Kaum bekannte Rebsorten: Glera = Prosecco


Prosecco erfreut sich in Deutschland - und auch immer mehr in England - einer großen Beliebtheit. Doch den wenigsten Konsumenten ist dabei bewusst, dass Prosecco der Name einer Rebsorte war! Denn per Dekret des italienischen Landwirtschaftsministeriums vom 17. Juli 2009 ist Prosecco nunmehr keine Traubensorte, sondern ein Anbaugebiet!

Hierzulande wird der Name Prosecco mit italienischem Schaumwein assoziiert, obwohl die meisten Prosecco in Deutschland gar kein Schaumwein, sondern vielmehr Perlweine sind. Dies liegt an der von Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1902 eingeführten Schaumweinsteuer, die zur Finanzierung seiner Kriegsflotte dienen sollte. Und wenn Steuern erst einmal eingeführt sind   ...., aber das ist ein anderes Thema.

Glera (neu für die alte Bezeichnung Prosecco) ist eine in Nordost-Italien, genauer gesagt in der Provinz Treviso, heimische weiße Rebsorte. Sie ist spät reifend, mit goldgelben Beeren. Die Trauben sind von mittlerer Größe mit lockerem Beerenaufbau. Sie liefert einen gerbstoffreichen, hell strohgelben bis goldgelben Wein mit nussigem Geschmack. Typisch ist der dezent bittere Nachgeschmack. Die Weine werden nur selten als Stillweine ausgebaut, wohl weil sie nur wenig Charakter aufweisen. Meist werden aus Glera (= Prosecco) Schaum- und Perlweine erzeugt, weshalb der Name Prosecco in Deutschland zum Synonym für italienischen Schaumwein wurde.

Der Name hat mit dem italienischen "secco" = trocken eigentlich nichts zu tun. Er wird zwar häufig trocken ausgebaut, aber es gibt auch halbsüße oder gar süße Varianten. Wie bei allen Schaumweinen steht der Zusatz Brut für die trockene Variante, der Begriff Extra-Dry für die halbsüße Version.

Doch die Entstehung des Schaumweins war eher zufällig: In den Bergen um Treviso wurde es im Herbst in den Kellern bereits so kalt, dass die Gärung stoppte. Als es im Frühjahr dann wieder wärmer wurde, begann der Wein erneut zu gären, behielt aber eine leichte Kohlensäure bei. Das gefiel den Konsumenten so sehr, dass die Erzeuger die Produktion perfektionierten.

Der Schaumwein Prosecco aus der neu geschaffenen DOCG-Zone wird heute im Tank-Gärverfahren (Méthode Charmat) entweder als Spumante (Schaumwein) oder Frizzante (Perlwein) erzeugt. Nahezu die gesamte Produktionsmenge an Perlwein geht dabei nach Deutschland. Grund ist die Schaumweinsteuer, die für jede 0,75 L - Flasche 1,02 € beträgt. Um diese zusätzlichen Kosten zu umgehen, reduzieren die Winzer bei der Abfüllung den Druck in der Flasche auf weniger als 2,5 bar und verschließen die Flaschen mit einem "tappo raso", einem normalen Korken, der gelegentlich mit einer Schnur gesichert wird. Schaumweine hingegen sind aufgrund des hohen Drucks mit einem Pilzkorken verschlossen, der mit einer Agraffe - einem Drahtgeflecht - gesichert ist.

Spumante ist nicht notwendigerweise besser als ein Frizzante, der Grundwein ist meist der Gleiche. Allerdings hat der Frizzante weniger Bläschen im Glas, die sich auch schneller verlieren als beim Schaumwein. Daher ist ein Spumante gerade für Empfänge der geeignetere Wein, weil er länger die Perlage behält.

Prosecco DOCG ersetzt den bisherigen Prosecco DOC (die Rebfläche beträgt rund 7.000 Hektar), und darf nur noch in den Provinzen Belluno, Gorizia, Padova, Pordenone, Treviso, Triest, Udine, Venedig und Vicenza abgefüllt werden. Allerdings gibt es Ausnahmen: Abfüllbetriebe in angrenzenden Provinzen (wie z.B. Verona als Nachbar von Vicenza) dürfen im Landwirtschaftsministerium einen Antrag stellen, sofern sie nachwiesen können, dass sie seit mindestens 5 Jahren Prosecco abfüllen.

Die bisherigen Zonen für  Prosecco IGT werden zur Prosecco DOC aufgewertet, und müssen ab sofort mindestens 85% Glera enthalten.Vorbei sind also - Gott sei Dank - die Zeiten, in denen unter dem Namen Prosecco Weine aus anderen Rebsorten wie z.B. Verduzzo oder deutscher Prosecco besonders im deutschen Lebensmittelhandel zu finden waren. Ab sofort verboten sind auch Dosenabfüllungen, Glasflaschen sind obligatorisch sowohl für Spumante wie für Frizzante. Und ab 2016 sind auch blaue Flaschen verboten.

Diese Qualitätsinitiative wird dem Prosecco sicher langfristig gut tun.

Lesen Sie auch aus der Serie:Kaum bekannte Rebsorten

Teil 1: Falanghina

Teil 2: Mencia

Teil 3: Glera = Prosecco

Teil 4: Muskattrollinger

Teil 5: Negroamaro

Teil 6: Vermentino


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