Die Renaissance der Elsässer

31.03.2018

Jahrzehntelang war das Elsass in Deutschland ein zuverlässiger Lieferant für Weißwein und Crémants. Süffige Weine wie Edelzwicker oder Sylvaner (im Elsass mit y, in Deutschland mit i geschrieben), Pinot Blanc oder Pinot Gris (lange Zeit im Elsass auch Tokay genannt) erfreuten die Gaumen der Deutschen, und besonders die der Saarländer. Doch mit der Qualitätsrevolution im deutschen Weinbau wurde der heimische Wein immer besser. Die Elsässer Winzer hingegen ruhten sich auf ihren Erfolgen aus, viele haben die Entwicklung und Modernisierung in der Weinbereitung schlicht verschlafen. Seit Jahren sind Elsässer Weine – bis auf wenige Ausnahmen – mega out! Zu einfach und zu altbacken haben die meisten keine Chance gegen modern vinifizierte Weißweine aus Deutschland mit ihrer präzisen Frucht und dem mineralischen Spiel.

Eine ganze Region im Dornröschenschlaf? Nein, auch im Elsass gab es zu jeder Zeit ambitionierte Winzer. Vorzeigebetriebe wie Hugel, Trimbach, Marcel Deiss, Boxler oder Zind-Humbrecht gehören seit vielen Jahren, manchmal gar seit Jahrzehnten, zur Qualitätsspitze. Sie behaupten sich im internationalen Vergleich und heimsen hohe Punktebewertungen für ihre Weine ein.

Doch es tut sich etwas im Elsass: Viele Betriebe haben inzwischen die Bewirtschaftung der Weinbaus auf biologischen Anbau umgestellt, einige sogar auf biodynamischen Weinbau. Die Winzer sind ambitionierter, entwickeln sich weiter, modernisieren ihre Keller. Saubere Vinifikation, in aller Regel temperaturgesteuert, sorgt für klare, moderne, saftige Weine.

Erzeuger wie der Traditionsbetrieb der Famille Hugel schaffen den Spagat, moderne Weine zu erzeugen, ohne die Tradition zu vernachlässigen: Seit 1639 gelten sie in Riquewihr als Wegbereiter des elsässischen Weinbaus und reichen ihr Wissen von Vater zu Sohn weiter. In 13. Generation leiten Marc und Jean-Frédéric Hugel die Geschicke des Familienbetriebes und keltern moderne Weine.

Handlese in den Weingärten von Hugel

Selektive Handlese ist bei Famille Hugel Pflicht

Basis sind einerseits großartige Weinbergslagen und strikt nach Qualität ausgerichteter Weinbau, aber auch die strenge Kontrolle der Weinbauern, die Trauben an die Hugels liefern. Eine erste Selektion findet schon bei der Lese im Weinberg statt, eine zweite bei der Anlieferung der Trauben im Weingut. Geschickt wird die Schwerkraft genutzt, die Frucht wird nicht in die Pressen gepumpt, sondern nach der Selektion in die Pressen gefüllt. Nur der Saft der ersten Pressung wird für die Hugel-Weine mit dem markanten gelben Etikett verwendet.

Fast alle Hugel-Keller sind unter den gut erhaltenen Gebäuden des 16. Jahrhunderts im Stadtkern von Riquewihr gelegen. Man findet hier über hundert Jahre alte Eichenfässer, darunter auch die berühmte „St. Catérine” von 1715, die in das Guinness-Buch der Rekorde als ältestes, noch im Einsatz verwendetes Groß-Holzfass Eingang gefunden hat. Soviel Tradition schließt jedoch Fortschritt nicht aus. Mit hohem technischen Aufwand wurden Kühlplatten in die Fässer integriert und dazu gehörenden Leitungen geschickt eingebaut, damit das romantische und historische Gesamtbild nicht gestört wird.

Moderne Abfüll- und Verpackungstechnik finden sich gleichermaßen. Jeder Wein wird jeweils durch ein Familienmitglied in jedem Entwicklungsstadium überwacht. Nach der Füllung haben die Weine im Durchschnitt mindestens zwei Jahre auf der Flasche zu reifen, um dann nach einer letzten Kontrolle etikettiert und zum Versand gebracht zu werden. Den Weinen so lange Zeit zur Entwicklung zu geben ist ein Luxus, den sich nur wenige Winzer leisten (können). Der aber kommt der Qualität enorm zu Gute.

In mehr als einhundert Ländern exportieren die Hugels ihre Weine und prägen so ganz entscheidend das Image des elsässischen Weins, das übrigens international wesentlich höher angesiedelt ist als zurzeit in Deutschland. Die Weine der Familie Hugel gelten vielerorts als Synonym für Wein aus dem Elsass, und warum das so ist, kann man exemplarisch am einfachsten Wein des Betriebes erklären.

Der Gentil ist der einzige Wein der Hugels, der nicht rebsortenrein ausgebaut wird. Das französische Wort „gentil“ bedeutet ja freundlich oder nett, ein „Gentilhomme“ ist ein Edelmann. Der Gentil knüpft an die alte Tradition an, die würzige Facette des Gewürztraminers mit dem Körper des Pinot Gris und der Eleganz des Rieslings zu kombinieren und mit der Fruchtigkeit des Muscats und der Frische des Sylvaners abzurunden.

So ist der Gentil ein Wein, der auf den ersten Schluck begeistert: Facettenreich und ausdruckstark sein florales Bukett, das mit Akzenten von Lindenblüten, Litschi und Birne unterlegt ist. Vollmundig und saftig am Gaumen und von erfrischender Üppigkeit begeistert er mit köstlichen Aromen, charmanter Finesse und großer Ausgewogenheit. Ein Kaleidoskop des Elsass im Glas!

Sehen Sie hier das Video zum Gentil, Wein des Monats April 2018, aus unserem You Tube Video-Blog:

Video zum Wein des Monats

Ein Gentleman-Wein, wie ihn Frauen lieben und Männer schätzen. Ein Wein, der deutschen Weinen im Preisniveau mächtig Konkurrenz macht. Und er ist doch nur der Einstiegswein der Familie Hugel, der Neugier weckt auf die großartigen anderen Weine.

Wer diese Weine probiert, wird mir zustimmen: Das Elsass ist auf bestem Weg zurück in die Herzen und an die Gaumen der Deutschen!

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Text: Frank Roeder MW

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