nach den Weißweinen der südlichen Rhône schauen. Der weiße Coudoulet de Beaucastel passt auch zu Rindertartar, sein großer Bruder, der weiße Châteauneuf-du-Pape nimmt es gar mit Morschelrahm (z.B. zum Kalb) oder mit einer intensiven Hummer-Soße auf. Ein ganz besonderer Wein ist der Mas de Daumas Gassac Blanc, der für mich zu den 10 besten Weißweinen der Welt zählt. Der 2016er ist vielleicht noch etwas jung, weshalb auch er vom Dekantieren profitiert. Ein Mega-Wein ist der LR Riserva von Colterenzio (Südtirol), der zudem in spektakulärer Aufmachung erscheint. So großartig, dass auch ich ihn zur Wachtelbrust auswählen werde. Mehr Details zu dieser Rarität können Sie auch im Video erfahren

Geflügel (Ente, Poularde, Truthahn)
Mit dem Spätburgunder oder Pinot Noir verhält es sich ähnlich wie mit dem Riesling: Meist werden sie zu früh oder zu spät getrunken. Gute Pinots brauchen ein paar Jahre Flaschenreife, aber man darf es damit nicht übertreiben, sieht man von exzellenten Spitzenweinen ab. Hier ein paar Empfehlungen, die jetzt auf dem Punkt sind und viel Wein fürs Geld bieten und bestens zu etwa kräftigerem Geflügel-Fleisch als Hähnchenbrust passen: Super charmant und fast schon unverschämt günstig der 2013 Spätburgunder Sonnenberg von Nauerth-Gnägy aus der Pfalz. Ein echter Geheim-Tipp der Spätburgunder GG Morstein von Michael Gutzler aus Rheinhessen. Egal ob als 2011 (dem ich ein wenig den Vorzug geben würde) oder der 2013, der vom Karaffieren profitieren wird, sind beide unterschätzte Underdogs. Wesentlich bekannter der 2012 Spätburgunder GG Burgweg von Knipser, der auch als 2013er schon eine gute Figur macht. Und wer einmal andere Wege einschlagen möchte, wird sich sicher beim Pinot Noir Carneros von Schug aus Sonoma (Kalifornien) gut aufgehoben fühlen.

Dunkles Fleisch (Rind, Lamm)
Ob kurz gebraten oder lange geschmort, gegrillt oder sous vide gegart: Rotes Fleisch schreit nach kraftvollen Rotweinen. Davon gibt es reichlich, weshalb ich hier nur drei Kategorien vorstellen will. Dafür sind die Weine trinkreif, eine Klasse für sich und auch nicht alltäglich. Also passend zum besonderen Anlass oder enem ambitionierten Gericht. Der Klassiker ist Bordeaux: Je kürzer gebraten, umso jünger kann der Wein sein. Viel Wein bietet der Château Charmail, ob als 2008 aus der Normalflasche oder 2007 aus der Magnum: Beide sind jetzt wunderschön und köstlich, mit schönem Trinkfluss und ohne störende Ecken. Genial natürlich auch unser Wein des Monats, der Grand Enclos Rouge, und wenn es etwas mehr kosten darf, dann bieten Langoa-Barton oder Léoville-Barton 2011 hohe Genusskultur. Zwei Cabernet-Sauvignon betonte Weine mit ähnlicher Struktur wären einmal der Mas de Daumas Gassac rouge, eine Stil-Ikone aus dem Languedoc, den wir auch in größeren Flaschen-Formaten anbieten. Oder der genial verrückte 2009 Cabernet Sauvignon Ancienne Methode von Springfield Estate aus Südafrika.

Wild (Hirsch, Reh, Wildschwein)
Wild aus heimischen Wäldern steht bei uns auf dem Speiseplan, wahrscheinlich wird der Rehrücken das Rennen machen. Das entscheiden die Kinder, dafür wähle ich den Wein. Es wird auf jeden Fall einer der südlichen Rhône sein, aber die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Der Gigondas vom biodynamisch wirtschaftenden Weingut Montirius steht ziemlich weit oben auf der Favoritenliste, aber vielleicht macht es auch ein Châteauneuf-du-Pape von Nalys (den 2015er gibt es auch in halben Flaschen) oder gar von Beaucastel, den ich auf jeden Fall karaffieren werde! Eine betörende Alternative ist auch ein Wein aus Italien: Der 2011er Kubbadí von Mucci macht nicht nur optisch ein glänzende Figur! Werr es mächtig und mollig mag, wird mit dem 2011er Reserve Shiraz von Geoff Merrill aus Australien hoch zufrieden sein. Zu Wild passen natürlich auch super gereifte Weine, eine Übersicht unserer Raritäten finden Sie hier.

Dessert
Hier muss man stark differenzieren: Zu schokoladigen Dessert passt hervorragend Portwein, am besten ein Ruby, LBV oder gerne auch der Black Port von Noval. Genauso gut passt aber auch ein Maury aus dem Roussillon. Wer sich für ein fruchtig geprägtes Dessert entscheidet kann mit restsüßem Riesling Akzente setzen, beispielsweise dem Herrenberg Kabinett von der Saar.

Oder lassen Sie mich mal quer denken: Wie wäre es einen Wein anstelle eines Desserts zu wählen? Ein großartiger Sauternes zum Beispiel: Vom 99er Château d'Yquem braucht es nur ein paar Tropfen am Gaumen, um sich endlos lang daran zu erfreuen. Fast genauso gut, aber deutlich preiswerter als die Ikone Yquem ist der Summum von La Bertrande aus Cadillac. Ähnlich entzückend, wenn auch nicht ganz so konzentriert ist der Gand Enclos Liquoreux.

Wie auch immer Sie sich entscheiden, wünsche ich Ihnen auf diesem Weg ein besinnliches und genussvolles Weihnachtsfest, mit festlichem Essen und den passenden Weinen.

Frank Roeder MW

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