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Alles eine Frage der Balance

31.01.2018

Master of Wine Frank Roeder erläutert, warum manche Weine schöner sind als andere

Alkohol ist im Wein ein bedeutender Geschmacksträger. Aber wie viel Alkohol darf oder muss ein Wein haben, damit er stimmig ist? Sind 15% Alkohol zu viel, oder sind 9% Alkohol zu wenig? Diese Fragen sind pauschal nicht zu beantworten, denn es kommt auf die Balance im Wein an. Dann spielt der Alkoholwert keine Rolle. Ein mächtiger Amarone mit 16% kann genauso balanciert sein wie ein Riesling Kabinett mit 8%. Was also macht die Balance aus?

Ein Wein bewegt sich idealerweise in einem Spannungsfeld von Süße und Säure, Breite und Tiefe, Kraft und Verspieltheit, Wucht und Finesse. Tendiert er zu einem dieser Extreme und vernachlässigt den Gegenpart, dann ist er außer Balance. Je ausgeprägter die jeweiligen Extreme sind, umso besser der Wein. Je schwächer, umso einfacher der Wein. Ein trockener Pinot Grigio mit wenig Säure kann mit seiner Leichtheit genauso in Balance sein wie eine honigsüße Trockenbeerenauslese.

Balance allein ist also kein Qualitätskriterium, aber es gibt keinen guten Wein ohne Balance! Ein Winzer, der die Fahne der Balance hoch hält, ist Geoff Merrill aus Australien. Viele australische Rotweine der Sorte Shiraz glänzen mit Intensität, Wucht und Breite. Man ist vom ersten Schluck an beeindruckt, aber oft nach dem ersten Glas satt! Das liegt nicht am hohen Alkohol, sondern an der fehlenden Frische und Tiefe. Weil Geoff Merrill sehr auf die Balance in seinen Weinen achtet, trinkt man davon mehr als nur ein Glas, und wundert sich, wie schnell sich die Flasche leert: Sie zeichnen sich durch große Trinkigkeit aus.

Der Shiraz Pimpala Road ist ein Musterbeispiel dafür, wie gut Balance funktioniert. Die Trauben dürfen im warmen Klima des McLaren Vale gut beschattet reifen, damit die Säure nicht verloren geht und die Frische erhalten bleibt. Neben einer köstlich intensiven Frucht von dunklen Beeren und viel Würzaromen (vor allem weißer Pfeffer, Rosmarin, Thymian und einem Hauch Eukalyptus) spielt die Säure mit dem süßlich wirkenden Extrakt. Dennoch ist dieser Shiraz komplett trocken. Seine samtig weichen Gerbstoffe gleiten ohne jede Spur von Adstringenz über den Gaumen, das fühlt sich an wie Seide auf Haut.

Der Shiraz Pimpala Road wirkt trotz seiner Wärme und Intensität frisch und verspielt, denn er ist perfekt balanciert. Das Markenzeichen von Geoff Merrill, die Waage, findet sich daher auf den Etiketten oder Kapseln seiner Weine.

Der Wein trinkt sich solo ganz hervorragend, glänzt aber auch vielfältig als Essenbegleiter. Er passt bestens zu Fleisch- und Grillgerichten und gibt auch zu Aufläufen, Gemüsegerichten und Käse eine prima Figur ab. Der Saarländer würde sagen: „Ääänfach gudd!“

Wie Balance funktioniert erklärt auch das Video zum Wein des Monats:

Alles eine Frage der Balance

Das Konzept für den VIF-Videoblog wurde zusammen mit dem Werbefilmstudio framekit entwickelt (www.framekit.de). Das junge Unternehmen ist Spezialist für Image-, Produkt- und Unternehmensfilme. Die von mir, Frank Roeder MW, selbst aufgezeichneten Videos werden von framekit geschnitten und zum fertigen Film bearbeitet.

Text: Frank Roeder MW

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