Aus dem Leben eines Winzers (13): Blüte

21.06.2017

Derzeit erleben wir wettertechnisch das genaue Gegenteil vom letzten Jahr. Mai/Juni 2016 bescherte uns eine wochenlange Regenperiode mit enorm viel Rgene, so dass wir kaum in die Weinberge fahren konnten. Jetzt befinden wir uns in einer Schönwetterperiode mit großer Hitze und Trockenheit und warten dringend auf Wasser. Bis zum heutigen Tag hat es an der Saar 2017 zusammengenommen noch keine 100 mm geregnet. In einem "normalen" Jahr hätten wir bereits 300 mm überschritten.

Das sonnige, trockene Wetter hat dafür einen sehr positiven Einfluss auf die Blüte, die sich derzeit in der Endphase befindet.

Die Reben wachsen - ungebändigt vom Drahtrahmen

Auf dem ersten Bild ist deutlich zu erkennen, dass die Rebtriebe "ungezähmt" wachsen und noch nicht in den Drahtrahmen eingestreift wurden.

 

Die Reben werden in den Drahtrahmen eingeflochten

Die Reben werden in den Drahtrahmen eingeflochten: Zusammen mit unseren Mitarbeitern flechten wir die Triebe in den Drahtrahmen ein, damit diese gestützt wachsen, eine Rankhilfe finden und so vor Wind-Bruch geschützt sind.

 

Die Triebe sind ordentlich in den Drahtrahmen eingeflochten

HIer ist die aufgeräumte Rebzeile nach getaner Arbeit gut zu erkennen. Auch die Durchfahrt mit dem Schlepper wird erheblich erleichtert.

 

Die Blüte beginnt

Im Innern der Laubwand findet derzeit die Rebblüte statt. Der Traubenansatz - das sogenannte Geschein - ist jetzt zur Blüte bereit.

 

Die kompakten Gescheine beginnen sich zu lösen

 

Zu Beginn der Blüte ist das Geschein noch sehr kompakt. Dann fangen die einzelnen Blütenstände an sich abzuspreizen.

 

Erste Blüten werfen das Käppchen ab

Jetzt wird bei den ersten Blüten das Käppchen abgeworfen und es kommt zur Befruchtung. Dafür benötigt die Rebe keine Bienen, da sie sich selbst befruchtet. Bei trockenem, warmen Wetter - so wie jetzt - verläuft die Blüte optimal. Ist das Wetter regnerisch oder kalt kommt es zu starken Verrieselungen, d.h. viele Beeren werden nicht befruchtet.

 

Voll-Blüte

Hier sehen sie ein Geschein in voller Blüte, der ganze Weinberg duftet nach grünem Apfel.

 

Klopfprobe, um den Grad der Verrieselung festzustellen

Den Grad der Verrieselung kann man über eine "Klopfprobe" feststellen. Klopft man auf das Geschein und es fallen nur wenige Beerchen in die Handfläche, ist die Blüte super verlaufen. Wenn wie oben neben den Blüteresten nur 3 Beerchen in der Hand liegen, ist das optimal.

 

Lücken durch erfrorene Knopsen

Aus der Entfernung sehen die Weinberge derzeit grün und dicht bewachsen aus. Bei genauerem Hinsehen kann man jedoch deutlich die durch den Frost im April entstandenen Lücken erkennen. Auf dem Bild sieht man bestens, dass 4 Knospen nebeneinander nicht ausgetrieben sind. Auch die Beiaugen (Notreserve) wurden vom Frost erwischt. Positiv betrachtet haben wir deshalb in diesem Jahr gut durchlüftete Weinberge. Nach dem trockenen Start in dieses Jahr könnten alle Landwirte und Gartenbesitzer einen wunderbaren Landregen gut gebrauchen.....

Mit besten Grüßen von der Saar

Text und Fotos: Johannes Peters, Weingut Peters (Saar)

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Aus dem Leben eines Winzers (2): So pflanzt man heute Reben

Aus dem Leben eines Winzers (3): Wie ein Weinberg entsteht

Aus dem Leben eines Winzers (4): Kreativität hilt auch im Weinberg

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Aus dem Leben eines Winzers (6): Klare Sache: So wird filtriert

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Aus dem Leben eines Winzers (8): Lesevorbereitungen

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