Der aus dem Ei kam:
Marco Valerio Marcial ist ein genial verrückter Wein

08.12.2017

Manchmal muss man im Leben einfach ein paar Verrücktheiten machen, auch wenn sie kommerziell gesehen eigentlich keinen Sinn ergeben. Aber das Herz hängt halt dran, und mit Sicherheit gibt es ein paar andere Verrückte, die das auch gut finden. Ok, dann bin ich halt auch ein Verrückter! Denn mich hat der Wein Marco Valerio Marcial vom ersten Schluck an begeistert. Ein Wein aus uralten Garnacha-Reben, mit Mini-Erträgen, ausgebaut im Beton-Ei, in Kleinst-Auflage - und: Genial!!!!

Schon der Name ist höchst ungewöhnlich: Wie kann man einen spanischen Rotwein nach einem römischen Dichter benennen (Marcus Valerius Martialis lebte von 40 n.Chr. bis 106), der vor allem für seine Epigramme bekannt ist? Na ja, vielleicht weil er in der Region Calatayud geboren wurde und aufwuchs, bevor es ihn nach Rom zog, wo er zunächst in ärmlichen Verhältnissen lebte, aber durch seine geistreichen Epigramme viele Bewunderer fand und schließlich zur Berühmtheit wurde.

Auf dem Rückenetikett ist vermerkt, dass der Wein die Poesie dieses Dichters widerspiegele. Nun ja, haben Sie mal ein Epigramm von Martialis gelesen? Nein? Vielleicht passt das hier zum Wein:

    Gattin, mache dich fort, wenn du meine Sitten nicht annimmst:
    Bin ich ein Numa doch nicht, Curius, Tatius nicht.
    Mich ergötzt es, die Nacht beim Pokale in Lust zu verbringen:
    Du trinkst, Traurige, Wasser, und eilst geschwinde davon.
    Du liebst das Dunkel: Doch ich will tändeln beim Scheine der Lampe,
    die freien Blick gewährt auf Leiber beim Liebesgenuß.
    Tuniken, Mäntel und Binden umhüllen dich, dunkel von Farbe:
    Mir dagegen ist nie nackend ein Mädchen genug.
    Mich entzücken die Küsse, wie zärtliche Tauben sie geben:
    Was ich von dir empfange, stand einst der Großmutter an.
    Reglos liegst du im Bette, kein Wort, kein kosender Finger,
    als wolltest Weihrauch du brennen, und Meßwein opfern dazu...

Martial beschrieb in den meisten seiner Epigramme das Alltagsleben der Römer und stellte es ironisch, satirisch und teilweise vulgär dar. Wichtige Themen sind dabei der Unterschied zwischen Armut und Reichtum, Rechtschaffenheit und Laster sowie die Licht- und Schattenseiten des Lebens.

Aber dieser Wein ist so anders, er spiegelt die schiere Lebensfreude wieder, er zeigt keine Gegensätze. Vielleicht polarisiert er, weil er so anders ist, fernab vom Mainstream, voller Spannung, Aufregung und Tiefe. Aber ihn deswegen nach Martial zu benennen? Auf keinen Fall ist er martialisch!

Beton-Eier zum Ausbau des Marco Valerio MarcialUngewöhnlich ist auf jeden Fall der Ausbau: Nach der Gärung im Edelstahl reift er weitere 12 Monate in Beton-Eiern mit einem Fassungsvermögen von 1.700 Litern. Dort macht er auch seinen biologischen Säureabbau. Insgesamt gab es für den 2015er nur 3 Fässer, was einer Gesamtmenge von 5.100 Litern ergibt. Weil das Ergebnis weit über das erwartete hinaus so spektakulär wurde, haben die Langas inzwischen 3 weitere Beton-Eier angeschafft.

Durch die konkave (nach innen gewölbte) Form des  Bodens im Betonei vergrößert sich die Oberfläche des Hefelagers, und die Menge des Weines darüber steht in einem ganz anderen Verhältnis als in einem zylindrischen Tank. Sprich, die Wirkung durch die Reife auf der Hefe verstärkt sich: Der Wein wird cremiger, die Tannine geschmeidiger, ohne dass der Wein seine Rasse und Frische dadurch verlieren würde. Er behält seine Spannung, und präsentiert sich so ganz anders als dei anderen Weine der gleichen Rebsorte mit gleichem Alter der Reben und dem gleichen Kellermeister.

Nicht ganz so ungewöhnlich, aber auch nicht selbstverständlich ist das Alter der Reben. Im Weinberg, der für den MARCO bestimmt ist, haben die Garnacha-Reben ein Alter von 70 bis 90 Jahren. Alte Rebstöcke sind weit weniger produktiv als junge, die Erträge liegen deutlich niedriger. In diesem Fall gerade mal 20 bis 25 Hektoliter pro Hektar (zum Vergleich: Beim Riesling Großes Gewächs oft zwischen 50 und 60 hl/ha). Das ergibt stoffige, extraktreiche, konzentrierte Weine, die sich mundfüllend, generös und beeindruckend präsentieren.

80-jähriger Barnacha-Rebstock im Marcial-Weinberg

  80-jähriger Garnacha-Rebstock im Marcial-Weinberg

 

 

Ungewöhnlich schön ist die Flaschenausstattung. Die tiefdunkle, in gefülltem Zustand schwarz wirkende Burgunderflasche wirkt edel, stimmig passt die schwarze Kapsel dazu. Das Etikett ist mit dem Namen des Weines geprägt. Leuchtend der Schmetterling, ein stilisierter Distelfalter, der sich glänzend von dem Hintergrund anhebt. Sehr edel und hochwertig, ansprechend und mit hohem Wiedererkennungswert.

Nach politischen Querelen in Rom kehrte kehrte der römische Dichter Marcus Valerius Martilais zurück in seine Heimat nach Bilbilis, dem heutigen Calatayud. Die letzten sechs Jahre seines Lebens hat er unweit der Bodegas Langa, die es natürlich noch nicht gab, verbracht. Denn Marcus Valerius Martialis hatte stets einen guten Bezug zum Wein, der in der Aussage gipfelt: "... du tust dem Wein etwas Gutes, indem du ihn trinkst". Dem stimmen wir bedenkenlos zu!

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