Winzer des Jahres: Weingut Carl Loewen
Weißwein des Jahres: Riesling GG Morstein von Wittmann

27.11.2017

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) hat in Ihrer Ausgabe vom 26. November die Favoriten des Jahres 2017 sowohl in der Gastronomie als auch im Bereich Wein vorgestellt. Stuart Pigott kürte dabei das Weingut Carl Loewen zum Winzer des Jahres 2017 sowie den 2016er Riesling Großes Gewächs Morstein von Philipp Wittmann zum Weißwein des Jahres. Ein Urteil, dem ich ohne jegliche Einschränkung zustimme!

Dass Stuart Pigott einer der besten Kenner der deutschen Riesling-Szene ist, dürfte kein Geheimnis sein. Insofern bedeutet seine Wahl für den Winzer des Jahres nicht besonders auf, hatte er doch schon im Frühjahr eine Riesling Beerenauslese vom Weingut Carl Loewen mit der Traumnote von 100 Punkten bewertet (siehe hier: Stuart Pigott feiert die Mosel, und insbesondere Carl Loewen!).

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 26.11.17

Das haben Karl Josef Loewen und sein Sohn Christopher aber auch wahrlich verdient! Was die beiden in den Jahrgängen 2015 und 2016 in die Flaschen zauberten, ist atemberaubend gut. Schon im Jahre 2011 kürte die FAS das Weingut Loewen zum Aufsteiger des Jahres. Nachdem Sohn Christopher nach dem Studium der Önologie in Geisenheim im Jahre 2015 in dem Betrieb mehr und mehr Akzente setzte, gelang der Aufstieg "in die erste Liga des deutschen Weins und des Planeten Riesling".

Das Faszinierende ist aber, dass selbst der "einfache" Guts-Riesling namens "Quant" (das steht im moselfränkischen Dialekt als Synonym für eine rundum gute Sache, für ein rundum gutes Gefühl) so wunderschön und trinkig ist, dass er vom ersten Schluck an begeistert. Und diese Handschrift zieht sich durch das gesamte Sortiment. Noch dichter und stoffiger ist der Riesling Alte Reben, der nur wenig mehr kostet, aber noch wesentlich mehr bietet.

Ein grandioser, faszinierender Wein ist der Riesling Maximin Herrenberg, dessen Reben bereits 1896 gepflanzt wurde. Aus der Spitzenlage Herrenberg (1. Lage) erzeugen die Loewens einen hochkomplexen, filigran-verspielten, facettenreichen und jederzeit spannend-vergnüglichen Wein, der zu keinem Zeitpunkt anstrengend wird, sondern schiere Trinkfreude auf höchstem Niveau bietet!

Galaktisch der Riesling 1896, der aus dem gleichen Weinberg stammt, aber nach alten, herkömmlichen Methoden aus der damaligen Zeit gekeltert, vergoren und ausgebaut wird. Ein Riesling-Monument voller Kraft und Tiefe, von generöser,  ja geradezu verschwenderischer Fülle mit ultra-langem, hoch-komplexen Finale. Mehr Riesling in dieser Schönheit geht nicht!

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 26.11.17

Dennoch entscheidet sich Stuart Pigott für einen anderen Riesling als Weißwein des Jahres, und das ist gut so!

Denn der 2016er Riesling GG Morstein von Philipp Wittmann gehört Jahr für Jahr zur absoluten Spitze der deutschen trockenen Rieslinge! Inzwischen gibt es eine Fülle erstklassiger Rieslinge im Bereich der Großen Gewächse (GG), da fällt die Wahl schwer!

Pigotts Argumentation für den Morstein von Wittmann ist aber genauso schlüssig wie bei der Wahl des Winzers des Jahres:

"Was bringt es jedoch, einen Wein zu küren, der in winziger Menge erzeugt wurde und den daher kaum ein Leser je erleben könnte? Eigentlich ist es die weitaus beeindruckendere Leistung, einen großartigen trockenen Weißwein in einer bedeutenden Menge zu erzeugen. Genau das ist Philipp Wittmann mit seinem 2016er Morstein Riesling GG gelungen....., der bisher beste Jahrgang dieses neuen Klassikers...)."

Stuart Pigott schreibt weiter: "... es ist vielmehr die intensive kalkige Note im ewig langen Geschmacksfinale, die ihn so besonders macht. Lange Zeit haben die Experten behauptet, genau dies zeichne einen großen Chablis aus, komme aber nicht in einem deutschen Riesling vor. Philipp Wittmann hat diese Regel widerlegt."

Jeder weitere Kommentar erübrigt sich.

Text: Frank Roeder MW

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