Tradition so modern wie nie zuvor: Familie Hugel aus dem Elsass

27.04.2017

Elsass neu definiert: Wer die Weine der Familie Hugel kostet, wird erstaunt sein, wie modern und attraktiv Elsässer Weine sein können, ohne ihre Herkunft zu verraten. Besonders dem Gentil gelingt es, dem angestaubten Image des Elsass ein junges, frisches, modernes und hoch attraktives Antlitz zu verleihen! Dabei bleibt der Wein unverkennbar seiner Herkunft treu, definiert diese aber in einem zukunftsweisenden Stil und in einer Qualität, die ihresgleichen sucht.

Irgendwie scheint die Zeit stehen geblieben in dem beschaulichen, romantischen Dörfchen Riquewihr. Dicht an dicht reihen sich die uralten Fachwerkhäuser im Ortskern und strahlen mittelalterliche Ruhe und Gemütlichkeit aus. Auch der Firmensitz der hier seit 1639 ansässigen Familie Hugel scheint aus einer anderen, längst vergangenen Epoche zu stammen. Kaum jemand würde vermuten, dass dieser Familienbetrieb zu den dynamischsten und modernsten Weinbaubetriebe des Elsass gehört, der mit einem 80% Exportanteil seine Weine in mehr als einhundert Länder liefert. Trotzdem finden sich die Hugel'schen Weine auch auf den Weinkarten aller wichtigen Restaurants Frankreichs.

Die 12. Generation der Familie im Innenhof des Stammsitzes in Riquewihr

Die 12. Generation der Familie Hugel im Innenhof des Firmenstammsitzes in Riquewihr

 

Besichtigt man die Keller, findet man in erster Linie Reihen uralter großer Holzfässer, manche sind gar mehrere hundert Jahre alt, wie etwa die berühmte “St. Caterine” von 1715, die in das Guiness-Buch der Rekorde Eingang gefunden hat. Soviel Tradition schließt jedoch Fortschritt nicht aus. Temperatur-kontrollierte Gärung und moderne Abfüll- und Verpackungstechnik finden sich gleichermaßen. Die Tradition wahren und die Segnungen des Fortschritts nutzen, scheint die Philosophie des Betriebes zu lauten. Tatsächlich erfüllt in der Familie ein jeder seine Funktion.

Marc Hugel vor dem ältesten Fass der Hugels, der St. Catérine

Marc Hugel vor dem ältesten Fass der Hugels, der St. Catérine

 

Qualitätsfanatiker sind sie allemal. Der vielleicht größte und wichtigste Unterschied zu anderen Betrieben ist die Betonung der Zeit. Die Weine erhalten ausreichend Zeit sich im Fass zu entwickeln. Erst wenn die sensorische Beurteilung durch jeweils ein Familienmitglied eine Freigabe möglich macht, wird der auf die Flasche gefüllt. Dort muss er im Schnitt mindestens 2 Jahre ruhen, bevor er etikettiert und freigegeben wird. Die Classic-Weine etwas früher, die Estate-Weine später, und die großen Weine sehr viel später. Der Schrei vieler Kunden nach dem immer möglichst jüngsten Jahrgang verhallt hier ungehört. Die 2016er Weine wird es erst im Frühjahr 2018 geben! Welch eine Segnung!

Die goldene Regel der Hugels lautet:  “Der Wein ist bereits in der Traube”. Sobald das Lesegut in den Kellern im Herzen Riquewihrs eintrifft, werden die Trauben nach strikten Qualitäts-Kriterien “klassifiziert”. Entsprechend sorgfältig bewirtschaften sie die Rebflächen, rund 25 Hektar eigene Weinberge, die allesamt rund um Riquewihr liegen,das schon seit dem Mittelalter im Rufe steht, die “edelsten Weine des Landes” hervorzubringen. Die Hälfte der Weinberge sind als Grand-Cru-Lagen klassifiziert. Der Verzicht auf Düngemittel, eingeschränkte Erträge, ein Durchschnittsalter der Rebstöcke von 30 Jahren, Ausdünnen des Behanges und Lese per Hand sind die Faktoren für die außergewöhnlich großen Qualitäten. Doch ohne Zukauf von Trauben hätten die Hugels niemals die heutige Größe und Bedeutung gewinnen können. Mit Verträgen langer Laufzeiten binden sie Kollegen mit Top-Lagen an sich und schreiben vor, wie die Reben und Böden zu pflegen sind und wann von Hand gelesen wird.

Die Pressen werden durch Schwerkraft und keineswegs durch Umpumpen gefüllt. Lediglich Moste der ersten Pressungen verdienen es, später das berühmte gelbe Etikett tragen zu dürfen. Mit Ausnahme des Gentil sind alle Weine rebsortenrein, wobei die Besonderheiten und Aromenprofile jeder einzelnen Traubensorte durch individuelle Bearbeitung im Weinberg und im Keller aufs Feinste herausgearbeitet werden. Weine, die nicht den eigenen Ansprüchen genügen, werden ausgesondert und im Faß weiterverkauft.

Lesezeit in der Grand Cru Lage Schoenenburg mit dem Herzstück Grossi Laüe

 

 Lesezeit in der Grand Cru Lage Schoenenburg mit dem Herzstück Grossi Laüe

 

"Warum sind alle Frauen nur so verrückt nach ihm?" Der Gentil, der einzige Wein der Hugels, der nicht aus einer einzige Rebsorte erzeugt wird, ist tatsächlich ein Charmeur. Ein Kaleidoskop des Elsass im Glas! Als trockener Wein verbindet er die Finesse des Rieslings, die Reichhaltigkeit des Grauburgunders, die Fruchtigkeit der Gewürztraminer und Muskateller mit der Frische des Pinot Blanc und des Sylvaners. Ein Wein, der auf Anhieb die Herzen der Frauen und die Gaumen der Männer erobert hat.

Gentil - er erobert die Herzen der Frauen - der perfekte Gentleman

Text: Frank Roeder MW

Fotos: Hugel

 

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