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Riesling 2017 ScharzhofEgon Müller, Wiltingen - Saar

Riesling 2017
Scharzhof
Egon Müller, Wiltingen - Saar

0,75 L

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Extrem gut - extrem rar: Die 2017er Weine von Egon Müller

15.09.2018

Jedes Jahr stellt die Jahrgangsverkostung auf dem Scharzhof bei Egon Müller ein Highlight in meinem Kalender dar. So auch dieses Jahr, als wir die gesamte Palette seiner 2017er Weine probierten. Ich darf das Ergebnis vorwegnehmen: Egon Müller ist eine Serie von grandiosen Weinen gelungen, die ihresgleichen sucht. Wieder einmal hat er mit penibler Selektion seine Rolle als Primus inter Pares nicht nur bestätigt, sondern ist seiner Ausnahmestellung als Leitfigur gerecht geworden und hat den Abstand zu anderen Spitzenwinzern der Region eher noch vergrößert!

Das trifft leider auch für die Preisentwicklung zu, die ohnehin seit vielen Jahren nur eine Richtung kennt. Das Spiel der Kräfte des Marktes untermauert diese Entwicklung, denn das Angebot ist klein wie nie und die Nachfrage ungebrochen groß. Das dürfte bei der nun am 21. September anstehenden Versteigerung der Prädikatsweine in Trier erneut zu Versteigerungsrekorden führen.

Die Frühjahrsfröste Ende April 2017 hatten auch den Scharzhofberg - die wohl beste Riesling-Lage Deutschlands - getroffen. Keine Parzelle blieb verschont. Doch am besten lesen Sie hierzu den Jahrgansbericht von Egon Müller persönlich:

Der Winter 2016-2017 begann früh und war kalt. Schon am 30. November konnten wir bei – 9,5° C Eiswein lesen und es blieb bis Ende Januar kalt. Die zum Jahresende 2016 vorherrschende Trockenheit setzte sich fort. Im Februar wurde es wärmer und der März war sehr warm und sonnig. Auch Anfang April blieb es frühlingshaft und die Weinberge zeigten schon bald erstes Grün. Zwischen dem 18. Und dem 28. April gab es wiederholt Frost bis zu -5° C. Die Schäden waren beträchtlich, besonders unten im Scharzhofberg aber da es unterschiedliche Fröste waren, blieb kein Weinberg ganz verschont. Der April war mit nur 4,6 mm Niederschlag extrem trocken und wegen der Trockenheit hielten sich die Verluste in Grenzen, im Durchschnitt waren es wohl nicht mehr als 30%.

Im Mai wurde es heiß. Es blieb trocken, aber die Weinberge entwickelten sich gut. Erste blühende Reben konnte man schon Ende Mai finden und Mitte Juni war die Blüte überall beendet. Wegen der Trockenheit begannen wir erst im Juni mit dem Pflanzenschutz, nur mit ökologischen Präparaten. Trotz der anhaltenden Trockenheit entwickelten sich die Trauben gut und die Beeren wurden recht groß. Ein Teil der Frostschäden wurde dadurch ausgeglichen.

Im Juli drehte sich dann der Trend. Es blieb zwar warm, aber es regnete überdurchschnittlich viel. Auf den ausgedörrten Böden verpufften die Niederschläge aber weitgehend. Ende Juli gingen die ersten Trauben in den Wein und nach der 5. Behandlung (28.-30. Juli) stellten wir den Pflanzenschutz ein. Es blieb zwar warm aber auch überdurchschnittlich naß. Trotzdem waren die Weinberge erstaunlich gesund und erst spät im  August gab es erste faule Beeren. Im September wurde es kalt und obwohl es weiter regnete, verlangsamte sich die Ausbreitung der Botrytis erheblich, aber es war klar, daß es eine frühe Ernte geben würde. Mitte September wurde es trocken und am 25. September begannen wir mit der Traubenlese.

Während der ersten Erntewoche war das Wetter schön, morgens war es neblig, gegen Mittag lichtete sich der Nebel und es war sonnig. Wir ernteten edelfaule Trauben und lasen aus diesen die Rosinen für Beeren- oder Trockenbeerenauslese aus. Die Mostgewichte waren hoch und ebenso die Säurewerte.  Am 30. September begann es zu regnen. Nachts fielen 18 mm Niederschlag. Bis hierher war der langfristige Wetterbericht recht günstig gewesen: Kräftiger Regen für das Wochenende war zwar vorhergesagt, danach aber sollte es 2 Wochen lang trocken bleiben. Jetzt aber änderte sich der Ausblick erheblich, sodaß wir von Schauerwetter ausgingen. Wir lasen weiter die edelfaulen Trauben aus, obwohl das die Ernte sehr verlangsamt und zu unserem Glück gab es nur kleinere Schauer und zum nächsten Wochenende hin wurde die Wetterprognose auch wieder besser. Nach ein paar Tagen mit strahlendem Sonnenschein beendeten wir die Lese am 14. Oktober.

Für uns ist es die früheste Ernte aller Zeiten. Der Lesebeginn lag 4 Tage früher als 2003 und das Ende 2 Tage früher als 2014. Zum großen Teil liegt das natürlich am heißen Frühjahr und Sommer, die eine frühe Reife begünstigt haben. Auch der Frost im April hat seinen Teil beigetragen indem er die Menge reduzierte und damit den Reben während der Trockenheit im Mai und Juni stressfreies Wachstum ermöglichte. Auch achten wir aufgrund der Erfahrungen aus vergangenen heißen Jahren ein wenig mehr auf die Säurewerte aber in erster Linie ist die kleine Menge die für den frühen Leseschluß verantwortlich: Wir haben nur 29 Fuder im Keller, oder durchschnittlich 18 hl/ha.

Neben dem Frost war es die Edelfäule, die durch Verdunstung Volumen kostete, uns aber durch Konzentration mehr als entschädigte. Es gibt sehr vielversprechende Auslesen, Beeren- und Trockenbeerenauslesen, die einen großen Teil der Ernte ausmachen, aber dennoch ist 2017 kein Botrytisjahrgang wie 2006 oder 2005, in dem alle Trauben mehr oder weniger edelfaul waren.

Hier meine Verkostungsnotizen:

2017 Scharzhof Riesling QbA: Zeigt sich erstaunlich reif und entwickelt, recht erdig, mit ungewohnten Bratapfelnoten, dennoch ein schönes Säure/Süße-Spiel. Der einzige Wein der Serie, der mich nicht ganz so überzeugen wie die nun folgenden.

2017 Riesling Kabinett Scharzhofberg: Noch leicht verschlossen, aber klares Bukett mit präzisen Aromen von gelbem Pfirsich, Mirabellen und Passionsfrucht. Fein nuanciert und akzentuiert mit lebhafter Frische und dezenter Restsüße, perfekt balanciert, von großer Tiefe und Rasse, mit  superber Mineralität, faszinierender Länge. Genialer Kabinett!

2017 Riesling Kabinett Alte Reben Scharzhofberg (Versteigerungswein): Sehr dichtes Bukett, facettenreich, vor allem Mirabellen, gelber Apfel und gelber Pfirsich, etwas Mango und Ananas. Auch mit der typischen Scharzhofberger Kräuterwürze unterlegt. Hoch komplexer Kabinett von gewaltiger Tiefe, kraftvoll und doch schwerelos, tänzerisch und verspielt, dabei immer von großer Ernsthaftigkeit. Endlos lang! Der beste Riesling Kabinett, den ich je verkostet habe! Dürfte auf der Versteigerung das Potenzial für einen neuen Rekordwert haben. Ich werde mitbieten!

2017 Riesling Spätlese Wiltinger Braune Kupp Le Gallais: Intensive gelbfruchtige Aromatik, relativ breit angelegt, gelber Pfirsich, Netzmelone, Kumquat, Sahnebonbon, Karamell. Recht süßer und cremiger Auftakt, kleidet den Gaumen aus, raumgreifend, Süße steht noch etwas im Vordergrund, wird sich aber mit zunehmender Flaschenreife besser integrieren. Gutes Potenzial, ein sicherer Wert.

2017 Riesling Spätlese Wiltinger Braune Kupp Le Gallais (Versteigerungswein): Sehr viel kompakter und konzentrierter als die normale Spätlese von der Kupp, wenn auch in den Grund anlagen ähnlich. Von allem etwas mehr, im Duft kommen noch tropische Früchte hinzu. Am Gaumen präziser und feiner, endet hoch elegant. Eine gute Investition in die Zukunft.

2017 Riesling Spätlese Scharzhofberger: Ein Traum! Elektrisierendes Bukett nach weißem Pfirsich, Marillen, gelbem Apfel, Maracuja, mit feinster Kräuterwürze und Tabaknoten untermalt, man könnte sich fast satt schnuppern! Ein die Seele berührender Wein von großartiger Spannung, rassiger Säure mit feinstem Spiel, hoch komplex in seiner Textur, salzige Mineralität, feine Kräuternoten, perfekt balanciert im Süße-/Säurespiel, lang, lang, lang! Mega-Spätlese, die unerreicht bleiben dürfte.

2017 Riesling Wiltinger Braune Kupp Auslese: Obwohl die Kupp ja direkt an den Scharzhofberg angrenzt, bin ich immer wieder verblüfft über die großen aromatischen Unterschiede. Unverwechselbar sind die beiden Weine in ihrer Stilistik und Aromatik. Auch diese Auslese zeigt die Üppigkeit und Gelbfruchtigkeit der Kupp. Mit Rasse und Klasse und viel Druck im langen Finale überzeugt er eher die Liebhaber des Intensiven als die des Filigranen.

2017 Riesling Auslese Scharzhofberger: Sehr intensives Bukett vor allem nach Passionsfrucht, aber auch Ananas und Mango, Lychee und getrocknete Aprikosen. Die Scharzhofberger Kräuterwürze ist darin bestens verwoben, aber unverkennbar präsent. Sehr dichter, kompakter Fruchtansatz am Gaumen mit üppiger, von der Botrytis geprägter Aromatik. Trotz 90% Botrytis wirkt er nie zu breit sondern richtig straff. Mit Zug am Gaumen, großartiger Tiefe und endlos langem Finale. Mindestens 30 Jahre Potenzial.

2017 Riesling Auslese Goldkapsel Scharzhofberger (Versteigerungswein): Noch einmal ein Quantensprung zur normalen Auslese! Alles noch einmal kompakter und dichter, von betörender Cremigkeit, ja geradezu öliger Konsistenz. Neben seiner facettenreichen Aromatik zeigt er eine Tiefe und Power, die jeden Sauternes in den Schatten stellt. Hinzu eine Säure mit feinstem Spiel, und dank des niedrigen Alkoholgehaltes (7%) ohnehin konkurrenzlos. Ganz nahe an der Perfektion. Ein Monument für die Ewigkeit!

Text und Foto: Frank Roeder MW

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